Azubis werden knapp – Handwerker kämpfen mit Imageproblem

  • Passende Auszubildende sind in Bremen und Niedersachsen Mangelware
  • Es gibt zwar mehr Ausbildungsstellen als im Vorjahr aber weniger Bewerber
  • In Bremen sind bis Juni 2.015 Stellen unbesetzt geblieben
Ein Tischler-Azubi im Gespräch mit seinem Ausbilder.
Der Beruf des Tischlers hat noch am wenigsten mit Imageproblemen zu kämpfen. Generell gilt allerdings: Azubis fehlen in handwerklichen Berufen – auch in Bremen. Bild: Imago | Goodluz

Geeignete Auszubildende werden in Niedersachsen und Bremen zur Mangelware. Während es aktuell mehr Ausbildungsstellen gibt als im Vorjahr, ist die Zahl der Bewerber erneut zurückgegangen.

Nach Angaben der Arbeitsagentur waren im Juni noch 24.819 Stellen in Niedersachsen unbesetzt, in Bremen waren es 2.015 Stellen. "Die Aufgabe, geeignete Auszubildende für den eigenen Betrieb zu finden, ist für jeden Betrieb aktuell groß", sagt Tobias Roeder von der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen vor dem Start des Ausbildungsjahres am 1. August.

24,3 Prozent mehr Stellen in Bremen

Dabei gibt es laut Arbeitsagentur große regionale Unterschiede: In einigen Regionen gebe es doppelt so viele Stellen wie Bewerber. Dazu zählen unter anderem das Emsland und Osnabrück.

Insgesamt wurden in Niedersachsen 52.776 Ausbildungsstellen gemeldet, ein Prozent mehr als im Vorjahr. Dem steht ein Rückgang der Bewerberzahl um 5,5 Prozent auf 49.461 entgegen. In Bremen schnellte die Zahl gemeldeter Stellen nach niedrigem Niveau im Vorjahr sogar um 24,3 Prozent nach oben. Die Bewerberzahl ließ dagegen um 8,1 Prozent auf 3.734 nach.

Im Handwerk werden oft nicht zeitgemäße Berufsbilder vermittelt.

Tobias Roeder, Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen

Das Handwerk hat im Werben um geeignete Lehrlinge zudem mit einem Imageproblem zu kämpfen. Technische Neuerungen und die Digitalisierung der Branche seien noch nicht allgemein anerkannt. "Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Image sich allem voran in den Köpfen der Eltern festgesetzt hat."

Ein Mittel, um die Berufe attraktiver darzustellen, seien sogenannte Ausbildungsbotschafter. Junge Azubis gehen dabei an die Schulen und berichten von ihren eigenen Erfahrungen im Beruf. Das sei die "authentischste Form der Berufsorientierung", sagt Roeder, der das Handwerk auch als Aufstiegschance hin zum erfolgreichen Unternehmer sieht. Um Lehrlinge für sich zu gewinnen, werben Betriebe demnach etwa mit kostenlosen Handyverträgen oder Prämien für gute Noten.

Demografischer Wandel besonders auf dem Land spürbar

Dennoch verstärkten der Trend zum Studium und der demografische Wandel die Herausforderung für die Betriebe. Darin sieht auch die Arbeitsagentur die Hauptgründe für den Azubi-Mangel. Die geburtenstarken Jahrgänge kommen ins Rentenalter, weniger Junge kommen nach. Das sei vor allem auf dem Land spürbar, sagt Roeder. "In Ballungszentren ist es natürlich leichter, eine größere Zahl an jungen Menschen zu erreichen und gegebenenfalls für den eigenen Betrieb und das jeweilige Gewerk zu interessieren, als in der Fläche."

Es gebe aber auch Gegenbeispiele: So habe die Kammer Hildesheim-Südniedersachsen bis Ende Juni 14,3 Prozent mehr Lehrverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Vor allem die Sparten Kfz-Mechatroniker, Elektriker, Metallbauer und Tischler hätten weniger Probleme, Azubis zu finden. Engpässe gebe es beim Bau und im Nahrungsmittelhandwerk.

Die Handwerkskammern und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Niedersachsen hatten kürzlich kritisiert, dass den Berufsschulen seit Jahren Lehrer fehlten. Die Unterrichtsversorgung sei im Vergleich zu Grundschulen und Gymnasien unterdurchschnittlich.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen um sechs, 15. Juli 2019, 18 Uhr