Darum kreisen heute Hubschrauber über Bremen

Hundert Spezialpolizisten aus Deutschland und Österreich messen heute in Bremen ihre Kräfte. Wir verraten, wo Sie ihnen dabei zuschauen können.

Ein Mann hängt im Rahmen einer Übung an einem Seil aus einem Hubschrauber der Bundespolizei.
Auch Hubschrauber sind am Dienstag und Mittwoch im Einsatz. (Symbolbild) Bild: DPA | Robert Michael

Die Veranstaltung trägt einen sperrigen Namen: "Vergleichsübung der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten/-hundertschaften". Dahinter verbirgt sich ein Wettbewerb unter Mannschaften der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE) der Polizei, der alle zwei Jahre organisiert wird. Austragungsort ist jeweils das Bundesland oder die Stadt, deren Mannschaft beim letzten Mal gewonnen hat. Da die Bremer Polizisten 2017 den Wettkampf für sich entscheiden konnten, werden die Spezialkräfte-Teams der Polizei dieses Jahr im kleinsten Bundesland ihre Kräfte messen.

Polizei-Mannschaften der einzelnen Bundesländer stehen versammelt hinter ihren Flaggen
Während der Eröffnung des Vergleichswettbewerbs versammelten sich die 20 teilnehmenden Mannschaften in Bremerhaven hinter ihren Landesflaggen.

Doch welche Aufgaben müssen sie lösen? Was bedeutet das für die Menschen in Bremen und Bremerhaven? Wo und wann kann man die Übungen beobachten? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Wer nimmt an der Vergleichsübung teil?
Dieses Jahr nehmen 20 Mannschaften mit jeweils fünf Mitgliedern teil. Die Gruppen kommen aus verschiedenen Bundesländern. Zusätzlich sind Teams der Bundespolizei und der österreichischen "Wiener Einsatzgruppe Alarmbeteiligung" mit dabei. Bremen fungiert als Ausrichter und nimmt an den Übungen nicht teil.

Ziel der Veranstaltung ist, die Fähigkeiten der Einheiten in den verschiedenen Ländern zu vergleichen. Zudem müssen die BFE oft länderübergreifend arbeiten, daher spielt das Zusammenwirken eine wichtige Rolle. 
Eugen Roloff
Eugen Roloff hat vor zwei Jahren am Wettbewerb in Magdeburg teilgenommen und mit der Bremer Mannschaft gewonnen.

BFE-Einheiten übernehmen je nach Bundesland verschiedene Aufgaben, vor allem sieht man sie bei Großdemonstrationen oder Risiko-Fußballspielen. In Bremen sei ihr Aufgabenspektrum breit gefächert, erläutert der Polizist Eugen Roloff. Unter anderem vollstrecken die Bremer BFE-Polizisten Haftbefehle und unterstützen die Kriminalpolizei bei Einsätzen. Auch bei Verkehrskontrollen oder Abschiebungen mit höherem Gefährdungspotential können sie mitwirken. Als Elite-Einheit wollen sie sich nicht bezeichnen. Das Wort sei Tabu, sagt Roloff. Sie verstünden sich in erster Linie als Polizisten. Allerdings muss man eine hohe psychische und physische Belastbarkeit sowie eine überdurchschnittliche Ausdauer und Stress-Stabilität beweisen, um in die BFE aufgenommen zu werden.

Wie werden die Übungen aussehen?
Die genaue Gestaltung der zehn Übungen ist noch geheim. Die Mannschaften dürfen nicht im Voraus erfahren, welche Aufgaben gestellt werden. Allerdings spiegeln die meisten davon Situationen aus dem Berufsalltag wider, die schon passiert sind oder ähnlich eintreten könnten. In den vergangenen Jahren gab es beispielsweise Übungen, die den Castor-Transport betrafen, wie Barrikaden beiseite räumen oder Trecker wegfahren.

Häufig haben die Übungen mit Durchsuchungen, Festnahmen oder Schießen zu tun. Dazu müssen die Teilnehmer Aufgaben wie Intelligenztests lösen und in Stresssituationen Ruhe bewahren. Sie werden bewusst an ihre Grenzen getrieben. Laute Geräusche, künstlicher Nebel oder Dunkelheit können auch zum Einsatz kommen. Einige Übungen finden daher in Gebäuden statt, andere im Freien. Sicher ist, dass sich ein Teil der Veranstaltung dieses Jahr in der Nähe des Wassers abspielen wird. Die Aufgaben sind dieses Mal von der Bremer BFE zusammengestellt worden.

Die schwierigsten Übungen sind die, die über einen längeren Zeitraum gehen, weil sie einfach an die Konsistenz gehen. Die Auftakt- und Schlussübungen werden deshalb sehr anstrengend sein. Und auch diejenigen, bei denen sehr viel Stress entsteht und gleichzeitig Aufgaben gelöst werden müssen.

Eugen Roloff
Eugen Roloff, Polizist
Polizisten gucken zu, wie ein Fallschirmspringer auf dem Dach des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven landet
Zum Auftakt des Wettbewerbs sprangen sechs Fallschirmspringer aus einem Hubschrauber und landeten auf dem Dach des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven.
Bei welchen Übungen können die Menschen in Bremen und Bremerhaven live zusehen?
Der Auftakt am Dienstag war um 16 Uhr beim Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. Hier werden Fallschirmspringer der Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei Flaggensprünge mit verschiedenen Fahnen zeigen. Die BFE-Polizisten werden anschließend an mehreren Stationen in der Stadt Aufgaben erfüllen müssen.

In Bremen kommen am Mittwoch die Mannschaften bei gutem Wetter mit Hubschraubern an. Beobachter dürfen bei der Marina im Europahafen den ganzen Tag bis 16:30 Uhr den Mannschaften beim Lösen einer Aufgabe zusehen. Und ab 18 Uhr kann man vom Ufer am Werdersee die Abschlussübungen beobachten.

Der Grund, weswegen Zuschauer nicht überall anwesend sein dürfen, liegt auch an den taktischen Aspekten der Veranstaltung. "Man will nicht die eigene Taktik in solchen Situationen offenlegen", sagt Roloff.
Wird es Verkehrsbehinderungen geben?
Nein, Einschränkungen im Verkehr seien nicht vorgesehen, teilte die Polizei mit. In der Nähe des Weserstadions dürfte allerdings am Mittwochnachmittag etwas lauter werden: Dort werden eine Zeit lang Hubschrauber kreisen. Die Anwohner seien informiert worden, sagt die Behörde. Auch in der Nähe des Europahafens wird am Mittwoch ein Hubschrauber fliegen.
Nehmen Frauen an dem Wettkampf teil?  
Bei der vergangenen Veranstaltung waren keine Polizistinnen dabei. Es habe damals leider keine in die Mannschaft geschafft, erläutert Roloff. Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl sei unter anderem die körperliche Leistung. Bundesweit gibt es allerdings Frauen in den BFE, auch wenn in geringerer Zahl im Vergleich zu den Männern. In Bremen gibt es derzeit keine.  
2017 hat Bremen den Wettkampf gewonnen: Gab es Momente, die besonders schwierig waren?
Roloff ist ein Augenblick bei einem Parcours besonders in Erinnerung geblieben. Es sei so erschöpft gewesen, dass die Kollegen ihn führen mussten, weil er den Weg nicht finden konnte, erzählt er. "Ich hatte einen Panzer vor mir und habe versucht, um ihn herum zu laufen, anstatt darauf zu klettern." Die anderen Teammitglieder mussten ihm den korrekten Weg zurufen. Am Ende hat trotzdem alles geklappt und das Team hat gewonnen.

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  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier beginnt, 18. Juni 2019, 8:10 Uhr