Kommentar

Gefährliches Spiel

Die Polizei verzichtet auf dem Bremer Weihnachtsmarkt auf Betonpoller zum Schutz vor Terroristen. Eine falsche Entscheidung findet unser Autor Milan Jaeger.

erleuchtete Buden auf dem Bremer Weihnachtsmarkt bei Nacht
In Bremen verzichtet die Polizei auf feststehende Barrieren. Bild: dpa | Carmen Jaspersen

In vielen deutschen Städten schützen derzeit Betonpoller die örtlichen Weihnachtsmärkte. Nicht so in Bremen. In der Hansestadt hat sich die Polizei dazu entschlossen, auf die Poller zu verzichten. Ein mutiger Schritt. Oder doch eher ein fahrlässiger?

Eins ist klar: Nach dem Lastwagen-Anschlag vom Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten und 55 Verletzten sollten die Sicherheitsbehörden alles unternehmen, um zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt. Auch klar ist: Poller bieten keinen hundertprozentigen Schutz. Gar nichts tut das.

Betonpoller schützen den Weihnachtsmarkt in Hamburg.
In Hamburg wird der Weihnachtsmarkt mit Pollern geschützt, in Bremen nicht. Bild: DPA | Georg Wendt

Wenn es um die Bewertung der Arbeit der Polizei geht, ist immer wieder vom "Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger" die Rede. Mit dieser gefühlten Sicherheit ist es so eine Sache. Sie ist eben subjektiv. Jeder fürchtet sich vor etwas anderem.

Ist das hanseatische Gelassenheit?

Spätestens seit einem Jahr ist die Angst vor einem Anschlag auf deutschem Boden aber mehr als konkret. So ist es doch einigermaßen erstaunlich, dass sich bei Umfragen auf dem Bremer Weihnachtsmarkt Menschen finden lassen, die sich auch ohne Poller auf dem Markt sicher fühlen. Ist das hanseatische Gelassenheit? Oder schon Verblendung?

Poller mögen vor allem einen psychologischen Effekt haben. Und ja, es gibt auch Untersuchungen, wonach Poller im Falle eines Anschlags selbst zur tödlichen Gefahr werden können. Es ist aber nicht verständlich, dass das anlasslose Sammeln von persönlichen Daten von vielen Vertretern der Sicherheitsbehörden mittlerweile als legitim erachtet wird, der Schutz vor einer vergleichsweise konkreten Gefahr aber vernachlässigt wird. Zumal dieser so einfach umzusetzen wäre.

Das Aufstellen von Pollern tut niemandem weh, niemand wird vorschnell verdächtigt oder muss Beeinträchtigungen fürchten. Obendrein ist die Begründung für den Pollerverzicht befremdlich: Der Straßenbahnverkehr dürfe nicht beeinträchtigt werden. Geht's noch? Der reibungslose Tram-Verkehr darf niemals schwerer wiegen als der Schutz von Menschenleben.

Betonpoller sind die pragmatischere Lösung

Die Polizei versichert, dass es derzeit keine konkrete Gefahr gebe. Dumm nur, dass sich die Bremer Polizei in der Vergangenheit bei der Frage, ob Terrorgefahr besteht oder nicht, nicht immer als treffsicher erwiesen hat. Außerdem heißt es, dass man statt auf Poller auf mehr Polizisten auf dem Weihnachtsmarkt setze. Als ob sich Terroristen von einer Handvoll Streifenpolizisten abhalten ließen. Betonpoller scheinen mir da doch die wesentlich pragmatischere Lösung zu sein.

Um das klar zu sagen: Ich wünsche uns allen, dass die Bremer Polizei mit ihrer Einschätzung richtig liegt. Falls aber nicht, wird über den Pollerverzicht noch zu sprechen sein.

  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. November 2017, 19:30 Uhr