Interview

Veganer Fisch aus Bremerhaven: Das steckt drin

Der Bremerhavener Tiefkühlkosthersteller Frosta bringt Backfisch und Fischfrikadellen aus Pflanzen auf den Markt. Die sollen aber gar nicht nach Fisch schmecken.

Drei Menschen in weißer Schutzkleidung stehen an einem Fließband mit Fischstäbchen.
Die veganen Fischalternativen richten sich erstmal nur an Gastronomen. Bald soll es die neuen Produkte aber auch in Supermärkten geben. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

An drei veganen Fischersatzprodukten haben die Produktentwickler von Frosta in den vergangenen sechs Monaten getüftelt: Backfisch, Fischfrikadelle und Knusperfilet soll es unter dem Markennamen "Fisch vom Feld" zunächst im gastronomischen Bereich geben. Geschäftsführer Burkhard Gabbe erzählt im Interview mit buten un binnen, was in den Produkten steckt und warum sie ganz bewusst nicht nach Fisch schmecken.

Burkhard Gabbe, Geschäftsführer von Frosta
Frosta-Geschäftsführer Burkhard Gabbe betont, dass die Fischalternativen nicht nur für die Veganer entwickelt wurden. Bild: Frosta | Andreas Thal
Fischprodukte gehören zu Ihrem Kerngeschäft, warum bieten Sie plötzlich vegane Alternativen an?
Wir haben ja seit mehren Jahren schon den Trend zu veganen Produkten festgestellt, wir haben viele Studentenwerke und Betriebsgastronomien, die inzwischen viele vegetarische Produkte von uns einsetzen. Wir sind aber nach wie vor auch ein ganz wichtiger Fischlieferant in der Gastronomie und wir machen auch ein großes Geschäft mit Fisch – nach wie vor. Aber wir wissen alle, dass die Weltbevölkerung wächst und wächst. Es gibt immer mehr Menschen, die auch in der Lage sind, sich heute tierische Proteine zu leisten. Das war in der Vergangenheit nicht so. Die Fischbestände aber wachsen nicht und sie sind eben endlich. Und deswegen haben wir auch gesagt, wir müssen auch dafür sorgen, dass wir für die Zukunft ein Angebot haben, was eben nichttierisches Protein liefern kann.

Für die Zukunft wird es diese Produkte geben, weil es sie geben muss.

Burkhard Gabbe, Geschäftsführer Frosta
Schmeckt Ihre vegane Fischfrikadelle nach Fisch?
Nein, tatsächlich nicht. Der Endverbraucher in Deutschland erwartet ja von so einem klassischen Fischstäbchen, dass es eine schöne knusprige Panade hat, wenn er es gebraten hat, und dass der Fisch, der da drin ist, möglichst nicht zu doll nach Fisch schmeckt. Deswegen ist es eigentlich nicht schwierig, ein Ersatzprodukt herzustellen. Man braucht eine anständige schöne Panade und ein Produkt, das relativ neutral schmeckt. Man merkt, dass es aus Gemüseteilen besteht, aber vom Mundgefühl und von der Knusprigkeit hat man schon das Gefühl, ein Stück Fisch zu essen.
Woraus bestehen denn Ihre Fischalternativen?
Die Herausforderung war ja, ein weißes Produkt herzustellen, weil der Verbraucher möchte ja nicht ein grünes oder braunes Stück Fisch essen. Das heißt, wir haben weiße Gemüsesorten gesucht, wie zum Beispiel weiße Bohnen und Blumenkohl, und haben versucht, aus diesen eben eine Masse zu erstellen, die vom Mundgefühl und von der Optik wie ein Fischfiletstück ist.
Blumenkohl und Bohnen – mehr steckt nicht drin?
Das sind die Hauptbestandteile. Es stellte sich aber auch die Frage nach dem Proteinersatz. Deshalb haben wir Hanfprotein zugesetzt, das ist geschmacklich neutral. Die Fischalternativen enthalten so 50 Prozent der Proteinmenge eines tierischen Produktes. Soja haben wir nicht genommen wegen der Diskussion um Genmanipulation. Außerdem ist Omega 3 bei Fischprodukten essenziell. Wir haben uns dann für Leinöl entschieden. Der Omega-3-Gehalt ist prozentual so wie bei Fisch. Wir wollten dann noch Meersalz nehmen, aber dann gab es die Diskussion um Mikroplastik in Meersalz, deshalb nehmen wir selbstgemahlenes Steinsalz.
Bisher bieten Sie die Fischalternativen nur im gastronomischen Bereich an. Gibt es den veganen Fisch auch irgendwann im Supermarkt zu kaufen?
Auf jeden Fall. Ein genauer Termin steht noch nicht fest, aber auf jeden Fall noch in diesem Jahr. Und dann soll es auch Fischstäbchen geben.
Werden die Fischalternativen teurer sein als Ihre herkömmlichen Fischprodukte?
Wir haben festgestellt, dass die Produktion teurer ist als bei einem normalen Fischstäbchen. Wir haben natürlich einen aufwendigeren Einkauf, weil wir mehrere Produkte brauchen, und auch die Produktion ist aufwendiger. Der Preis steht noch nicht fest, aber der Preis wird etwas höher sein als bei einem normalen Fischprodukt.

Fischmesse in Bremen: So sieht veganer Fisch aus

Video vom 10. Februar 2020
Ein Mann am Filetieren eines veganen Fischfilets.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Februar 2020, 19:30 Uhr