Bogedan erklärt im "Spiegel", warum sie "viel Wut im Bauch" hat

Audio vom 3. Juli 2021
Claudia Bogedan
Bild: Imago | Reiner Zensen
Bild: Imago | Reiner Zensen

Dass jetzt Politiker eine verlorene Generation von Schulkindern beklagen, obwohl sie lange "exakt das Gegenteil erzählt haben", ärgert Bremens Noch-Bildungssenatorin.

Knapp zwei Monate ist es her, dass Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) überraschend ihren Rücktritt angekündigt hatte. Jetzt spricht sie im Spiegel-Interview über den großen Druck in der Pandemie, den Druck auf ihre Familie. Und sie teilt politisch aus, ohne allerdings die Adressaten genau zu benennen.

Wie einzelne Akteure die Pandemie nun im Nachhinein bewerten. Nachtreten kann ich nicht ab. Wer monatelang eine Zero-Covid-Strategie fährt und immer noch härtere Maßnahmen fordert, kann doch jetzt nicht den moralischen Zeigefinger heben und uns erklären, wie sehr Kinder und Jugendliche unter den Schulschließungen gelitten haben. Da werde ich so sauer, das kann ich körperlich kaum aushalten.

Claudia Bogedan, Bremer Bildungssenatorin im Interview mit dem "Spiegel"

Auf die Frage, ob sie damit die Grünen meine, wollte Bogedan keine Namen nennen. Schob aber hinterher: "Aber wenn ich sehe, dass hochrangige Politikerinnen und Politiker, die 15 Monate lang exakt das Gegenteil erzählt haben, nun eine verlorene Generation von Schulkindern ausrufen, da kann ich mich schwer beherrschen."

Schulen offen halten, solange es geht

Bogedan hatte immer dafür gekämpft, Schulen und Kitas in Bremen möglichst lange offen zu halten. Während der äußerst angespannten Corona-Lage im Januar hatte ihre Behörde die Schulpflicht aufgehoben. Dennoch hatte Bogedan die Eltern aufgefordert, ihre Kinder in die Schulen zu schicken. "Ich übernehme die Verantwortung gerne", sagte sie zu buten un binnen, denn sie sei fest davon überzeugt, dass alles getan werde, um Schulen, soweit es geht, zu sicheren Orten zu machen. Kinder zu Hause einzusperren, sei zwar in Bezug auf den Infektionsschutz noch sicherer – die Folgen für Kinder ohne soziale Kontakte seien aber dramatisch, argumentiert sie weiter.

Für diese Position stand sie von vielen Seiten stark unter Druck: So hatten unter anderem die Lehrer-Gewerkschaft GEW und der grüne Koalitionspartner die Schulöffnung deutlich kritisiert.

"Wer in die Politik geht, muss einstecken können. Das bringt der Beruf mit sich", sagte Bogedan im "Spiegel". Irgendwann habe sie aber gemerkt, dass sie den Druck nicht mehr von ihren Kindern fernhalten konnte.

Ich musste einen Ausstieg finden, damit meine Familie zur Ruhe kommen kann. Und mir wird es guttun, etwas Distanz zum politischen Tagesgeschäft aufzubauen. Ich habe noch so viel Wut im Bauch.

Claudia Bogedan, Bremer Bildungssenatorin, im Interview mit dem "Spiegel"

Am 7. Juli endet dieses Kapitel für Bogedan nun endgültig. Dann tritt ihre Parteikollegin Sascha Aulepp ihre Nachfolge an. Zum Spiegel-Interview wollte sich der Landesvorstand der Grünen nicht äußern.

Bremens scheidende Bildungssenatorin Bogedan spricht über Rücktritt

Video vom 3. Juli 2021
Bildungssenatorin Claudia Bogedan im Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 3. Juli 2021, 13 Uhr