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Bremens grüne Lunge: Wie gut geht es unseren Wäldern?

Das Land Bremen hat zwar wenige Waldflächen, die sind aber immens wichtig. Warum uns der Wald sogar gegen Überschwemmungen schützt, erklärt ein Bremer Wissenschaftler.

Naturwald in Norddeutschland (Archivbild)
Weicher Boden, meterhohe Bäume, warmes Licht – Waldbesuche empfinden viele Menschen als Erholung. Bild: Imago | Christian Ohde

150.000 Hektar Wald in ganz Deutschland sind zerstört. Als maßgebliche Ursachen gelten Dürre und deren Folgeprobleme. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will gegen die massiven Schäden vorgehen und hat dazu für heute zu einem Waldgipfel geladen. An der Veranstaltung in Berlin nehmen mehr als 170 Interessengruppen und Institutionen teil. Dort soll über Hilfen zur Wiederaufforstung und langfristige Strategien zur Klimaanpassung beraten werden. Im Raum stehen Forderungen nach staatlichen Hilfen im Umfang von einer Milliarde Euro und mehr. Auch für Bremen und Bremerhaven haben die Waldflächen eine hohe Bedeutung, wenn die Region auch nach Expertensicht als waldarm gilt.

In Bremen gibt es nur wenig Wald

Im Land Bremen sind rund 900 Hektar oder etwa zwei Prozent der Gesamtfläche des Landes mit Wald bedeckt. Zum Vergleich: In Niedersachsen liegt der Anteil bei rund einem Viertel der Fläche, in ganz Deutschland etwa bei einem Drittel.

Grafik: Waldflächen in Bremen und Bremerhaven. Straßenbäume mehr als 70.000 rund 9.500 Waldfläche 490 Hektar 410 Hektar Bremen: Bremerhaven:
Bild: Radio Bremen Quelle: Umweltbetrieb Bremen, Umweltressort Bremen, Magistrat Bremerhaven

Wälder sind wichtig für Klima und Gesundheit, sowie für das ökologische Gleichgewicht. Wobei ihr direkter Einfluss als wichtige Klima-Anlage aus Sicht des Fachmanns zuweilen überschätzt wird: "Die Durchschnittstemperatur wird in Bremen vom Wald nur sehr gering beeinflusst", sagt Dietmar Zacharias. Er ist Professor und Leiter der Arbeitsgruppe angewandte und ökologische Botanik an der Hochschule Bremen. Der Waldbestand habe allerdings noch andere Effekte.

In Bremen ist gerade Starkregen im Zusammenhang mit dem Klimawandel ein Thema. "Der offene, also nicht versiegelte Boden kann das Wasser gut halten, dort kann viel versickern", sagt der Wissenschaftler. So würden Überschwemmungen verhindert. Außerdem erwärme sich unversiegelter Boden nicht so stark, deshalb gebe es Verdunstungen. Auch das wirke sich positiv auf das Klima aus. Die große Blattoberfläche der Baumkronen fange zusätzlich Staub ab.

In Bremen gibt es sehr unterschiedliche Wald- und Baumarten. "Wo die Weser Land überschwemmt, findet man Weidensumpfwälder, in Sodenmatt gibt es beispielsweise Schwarzerlen", sagt Zacharias.

Man kann sagen: Die Eiche ist der Bremer Baum.

Dietmar Zacharias, Botaniker Hochschule Bremen

Birken, Kiefern, Buchen und Eschen kommen außerdem häufig vor in der Region. Neben den Waldflächen gibt es in Bremen mehr als 70.000 Straßenbäume, in Bremerhaven rund 9.500.

Dürreschäden zeigen sich oft erst im Folgejahr

"In unseren Wäldern in Bremen Nord hält sich der Schaden durch die vergangene Hitzeperiode in Grenzen. Massive Schäden wie beispielsweise im Harz sind nicht vorhanden", schreibt Kerstin Doty, Pressesprecherin des Umweltbetriebs Bremen auf Anfrage von buten un binnen. Oft würden die Auswirkungen starker Hitzeperioden an Bäumen aber erst in den Folgejahren sichtbar.

Stärker betroffen seien die Stadtbäume, insbesondere junge Straßenbäume, und Flachwurzler wie Birken. Weil sich ihre Wurzeln flach unter der Erdoberfläche ausbreiten, können sie nicht mehr an Wasser gelangen, wenn die oberen Schichten der Erde austrocknen. "An vielen Bäumen zeigte sich ein vorzeitiger Laubfall und ihre Kronen sind ausgelichtet. Sie werden es aufgrund ihrer geschwächten Vitalität schwer haben, sich zu erholen oder sind bereits abgestorben, obwohl der Umweltbetrieb Bremen mit Hilfe der swb und der Freiwilligen Feuerwehr in der Hitzeperiode täglich 280.000 Liter Wasser zu den Jungbäumen gebracht hat", so Doty.

Mischwälder schützen vor Schädlingen

Da Prognosen auf mehr Trockenheitsphasen und höhere Temperaturen hinwiesen, pflanze der Umweltbetrieb Bremen vermehrt sogenannte "Klimabäume". Das sind Baumarten, die gut an die Bedingungen in Städten angepasst sind. Ziel ist laut Doty, eine möglichst große Vielfalt solcher widerstandsfähiger Bäume zu pflanzen. "Gemischte Anpflanzungen sorgen dafür, dass sich Schädlinge nicht so schnell ausbreiten können." So ist der Befall mit Borkenkäfern in Bremen zum Beispiel kein Problem, sagt Botaniker Zacharias. Denn sie befallen in erster Linie Fichten. Dennoch: "Der Druck auf die Bäume nimmt zu", meint Zacharias. Schädlinge und Pilze, die aus anderen Ländern in die Region gebracht werden, setzten ihnen auch zu.

Auch Zacharias plädiert zum Schutz der Wälder auf die Mischung verschiedener Baumarten. Seiner Ansicht nach müsse man nicht unbedingt neue Baumarten pflanzen, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.

Dass einzelne Bäume bei Trockenheit eingehen, bringt den Wald nicht um. Bäume sterben, aber der Wald stirbt nicht.

Dietmar Zacharias, Botaniker Hochschule Bremen

"Es wird immer wieder so sein, dass einzelne Bäume zum Beispiel die Hitze nicht abkönnen", sagt der Wissenschaftler. Die heimischen Arten würden aber viele Umweltbedingungen vertragen. "Dem müssen wir eine Chance geben. Die Monokultur hat Probleme."

Bremen muss alte Bäume erhalten

Weil bundesweit so viele Bäume der Trockenheit und ihren Folgen zum Opfer gefallen sind, will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in großem Stil aufforsten. Ziel seien Mischwälder, die an den jeweiligen Standort und das Klima angepasst seien. Aufforstung kommt dabei allerdings für Flächenländer in Betracht, nicht für das Land Bremen mit seiner begrenzten Fläche. "Für Bremen ist es viel wichtiger, alte Bäume zu erhalten, als die Waldfläche zu vergrößern", sagt Zacharias.

Denn wichtig sei nicht allein die Anzahl und Größe der Waldflächen. "Große, alte Bäume haben eine ganz andere Qualität. Der Wald hat ja auch eine Funktion als Lebensraum. Wir erleben zunehmend den Verlust von diesen alten Bäumen." Aus Sicherheitsgründen würden viele alte Bäume zurückgeschnitten, manchmal sogar gefällt. Damit will man verhindern, dass abgestorbene Äste herabfallen und Spaziergänger verletzen können. Alte Bäume dienen aber auch als Lebensraum für Tiere. Junge Bäume sind daher kein direkter Ersatz. "Drei kleine neue Bäume sind nur perspektivisch ein Ausgleich für einen großen, alten Baum", sagt Biologe Zacharias. Denn man könne am Anfang nicht wissen, wie groß und alt diese später einmal werden.

Autorin

  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 25. September 2019, 23:30 Uhr