Zoll klagt über mehr organisierte Kriminalität und mehr Bedrohungen

  • Organisierte Kriminalität und Drogenhandel nehmen laut Zoll zu
  • Außerdem würden Beamte und ihre Familien öfter bedroht
  • Zöllner sollen nun von der Polizei unterstützt werden
Video vom 18. Februar 2020
Zwei Zollbeamte laufen in Bremerhaven am Hafengelände entlang.

Der Zoll in Bremerhaven sieht sich immer häufiger mit organisierter Kriminalität konfrontiert. Grund sei der zunehmende Drogenschmuggel, hieß es am Dienstag auf einer Pressekonferenz von Sicherheitsbehörden und Politik in Bremerhaven. Für die Zollbeamten entstehe auch persönlich eine neue Bedrohungslage.

Zuvor hatten Sicherheitsbehörden, Zollgewerkschaft und Politik bei einem Runden Tisch über die verschärfte Lage beraten. Zoll-Vertreter hatten dort berichtet, Beamte seien mit Sprüchen wie "Ich weiß, wo Du wohnst" oder "Wir wissen, wo Dein Junge Fußball spielt" bedroht worden. Die Zöllner hätten diese Vorfälle an ihre Vorgesetzten gemeldet, berichtete Sarah Ryglewski, Staatssekretärin beim Bundesministerium für Finanzen. "Wir müssen den Schutz der Beamten sicherstellen", sagte Ryglewski weiter. Die Zöllner würden bei der Arbeit deshalb öfter von SEK-Teams begleitet.

Gewerkschaft will mehr Personal und bessere Technik

Die Zollgewerkschaft bekräftigte ihre Forderung nach bundesweit 5.000 weiteren Kräften. Damit solle die organisierte Kriminalität besser bekämpft werden, unter anderem auch durch verdeckte Ermittler. Sie forderten außerdem eine "zeitgemäße technische Ausstattung" wie verschlüsselte Smartphones und den verstärkten Einsatz von Drogenspürhunden.

Der Drogenumschlag über Bremerhaven und Hamburg – besonders mit Kokain – hat laut Zoll und Polizei zuletzt deutlich zugenommen. Das liege auch daran, dass in Amsterdam und Rotterdam inzwischen stärker kontrolliert werde. Die Nordseehäfen gelten laut Zollgewerkschaft als Hauptdrehscheibe für Kokain-Importe aus Südamerika. 2018 habe der Zoll über 3,2 Tonnen Kokain und Plagiate im Wert von über 196 Millionen Euro beschlagnahmt. In Bremerhaven hatten die Ermittler innerhalb kurzer Zeit Drogen mit einem Straßenverkaufswert von zwölf Millionen Euro sichergestellt.

So läuft der Kokain-Schmuggel

Video vom 20. Dezember 2018
Illegales Schmuggeln von großen Mengen Kokain im Hafen von Bremerhaven
Bild: Radio Bremen/OpenStreetMap

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Februar 2020, 19.30 Uhr