Das ist der neue Mann an der Spitze der Bremer AfD

Lange stand der Name Frank Magnitz in Bremen für die AfD, doch jetzt führt Peter Beck den Landesverband. Ein Mann, der kaum bekannt ist – noch.

Der neue Landesvorsitzende der AfD, Peter Beck im Interview.

Peter Beck ist gelernter Schiffsmechaniker, fährt früh zur See. Er bereist alle Weltmeere und lernt mehr als 60 Länder kennen. Als er in dem Beruf für sich keine Zukunft mehr sieht – und auch der Liebe wegen – bleibt Beck an Land. Er wird Soldat auf Zeit und geht danach zur Bundespolizei. Nach einem Unfall vor ein paar Jahren wird er in den Ruhestand versetzt. Zu dem Zeitpunkt ist gerade das vierte Kind unterwegs, Existenzängste kommen auf. Die seien aber nicht der Grund gewesen, in die AfD einzutreten.

Der Grund für mich war, dass wir als Pflegefamilie zwei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufgenommen hatten, wir gesehen haben, wie die staatlichen Institutionen schleppend und schlecht gearbeitet haben.

Der neue Landesvorsitzende der AfD, Peter Beck im Interview.
Peter Beck

Er habe seinen ersten Pflegesohn von der Polizei abholen lassen, weil der auf Beck losgegangen sei. "Und der zweite Pflegesohn hatte in seiner Identität gelogen, denn es kam nachher raus, dass er anstatt 16 Jahren 21 war. Und trotzdem verblieb er in der Jugendhilfe."

Es sei enttäuschend gewesen, von den Flüchtlingen belogen und betrogen worden zu sein, sagt Peter Beck. Das, was Kanzlerin Merkel gesagt hat – "Wir schaffen das!" – stimme eben nicht. Das System, mit solchen Fällen umzugehen, funktioniere immer noch nicht, behauptet der 52-Jährige. Wäre er in Bremen zuständig für die Flüchtlingshilfe, würde er sich für härtere Sanktionen gegen Flüchtlinge einsetzen, die sich nicht integrieren lassen wollen.

"Nehmen wir mal den Umkehrschluss: Ich reise jetzt in die USA, beantrage da eine Green Card und heiße da nicht Peter Beck, sondern Fritz Meier, und die kommen dahinter. Was passiert dann in den USA? Dann würde ich wohl gleich nach Hause geschickt werden. Und genauso muss das umgekehrt auch sein." Er habe nichts gegen gelungene Integration, sagt Beck. Selbst wolle er aber nicht noch ein drittes Mal einen Flüchtling bei sich in der Familie aufnehmen.

Mehr als nur das Flüchtlingsthema

In seiner neuen Funktion als Bremer AfD-Landesvorsitzender will Beck dafür sorgen, dass sich nicht alles um dieses Thema dreht. Es sollen Arbeitskreise für Sachthemen wie Verkehr und Wirtschaft gegründet werden. "Das sind ja Sachen, die haben hier in der Partei komplett gefehlt", sagt Beck. "Wir haben ja auch viele intelligente Köpfe in der AfD. Es ist ja nicht so – wie das Bild immer von außen gezeigt wird – 'ja, die von der AfD haben am besten immer alle Springerstiefel und eine Bomberjacke an und kurze Haare'."

Als Landesvorsitzender, so Beck, wolle er der Bevölkerung zeigen, dass die AfD völlig anders sei, als teilweise in den Medien berichtet werde. "Die Menschen sind – ich sag' es mal so salopp – wie du und ich. Ich habe sehr positive Erfahrungen mit vielen Mitgliedern gemacht. Es gibt natürlich auch Mitglieder, die aus meiner Sicht vielleicht ein falsches Weltbild in sich tragen. Aber das haben Sie in anderen Parteien genauso." Bei seiner Arbeit im Vorstand wolle er alle Flügel der Partei mitnehmen: den ganz rechten, den aus der Mitte und den linksliberalen, zu dem er sich selbst zähle.

Irgendwann wieder bei der Bundespolizei?

Angesichts der Tatsache, dass sich die Bremer AfD zuletzt sehr zerstritten zeigte, dürfte das keine einfache Aufgabe sein. Er sei "Peacekeeper", Friedenswächter im Kosovo gewesen, meint Beck schmunzelnd, das seien beste Voraussetzungen auch Frieden in der AfD zu stiften.

Dass er nun Parteivorsitzender sei, habe er bei seinem Eintritt vor zwei Jahren gar nicht geplant, sagt er. Die Mitglieder, die mit der bisherigen Führung unter seinem Vorgänger Frank Magnitz und auch dessen Stellvertreter Thomas Jürgewitz nicht mehr einverstanden waren, seien auf ihn zugekommen. Er wisse gar nicht, was ihn nun zu einem guten Landesvorsitzenden mache, meint Beck: "Das kann ich Ihnen noch nicht mal sagen. Wahrscheinlich meine Ehrlichkeit. Wahrscheinlich, weil ich authentisch bin."

Mit 37 Ja-Stimmen ist Peter Beck beim Landesparteitag in sein Amt gewählt worden. Knapp 76 Prozent Zustimmung; das hätte besser laufen können, meint der gebürtige Bremer. Nun wolle er nach vorne schauen, und für die Partei und als Abgeordneter in der Bremischen Bürgerschaft arbeiten. Und sollte der Amtsarzt ihn nach seinem Unfall wieder als arbeitsfähig einstufen, könne er sich auch vorstellen, zurück zur Bundespolizei zu gehen. Da habe er immer gerne gearbeitet.

Peter Beck ist neuer Landeschef der Bremer AfD

Der neue Landesvorsitzende der AfD, Peter Beck im Interview.
  • Sven Weingärtner

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 16. September 2019, 8:20 Uhr