Wie sinnvoll ist der Bremer Sonderweg bei den Weihnachtsferien?

  • Lehrervertreter rechnen mit Betreuungsproblemen für bestimmte Lehrer
  • Virologe Dotzauer: Zu wenige Tage für Selbstquarantäne vor Weihnachten
  • Personalrat Schulen fordert schärfere Maßnahmen
Eine Maske hängt an einem Tisch in einem Unterrichtsraum. Im Hintergrund sitzen Schüler an Tischen.
Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hält die Bremer Entscheidung zu den Weihnachtsferien für die "beste Lösung". Doch Lehrervertreter und der Virologe Andreas Dotzauer sehen das anders. (Symbolbild) Bild: DPA | Weber

Die Entscheidung Bremens, die Weihnachtsferien nicht pauschal zu verlängern, stößt bei Lehrervertretern und beim Bremer Virologen Andreas Dotzauer auf Skepsis. Die Vorstandssprecherin der Bremer Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Elke Suhr, bemängelt, dass die Bremer Lösung viele Lehrkräfte, die in Bremen arbeiten und in Niedersachsen wohnen und eigene Kinder haben, vor Betreuungsprobleme stellen werde. Bremen will es den Schülern und ihren Eltern selbst überlassen, ob die Schülerinnen und Schüler nach dem 18. Dezember zur Schule kommen.

Suhr lobt zwar, dass der Bremer Weg anerkenne, dass viele Eltern ein Betreuungsproblem bekämen, wenn der Unterricht nach dem 18. Dezember ausfiele. Die daraus resultierende Notbetreuung, in der ja die Kohorten gemischt würden, hält auch der Virologe Andreas Dotzauer für kontraproduktiv. Suhr gibt aber mit Verweis auf die Bremer Lehrkräfte, die in Niedersachsen wohnen, zu Bedenken, dass das Betreuungsproblem damit nicht gelöst ist.

Dotzauer: "Fünf Tage Selbstquarantäne bei Jugendlichen zu wenig"

Das niedersächsische Kultusministerium hat – wie die allermeisten anderen Bundesländer auch – entschieden, dass der 18. Dezember in jedem Fall der letzte Schultag sein wird. Schüler und Eltern können zudem beantragen, auch am 17. und 18. Dezember vom Unterricht befreit zu werden.

Wenn man es mit der Selbstquarantäne vor den Weihnachtstagen ernst meint, müsste man es wie Niedersachsen machen und den Schülern die Möglichkeit geben, auch schon am 17. und 18.12. zu Hause zu bleiben.

Der Virologe Andreas Dotzauer im Interview.
Andreas Dotzauer, Virologe Uni Bremen

Diese Lösung hält Dotzauer für noch besser als den Bremer Weg. "Bei Kindern und Jugendlichen liegt die durchschnittliche Inkubationszeit bei sieben und nicht wie bei Erwachsenen bei fünf Tagen", gibt der Virusforscher zu Bedenken. Wenn der 18. Dezember der letzte Schultag ist, bleiben bis zum 24. Dezember allerdings lediglich fünf Tage für die Selbstquarantäne.

Aus der Sicht von Dotzauer gehen die bisher beschlossenen Maßnahmen ohnehin nicht weit genug: "Das, was wir bisher hatten, war ein mickriger Lockdown." Insofern begrüßt er die jetzt beschlossenen Verschärfungen, wonach sich unter anderem nur noch maximal fünf Personen aus zwei Haushalten miteinander treffen dürfen. Die Lockerungen an den Weihnachtstagen werde aber zu einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen im Januar führen. Da ist sich Dotzauer sicher.

Personalrat Schulen fordert härtere Eingriffe in den Schulbetrieb

Angelika Hanauer vom Personalrat Schulen findet es zwar nachvollziehbar, dass es Schülern und Eltern überlassen wird, ob der Unterricht am 21. und 22. Dezember besucht wird. Sie geht aber davon aus, dass das zu einer Abstimmung mit den Füßen führt und dass die Klassenräume an diesen beiden Tagen dann leer bleiben werden. Ein normaler Unterricht sei dann nicht möglich, wodurch das Ziel, den Unterricht aufrechtzuerhalten, nicht erfüllt werde. "Von daher sollte man schnellstens der RKI-Empfehlungen folgen und Halbgruppen einrichten und eine generelle Maskenpflicht einführen", fordert Hanauer.

Gut leben mit den Beschlüssen und der Bremer Regelung hinsichtlich der Weihnachsferien kann hingegen der Zentralelternbeirat Bremen. Vorstandssprecher Martin Stoevesandt findet, dass Bremen einen "sinnvollen und gangbaren Kompromiss" gefunden hat.

Bremer Schulen starten Online-Petition

Bremer Schüler haben unterdessen auf einem Online-Portal eine Petition gestartet, mit der sie "Distanzunterricht und Selbstlernzeit" ab dem 17. Dezember fordern. Die Petition ging am 26. November online und fand bis zum frühen Nachmittag 70 Online-Unterstützer. Die Initiatoren wollen, dass sich der Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft mit dem Ansinnen beschäftigt. Dafür sind 3.900 Unterzeichnungen nötig.

Pressekonferenz des Bremer Senats zum Corona-Gipfel

Video vom 25. November 2020
Tischschild mit Aufschrift: Freie Hansestadt Bremen
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Milan Jaeger
  • Heike Zeigler

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. November 2020, 19:30 Uhr