Kommentar

Lasst euren Müll bitte zu Hause!

Überall in Bremen stehen sie am Wegesrand: "Zu verschenken"-Kisten. Unsere Autorin hat mal hineingeschaut und festgestellt: Darin ist ganz schön viel Schrott.

Kiste steht auf Fußgängerweg
Ist da vielleicht was Schönes dabei? Kisten mit der Aufschrift "zu verschenken" stehen nicht nur in Bremen auf den Fußgängerwegen.

"Zu verschenken" ist in krakeliger Schrift auf eine Papp-Kiste geschrieben. Der Karton steht am Rande eines Fußgängerweges in der Bremer Humboldtstraße. Der Inhalt ist mager: Ein Schnapsglas, benutzte Taschentücher und beschriebene Notizzettel. Und das ist zu verschenken? Na toll.

Kiste steht auf Fußgängerweg
Benutzte Taschentücher, aufgeweichte Bücher: Die Inhalte solcher Kisten können mitunter ernüchternd sein.

Vielleicht sind die größten Schätze der Verschenke-Kiste schon an den nächsten glücklichen Besitzer gegangen, und der traurige Rest wartet jetzt auf seine nicht sehr wahrscheinliche Abholung. Vielleicht sind die Besitzer aber auch einfach froh gewesen, sich mit dem Müll nicht mehr beschäftigen zu müssen.

Verschenken ist nicht wegschmeißen

Dabei ist die Idee der "zu verschenken"-Kisten etwas Tolles: Wenn ich Krimskrams aus meiner Wohnung nicht mehr möchte, biete ich ihn anderen Menschen an. Die Nächstenliebe ist sogar so groß, dass ich auf eine Kiste "zu verschenken" schreibe, Aussortiertes umsonst weiterreiche, ganz ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Und ja, auch ein Teil meiner Küchenausrüstung stammt aus solchen Kisten.

Das Problem: Oft ist das Verschenkte schlichtweg Müll. Dabei sollte es eine Voraussetzung für Verschenktes sein, wenigstens noch halbwegs funktionstüchtig zu sein: ein aussortiertes Sektglas ohne Sprung, ein altes Buch ohne zerrissene Seiten.

Dass es bisweilen unpraktisch ist, bei jeder Entrümpel-Aktion im eigenen Haushalt den Sperrmüll zu bestellen, ist nachvollziehbar. Zumal je Haushalt nur eine Sperrmüllabfuhr pro Kalenderjahr in der Abfallgebühr enthalten ist. Die zweite Sperrmüllentsorgung im Jahr kostet 67 Euro pro Abfuhr.

Zu hoffen, dass jemand mit dem ausrangierten Plunder noch etwas anfangen kann, ist naheliegend und sogar nett. Aber: Müll hat in Verschenke-Kisten im öffentlichen Raum einfach nichts zu suchen.

Keine Vorschriften von der Innenbehörde

Rechtliche Regelungen über Verschenke-Kisten gibt es nicht. Laut Innenbehörde gilt grundsätzlich, dass jede Nutzung der öffentlichen Verkehrsfläche, die über den Gemeingebrauch hinausgeht, eine Sondernutzung darstellt. Eine Genehmigungspraxis für die Umsonst-Kartons gibt es aber nicht – auch keine Grenzwerte hinsichtlich Größe, Raum und Zeit.

Was aber gilt: Diejenigen, die Verschenke-Kisten aufstellen, haben die private Verkehrssicherungspflichten zu beachten. Das Geschenk an die Allgemeinheit soll nicht zur Stolperfalle werden. Und: Finden sich keine Abnehmer, müssen die Kisten ordnungsgemäß entsorgt werden. Passiert das nicht, komme es einer illegalen Müllentsorgung gleich, so die Innenbehörde. Die Bußgelder für illegale Müllentsorgung reichen, je nach Material, von 20 bis zu 5.000 Euro.

Tauschen und Spenden

Überfüllter Tausch-Schrank in der Bremer Humboldtstraße
Der Bücherschrank in der Bremer Humboldtstraße wird offenbar auch zur Müllentsorgung genutzt.

Anstatt die aussortierten Gegenstände auf die Straße zu stellen und zu hoffen, dass sie einen neuen Besitzer finden, können Sie auch tauschen oder spenden. In Bremen gibt es beispielsweise an mehreren Orten der Stadt sogenannte Bücher-Schränke. Ausgelesene Bücher werden durch ein neues, lesenswertes ausgetauscht.

Damit das Tauschgeschäft funktioniert, müssen die Nutzer aber zusammenarbeiten – das funktioniert nicht immer. Die "Tausch-Bar" auf dem Recycling-Hof Blumenthal zum Beispiel musste nach drei Jahren wegen nicht zu stoppender, schwerer Vermüllung schließen. Eine "Tausch-Bar" auf dem Recycling-Hof Hohentor gibt es noch.

Spenden geht auch immer: Kleiderspenden nehmen soziale Einrichtungen wie die Innere Mission oder die Caritas entgegen. Sachspenden finden beispielsweise bei "Gemeinsam in Bremen" (GiB) einen neuen Platz.

Und wenn es schnell gehen muss, bleibt es eben bei der "zu verschenken"-Kiste. Nur ohne Müll – das wäre schön.

  • Sophie Labitzke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 25. Januar 2018, 23:30 Uhr