Gäste aus Kultur und Politik bestürzt über AfD-Ergebnis

Wer hat gewonnen, wer verloren – und was bedeutet das für Bremen? Darüber diskutierten Gäste aus Politik und Gesellschaft mit buten-un-binnen-Moderator Felix Krömer und Weser-Kurier-Chefredakteur Moritz Döbler. Die CDU musste große Verluste hinnehmen, die SPD fuhr das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ein. Einen Triumph erlebte die AfD.

Till Mette
Für Karikaturist Till Mette ist das Abschneiden der AfD ein "Versagen der anderen, die sich haben treiben lassen".

Ein schwarzer Tag für die SPD: Wie ist die Partei noch zu retten, wollten die Moderatoren wissen. Doch darüber wollte der Vorsitzende der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Björn Tschöpe, nicht reden. Für ihn sei es deshalb ein schwarzer Tag gewesen, "weil zum ersten Mal eine völkische und rassistische Partei in dieser Stärke in den Bundestag  eingezogen ist".

Auch Kristina Vogt (Die Linke) zeigte sich betroffen. "Je offener die AfD rechtsradikal aufgetreten ist, umso mehr Zuspruch hat sie bekommen. Schon allein aus historischen Gründen ist es unerträglich, wenn eine solche Partei stärker wird." Jens Eckhoff (CDU) gestand eine Mitschuld an dem Wahlergebnis ein: "Jetzt gilt es, die AfD-Wähler wieder zurück zu den Parteien holen, die sie vorher gewählt haben. Von dieser Mitschuld kann sich keiner freisprechen."

Magnitz: "Wir sind die CDU von vor 20 Jahren"

Der Bremer Vorsitzende der AfD, Frank Magnitz, kann nach eigener Aussage mit dem Begriff "völkisch" überhaupt nichts anfangen. "Wir sind die CDU von vor 20 Jahren." Mit diesem Satz erregte Magnitz eine heftige Gegenrede von Jens Eckhoff: "Sie haben nichts mit der CDU von vor 20 Jahren, noch nicht mal vor 70 Jahren gemein." Solange sich Magnitz nicht von den radikalen Teilen in der AfD distanziere, sei er nicht berechtigt, das zu sagen.

SPD geht in die Opposition

Für Tschöpe ist die Entscheidung der SPD, in die Opposition zu gehen, ein logischer Schluss. Seiner Meinung nach hat Kanzlerkandidat Martin Schulz allerdings einen hervorragenden Wahlkampf gemacht. Maike Schaefer, Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bürgerschaft, fand es "ein bisschen schade, dass sich die SPD jetzt schon teilweise aus der Verantwortung verabschiede. In puncto Jamaika-Koalition sei es noch zu früh, um über Verhandlungen zu sprechen.

Auch Hauke Hilz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP in der Bürgerschaft, will noch nicht über möglich Koalitionen im Bund sprechen. "Den Regierungsauftrag hat ganz klar die CDU bekommen.“ Er sei stolz auf das Ergebnis seiner Partei. "Anders als andere Parteien haben wir nach vorne geblickt."

Livestream zum Wahlabend von 20:15 bis 21 Uhr

Ob eine Jamaika-Koalition auch in Bremen eine Option sein könnte, wollten die Moderatoren wissen. "Das ist total skurril, 18 Monate vor der Bürgerschaftswahl um Koalitionen zu diskutieren. Man kennt die Programme ja noch gar nicht", sagte Schaefer. Jens Eckhoff hingegen kann sich einen Wechsel in Bremen gut vorstellen. Die SPD solle sich nach 70 Jahren auch einmal in der Opposition ausruhen dürfen. SPD-Mann Tschöpe stellte klar: "Das Wahlergebnis hat nichts mit der Bremer Situation zu tun. Wir werden diese Koalition in Bremen bis zum Ende erfolgreich fortsetzen – und dann entscheidet der Wähler."

Prominente aus Kultur und Gesellschaft auf Ursachensuche

Karikaturist Till Mette, Unternehmer Christoph Weiss (BEGO), Schrifsteller David Safier und Susanne Ahlers, Geschäftsführerin des Jobcenters Bremen, waren bestürzt über das gute Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl. In der Debatte dominierte die Frage, wie sich das Ergebnis für die AfD auf die Gesellschaft und auch den Parlamentsbetrieb auswirken wird. Unternehmer Weiss war sich sicher, dass Deutschland dieses Mal eine Protestwahl erlebt hat: "Ich glaube, man muss jetzt aufpassen, dass man nicht die Wähler verteufelt, sondern die Ursachen sucht."

Schriftsteller David Safier brachte seine Reaktion offen auf den Punkt: "Mist, es ist tatsächlich passiert." Wenn man Alexander Gauland jetzt zuhöre, sei es doch ein kleiner Schock. "Wir werden sehr viel Provokation im Parlament erleben", ist er sich sicher.

Für Karikaturist Till Mette ist das gute Abschneiden der AfD auch ein "Versagen der anderen, die sich so haben treiben lassen". Gleichzeitig erinnerte er daran, dass der deutsche Wahlkampf wesentlich zivilisierter und respektvoller vonstatten gegangen sei als in Frankreich, Großbritannien und den USA.

Für die Zukunft hält Ahlers vom Jobcenter Bremen, eine Demokratie-Erziehung für wichtig: "Ich glaube, dass jeder Bürger gefragt ist." Die Wertschätzung für Demokratie müsse man wiedererlangen.

  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. September, 19:30 Uhr

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