6 Geschichten zum Start der Weihnachtsmärkte

Endlich gehen die Lichter an: Die Weihnachtsmärkte in Bremen und Bremerhaven öffnen. Es gibt Glühwein und jede Menge Spaß. Doch früher ging es nicht immer so vergnüglich zu.

Buden mit Roland und Schütting, 1972
Vier Wochen dauern der Bremer Weihnachtsmarkt und Schlachtezauber in diesem Jahr – früher waren es nur ein paar Tage kurz vor Weihnachten. Bild: Staatsarchiv Bremen | Schmidt

Wenn am Nachmittag um 16:30 Uhr die Lichter am großen Tannenbaum vor der Bremischen Bürgerschaft leuchten, beginnen für alle Weihnachtsmarkt-Fans die wohl schönsten vier Wochen des Jahres. 175 Stände und Buden stehen in diesem Jahr rund um das Rathaus, den Roland und die Stadtmusikanten. Am Weserufer beginnt dann am Abend der Schlachte-Zauber unter dem Motto "Historisch, winterlich, maritim" mit einem Feuerwerk.

Auch die Bremerhavener starten ab 18 Uhr in die Weihnachtsmarktsaison, Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) eröffnet den Markt. Doch nicht immer ging es in der Vergangenheit auf den Märkten um das pure Vergnügen, das zeigen diese sechs Geschichten rund um die Bremer Weihnachtsmärkte.

1 Bremen kam nicht aus dem Puschen

Seit Jahrhunderten gibt es in Deutschland Weihnachtsmärkte – doch Bremen war da ziemlich spät dran. Im Norden hatten die Hansestädte Hamburg und Lübeck die Nase weit vorn. Als Bremen 1857 den ersten Weihnachtsmarkt erlebte, war beispielsweise Lübeck schon seit 371 Jahren dabei. Einmal in Bremen angekommen, nahm der Weihnachtsmarkt nur langsam Fahrt auf. Aufzeichnungen zufolge soll der Markt im Eröffnungsjahr ziemlich unspektakulär gewesen sein. Unter den Rathausarkaden standen lediglich einige Buden und boten Spielzeug, Nüsse und Tannenbäume an.

2 Bremer Kuchenbäcker starteten ersten Versuch

Bereits im 18. Jahrhundert gab es in Bremen erste zaghafte Versuche, einen Markt in der Vorweihnachtszeit zu etablieren. Bremer Kuchenbäcker verkauften ihre Ware auf dem Freimarkt und ließen ihre Buden versuchsweise nach Ende des Freimarkts gleich auf dem Markt stehen, das Weihnachtsgeschäft stand schließlich vor der Tür. Der Senat war wenig begeistert und verbot die Aktion 1750 kurzerhand. Die Kuchenbäcker beschwerten sich – mit Erfolg. Nur wenige Monate später wurde das Verbot wieder aufgehoben. Ein echter Weihnachtsmarkt etablierte sich jedoch nicht.

3 Knappe Kassen um 1920

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs litt auch die Bremer Bevölkerung unter der starken Inflation. 1915 betrug die Inflationsrate 35 Prozent, 1919 waren es bereits 58 Prozent und an Weihnachten 1920 lag sie sogar bei 113 Prozent. In diesem Jahr fand der Bremer Weihnachtsmarkt vom 17. bis 24. Dezember statt. Das Bremer Tageblatt berichtete von silbernen Glaskugeln, Pfefferkuchenherzen, Zuckerkringeln und jeder Menge Spielsachen, die sich die Menschen trotz knapper Kassen leisteten – oder die sie zumindest bestaunten. Außerdem im Angebot waren laut Bremer Tageblatt: "Allerlei Kochgeschirr für die angehende Hausfrau nebst dazugehörigen Besen, Bürsten und Holzlöffeln."

4 1945 hielt sich der Spaß in Grenzen

1945 – das letzte Kriegsjahr und das erste Friedensjahr für Bremen. Weihnachten 1945 ging folglich auch als das erste Friedensweihnachtsfest seit 1938 in die Geschichte ein. Doch auch wenn der Krieg vorbei war, herrschte große Not. Der Weihnachtsmarkt war in diesem Jahr ein reiner Verkaufsmarkt im Kastanienwäldchen am Herdentor, auf dem es wenig Vergnügliches gab. Spielbuden oder Karussells hat man vergeblich gesucht.

5 Skandale und Skandälchen in Bremerhaven

Nicht so bekannt wie der Bremer Weihnachtsmarkt ist der in der Schwesterstadt Bremerhaven. Er hat es mit der Kulisse auch etwas schwerer: Bremerhaven hat keine historische Altstadt, die City zieht sich entlang einer modernen Einkaufsstraße. Doch die Besucher aus Bremerhaven und umzu lieben ihren Weihnachtsmarkt trotzdem, obwohl er von manchen "Skandälchen" begleitet wurde. Etwa 2011, als die Veranstalter beschlossen, statt der riesigen Weihnachtstanne vor dem Stadttheater ein "Weihnachtsschiff" aufzustellen: Das kam nur bei den wenigsten gut an. 2017 gab es Ärger, weil der Markt schon lange vor der Weihnachtszeit begann – und sogar vor dem Totensonntag. Dafür gab es mächtig Ärger von Kirchengemeinden und Bürgern. Die Stadt versprach, das soll nie wieder vorkommen.

6 Neues Konzept mit viel Licht

Beleuchtete Buden stehen auf einem Platz.
Ein Leuchtturm darf in der Seestadt Bremerhaven nicht fehlen. (Archivbild) Bild: Erlebnis Bremerhaven | Tanja Mehl

Die städtische Tourismusgesellschaft hat das Konzept des Bremerhavener Weihnachtsmarktes verändert: Heute gibt es gibt mehr Buden und ein schlüssigeres Konzept ohne große Lücken auf dem langen Weg über die Bürgermeister-Smidt-Straße bis zum Theodor-Heuss-Platz – und mit rund 150.000 LED-Lampen sehr viel Licht. Vor der Großen Kirche laufen abends riesige Lichtinstallationen, die nicht nur bei Bremerhavenern ziemlich gut ankommen.

Diese Familie ist schon jetzt im Weihnachtsfieber

Ein Mann steigt mit einer Leiter auf sein Dach, um dieses weihnachtlich zu schmücken.

Autoren

  • Angela Weiß
  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. November 2019, 19:30 Uhr