Interview

Welttag der Ozeane: Wie bedroht sind unsere Meere und was kann helfen?

Audio vom 8. Juni 2021
Ein Fisch schwimmt im blaune Meer zwischen Müll.
Bild: Imago | Ardea/Paulo Di Oliviera
Bild: Imago | Ardea/Paulo Di Oliviera

Klimawandel, Schmutz, Lärm – die Lage wird immer kritischer. Zum Welttag der Ozeane erklärt AWI-Chefin Antje Boetius aus Bremerhaven die Probleme und was jeder tun kann.

Der 8. Juni wurde 2009 von den Vereinten Nationen zum Welttag der Ozeane ernannt, vor allem um auf die Verschmutzung dieses einzigartigen Ökosystems aufmerksam zu machen.

Was ist gerade die größte Bedrohung für unsere Meere?
Also Mittlerweile sind viele Expertinnen und Experten der Meinung, es ist der Klimawandel. Weil Hitzewellen, die wir vom Land kennen, so auch im Meer stattfinden. Und weil das CO2 in der Atmosphäre dazu führt, dass der Ozean zunehmend versauert. Wärme und Versauerung führen zum Ausbleichen und Absterben der Korallenriffe, was jetzt schon weltweit über die Hälfte der Riffe betrifft. Dann kommen noch viele andere Probleme dazu, wie Verschmutzung. Das Plastikmüll-Problem kennt inzwischen jeder. Und natürlich auch immer noch der Druck der Fischerei, vor allen Dingen der illegalen. Aber auch zunehmend die Aquakultur, die Küstenregionen verschmutzt. Es ist schon eine ganze lange Latte. Aber der Klimawandel der ist eben global. Wenn wir schon von Schutzgebieten reden, was heute auch am Weltozeantag wichtig ist, dann gibt es das Problem: Vor der globalen Erwärmung und Versauerung kann man kaum schützen.
Eine Frau im roten Overall lehnt an einem Gerät.
Wissenschaftlerin Antje Boetius ist Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Bild: Imago | Zuma Wire/Kerstin Rolfes
Offshore-Windkraftanlagen sollen auch ein großes Problem sein, weil die unter Wasser viel Lärm machen. Stimmt das?
Der Lärm in den Meeren wird zunehmend auch als Problem für viele Meeressäuger erkannt. Das ist so, dass da die Forschung läuft. Und natürlich können Wale hören. Sie singen ja auch, also müssen sie hören können. Wenn man auf ihren Hör- und Sprechfrequenzen Krach macht, dann stört es Wale. Aber man muss bei dieser Liste des Schreckens, die ich gerade aufgezählt habe, gleichzeitig sehen: Würden wir Menschen Windenergie statt fossiler Brennstoffe nutzen, würden wir auch eine erhebliche Erleichterung für alle Tiere des Meeres schaffen. Und genau diese Abwägung, was kann man lokal machen, wie wird da eine ganze Transformation draus, das ist ein wichtiges Verhandlungsfeld. Also muss man schauen, wie gibt man Walen auf der einen Seite Schutz – die sterben derzeit vor allen Dingen an Plastikmüll, weniger an Lärm – und wie schaffen wir es, unsere Energiequellen völlig zu verändern, sodass die Meereslebewesen überhaupt eine gute Zukunft haben.
Sie haben die zahlreichen Probleme angesprochen – was glauben Sie, wieviele Möglichkeiten hat denn die Spezies Mensch noch dagegen anzugehen?
Wir haben jetzt in dieser Dekade eigentlich noch die große Möglichkeit, mit den uns schon vielfältig zur Verfügung stehenden Technologien, die Sache nochmal umzudrehen – wenn wir nur wollen. Und zwar ist ausgerechnet, wieviel Platz für CO2 in unserer Atmosphäre ist, bevor der Ozean für viele Arten zu warm wird. Man kann genau ausrechnen, was wir Menschen jetzt noch an Platz in der Atmosphäre haben und was wir tun müssen. Und dann kommt heraus, was man auch viel hört und liest: Die Länder haben sich vorgenommen, bis 2050 klimaneutral zu werden. Da müssen wir als Forscher warnen: Achtung, die Natur hat selber ein Rückkoppelungsmechanismus, der wirkt jetzt schon. Wir sollten also besser anstreben, zu 2030 die Infrastruktur so verändert zu haben, dass wir nicht mehr so abhängig von Kohle, Öl und Gas sind. Das ist ein riesiger Beitrag zum Schutz der Meere.
Und welchen Beitrag kann jeder einzelne jetzt schon leisten?
Jeder kann genauer hinschauen: Energiesparen ist auf jeden Fall immer ein Beitrag. Vor allen Dingen, wer fossile Brennstoffe nutzen muss. Aber auch hinzuschauen, wo landet eigentlich der eigene Müll. Wie viel nutzt jeder einzelne von den Erdressourcen jetzt schon und kann man sie vielleicht anders nutzen. Ganz wichtig ist beim Meer auch immer die Frage: Wenn ich schon gerne Fisch esse, was esse ich da? Es gibt ja durchaus Angebote, nachhaltige Fischerei zu stützen, ein altes Handwerk der Menschheit. Und zu verzichten auf schlimme Aquakultur-Produkte, wie Billig-Lachs, der auch sehr zerstörerisch auf die Meere wirkt. Das ist für jeden ein toller Beitrag.

Rückblick: Bremerhavener Forscher untersuchen Schiffswracks auf Gift

Video vom 11. April 2021
Ein Taucher im Wasser. Er trägt einen Taucheranzug.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Katharina Guleikoff
  • Jens-Uwe Krause
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 8. Juni 2021, 8:40 Uhr