Besuch in Dresden: Das ist das Vorbild für den Lloydhof

Eine Investorengruppe will den Bremer Lloydhof rigoros umgestalten. Aus dem tristen Bau mitten in der Innenstadt soll ein sogenanntes "Lebendiges Haus" werden. Ein Vorbild für dieses Nutzungskonzept gibt es bereits in Dresden. buten un binnen es hat sich zeigen lassen.

Ein Gebäude mit der Aufschrift: "Das lebendige Haus"

Die Lage des "Lebendigen Hauses" in Dresden könnte besser kaum sein. Direkt neben dem barocken Zwinger ragt der 175 Meter lange Gebäuderiegel empor. Von der Dachterrasse aus eröffnet sich ein Blick auf die historische Dresdner Innenstadt – Postkarten-Panorama. "Für unsere Häuser kommen nur 1A-Lagen in Frage", sagt Wilhelm Andreas Büscher. Der Hamburger managt das Gebäude im Auftrag des Investors, dem bayerischen Unternehmen Denkmalneu.

Vor etwa einem Jahr ist der Umbau zum "Lebendigen Haus" vollzogen worden. 45 Millionen Euro haben die Investoren in das ehemalige Bürogebäude investiert. Der ursprüngliche Bau entstand – ähnlich wie der Lloydhof – in den Neunziger Jahren. Die alten Betreiber hatten immer wieder Schwierigkeiten, das Gebäude auszulasten. Pläne, Gastronomie und ein Hotel anzusiedeln, scheiterten. Die neuen Eigentümer haben nach eigenen Angaben mit ihrem Konzept binnen eines Jahres dafür gesorgt, dass im Lebendigen Haus Vollvermietung herrscht.

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Wilhelm Andreas Büscher managt das "Lebendige Haus" in Dresden.

Die Betreiber setzen vor allem auf zeitlich begrenztes Wohnen. 118 Appartements sind entstanden. Gäste können sie für einmalige Übernachtungen ebenso nutzen wie für dauerhaftes Wohnen. "Appartementwohnen ist im Kommen, die Zuwächse lagen in Deutschland zuletzt bei zehn Prozent im Jahr", erklärt Wilhelm Andreas Büscher.

Herzstück des Wohnkonzeptes ist ein Gastronomiebetrieb in der sechsten Etage. Von seiner großen Dachterrasse aus haben Bewohner und Besucher den besten Blick über die Stadt. Der Ort ist öffentliches Restaurant und gleichzeitig Anlaufstelle und Sozialraum für die Bewohner des Hauses. Ähnlich einer Hotelrezeption kümmern sich die Beschäftigten um Anliegen der Mieter. "Wir sind ein soziales Netzwerk und machen dadurch das Gebäude lebendig", sagt der Manager.

Insgesamt 300 Menschen arbeiten im "Lebendigen Haus". Restaurants, inhabergeführter Einzelhandel und Dutzende Firmen sind im Gebäude untergebracht. Auch für diese Mieter sieht das Konzept möglichst viel Vernetzung vor. Für die Unternehmen etwa hält das Haus Tagungsräume bereit. Auch Catering und Firmenfeiern bieten die Betreiber an. Die Bewohner können bei den Gastronomen per hauseigener App eine Art Zimmerservice bestellen. 

Das Dresdner Konzept ist Vorbild für alle weiteren "Lebendigen Häuser". Eines entsteht gerade in Leipzig. Bremen wäre die Nummer drei. Die Investorengruppe plant, das Konzept in fast allen deutschen Großstädten umzusetzen. Allerdings sieht nicht jedes "Lebendige Haus" gleich aus. Entscheidend sind die Gegebenheiten vor Ort. "Wir nehmen Architekten an die Hand, die uns sagen, was zu einer Stadt passt", erklärt Wilhelm Andreas Büscher. In Bremen etwa sei mehr Einzelhandel geplant als in Dresden.

Die Investoren interessieren sich für den Lloydhof wegen seiner zentralen Lage. Außerdem halten sie Bremen für einen Standort mit großem Potenzial. "Gerade haben viele Investoren im Bremer Stadtkern etwas vor – das ist ein Zeichen dafür, dass es hier floriert", sagt Büscher. Noch aber steht nicht fest, wann die bayerischen Investoren in Bremen loslegen. Büscher: "Es fehlt noch eine entscheidende Unterschrift."

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. Dezember 2017, 19:30 Uhr