So soll eine Schrottimmobilie Bremerhavens kreative Szene beleben

So soll eine Schrottimmobilie Bremerhavens kreative Szene beleben

Audio vom 19. Oktober 2021
Blick auf ein weißes Gebäude.
Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke
Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke

Jahrelang rottete ein fünfstöckiges Wohnhaus in der Alten Bürger vor sich hin. Jetzt wollen junge Kreative hier ein Haus voller Kulturangebote schaffen.

Viele Jahre schon steht das fünfstöckige Wohnhaus in der Bürgermeister-Smidt-Straße 218 in Bremerhaven leer und verkommt. Jetzt soll es zu einem neuen Kulturort in der Stadt werden. Das zumindest hat sich die Initiative "Werk" vorgenommen. Die jungen Kreativen sammeln per Crowdfunding Geld, um das Gebäude ökologisch zu sanieren.

Ins Erdgeschoss soll das Café "Findus" einziehen, dass sich aktuell ein paar Häuser weiter befindet. Im Hinterhof sind Werkstätten geplant, die einladen sollen, selbst zu reparieren oder aus Altem Neues zu gestalten. Auf den anderen Etagen sollen Wohn- und Arbeitsräume für Kreative entstehen.

Unsere Vision von "WERK." ist eine dynamische Hausgemeinschaft mit offenen Türen, die immer von denjenigen Nutzer*innen geformt wird, die es gerade bewohnen.

Aufruf der Werk-Initiative

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"Stadt ist im Aufbruch"

Fiona Brinker hat das Kulturcafé "Findus" vor fünf Jahren gegründet. Dabei wollte sie damals eigentlich nur weg aus Bremerhaven. "In meiner Schulzeit war immer mein Ziel, hier komplett wegzugehen, weil ich nichts an Kultur gesehen habe, vor allem nichts an junger Kultur und an spannenden Großstadtdingen", erzählt sie.

Nun aber sei die Stadt im Aufbruch: "Ich habe das Gefühl, dass immer mehr junge Leute in Erwägung ziehen, hierzubleiben und auch hier was zu bewegen, dass die Sichtbarkeit, dass man selber hier was verändern kann, gewachsen ist. Und dass dadurch auch mehr Projekte und Veranstaltungen hier stattfinden."

Weitere Mitstreiter gesucht

Ein Mann sitzt auf einer roten Bank in der Mitte eines Raumes.
Niklas Piatkowski sucht weitere Kreative für das Werk-Haus. Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke

Akteure für Veranstaltungen sucht die Initiative "Kreativer Aufbruch". Sie versteht sich als eine Art Schaltzentrale für Kreative und Kulturschaffende in Bremerhaven. "Sobald man eine Idee hat, rennt man hier eigentlich offene Türen ein, weil dieser Bedarf an Ideen und Umsetzungen extrem groß ist. Man freut sich eigentlich über jeden, der herkommt und etwas gestalten will", sagt Vorsitzender Niklas Piatkowski, der sich gleichzeitig auch in der Werkhaus-Initiative engagiert.

Unterstützt wird "Kreativer Aufbruch" von der BIS Wirtschaftsförderung und dem Kulturamt der Stadt. "Man hat ein Ohr bei allen Ämtern und Institutionen. Man kann mit denen schnell arbeiten, es werden Lösungen gefunden, um Sachen umzusetzen. Das ist etwas, was man in Bremerhaven gerade hautnah erlebt", berichtet Piatkowski.

Viele Akteure, die sich aktuell melden, seien jung, etwa Mitte 20 bis 30 Jahre alt. Und viele von ihnen kommen laut Piatkowski gar nicht aus Bremerhaven, sondern sind zum Studieren in die Stadt gekommen. Es fehlt Bremerhaven aber laut Piatkowski bisher an geisteswissenschaftlichen Studiengängen, denn dort gebe es immer viele kreative Menschen. Das könnte sich aber ändern: Im nächsten Jahr soll an der Hochschule der Studiengang "Soziale Arbeit" starten. Dann erhofft er sich weitere engagierte Kreative.

Alle Bürger beteiligen

An einer Wand sind Schriftzüge zu erkennen.
Alle Bremerhavenerinnen und Bremerhavener konnten ihre Ideen an die Wände schreiben. Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke

Die Initiative will aber nicht nur Studierende erreichen. "Wir machen uns ziemlich viele Gedanken darüber und haben auch noch nicht die besten Lösungen, aber wir suchen sie. Wir machen auch dementsprechend Workshops zum Thema Beteiligungsstrukturen", berichtet Piatkowski.

Jüngst haben die Initiatoren des Werk-Hauses das Thema Beteiligung äußerst kreativ gelöst: Alle Bremerhavenerinnen und Bremerhavener konnten ihre Ideen für das Haus an die Wände schreiben: Mehr als 1.200 Vorschläge kamen zusammen – von einer Tanzfläche über Flohmärkte bis zu Räumen für Vereine. Nicht alle Vorschläge können in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Die Kreativen in Bremerhaven wollen aber so viele wie möglich realisieren.

Autorinnen

  • Sonja Harbers Redakteurin und Autorin
  • Mirjam Benecke Volontärin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 19. Oktober 2021, 16:45