Nur Bremen stimmte gegen Freigabe von AstraZeneca-Impfstoff

Bremens Gesundheitssenatorin hat gegen die Aufhebung der Priorisierung gestimmt. Freigegeben wird der Impfstoff trotzdem. Denn auch im Senat gibt es Unterstützung für den Beschluss.

Zwei Hände in weißen Handschuhen halten eine Impfampulle und eine Spritze in den Händen.
Die Landesgesundheitsminister haben am Donnerstag die Aufhebung der Priorisierung für AstraZeneca beschlossen. Bremen stimmte als einziges Bundesland dagegen. Bild: DPA | Himanshu Sharma/ABACA

Die Gesundheitsminister der Länder haben am Donnerstag gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Aufhebung der Priorisierung bei der Impfung mit AstraZeneca beschlossen. Bremen stimmte laut Gesundheitsbehörde als einziges Bundesland dagegen, wird den Beschluss nun aber dennoch umsetzen.

Denn: Nicht nur unter den Landesgesundheitsministern gehen die Meinungen über den richtigen Umgang mit AstraZeneca auseinander. Am frühen Nachmittag hatte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) in seiner Regierunserklärung in der Bremischen Bürgerschaft gesagt: "Um noch mehr Tempo zu machen, haben wir uns darauf verständigt, dass die Hausarztpraxen den AstraZeneca-Impfstoff jetzt auch außerhalb der Priorisierung verimpfen können." Dabei sollten auch weiterhin diejenigen als erste zum Zuge kommen, die es am nötigsten haben.

Wir wollen die starren Vorgaben aufgeben.

Andreas Bovenschulte (SPD), Bremens Bürgermeister

Zum Abstimmungsverhalten von Claudia Bernhard (Linke) passen die Äußerungen Bovenschultes nicht so wirklich. Bernhard sagt: "Wir haben nun mal weiterhin deutlich zu wenig Impfstoff, um allen ein Impfangebot zu machen. Unser Fokus muss weiterhin auf den Impfungen gefährdeter Personen liegen. Deshalb habe ich gestern gegen die Aufhebung der Priorisierung gestimmt."

In Bremen hatte es in den vergangenen Tagen einiges Hin und Her rund um die Aufhebung der Priorisierung bei AstraZeneca-Impfungen gegeben. So hatte die Kassenärztliche Vereinigung Bremen (KVHB) bereits am Dienstag erklärt, dass die Priorisierung falle und die Haftung geklärt sei. Hintergrund: Die Verimpfung von AstraZeneca war nie verboten, geschah aber letztlich auf eigenes Risiko. Das Bundesgesundheitsministerium hat angekündigt, das zu ändern.

Bremer Hausärzteverband rät: Auf Regeländerung warten

Bis das aber nicht tatsächlich passiert ist, rät der Vorsitzende des Bremer Hausärzteverbandes, Hans-Michael Mühlenfeld, seinen Kolleginnen und Kollegen von der Impfung mit AstraZeneca nach dem "Windhundprinzip" ab. Grundsätzlich hält er die Freigabe aber für sinnvoll. "Die Nachfrage nach AstraZeneca ist in den Praxen gering", sagte er. Dabei gelte grundsätzlich das Motto: "Jede Impfung zählt."

Auf dieses Motto scheint auch Bovenschulte zu setzen – im Gegensatz zu seiner Gesundheitssenatorin Bernhard, die stets betont, dass es zuallererst um den Schutz der Risikogruppen geht. "Wir fahren bislang gut damit, diejenigen zuerst zu impfen, die aus verschiedenen Gründen eine Impfung dringend benötigen. Sei es, weil sie älter sind, eine Vorerkrankung haben oder in einer Lebens- oder Arbeitssituation sind, die es nicht ermöglicht sich selber gut zu schützen", sagte sie. "Damit müssen wir unbedingt weitermachen, deshalb werden wir in Bremen Angebote in strukturell benachteiligten Stadtteilen schaffen."

Ende der Impfpriorisierung: "Wir werden in den Praxen überrannt"

Video vom 7. Mai 2021
Hans-Michael Mühlenfeld im Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autor

  • Milan Jaeger Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7.Mai 2021, 19:30 Uhr