Laden war gestern! In Bremerhaven gibt es jetzt den Unverpackt-Truck

Ein Paar steht nebeneinander an einen Verkaufswagen gelehnt.
Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens
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Anne Bink und ihr Mann wollen die Menschen auf den Dörfern für umweltbewusstes Einkaufen begeistern. Mit einem umgebauten Bäcker-Wagen touren sie durch die Region.

Wer im Supermarkt einkauft, der hat am Ende zu Hause oft große Müllberge. Salat, Nudeln, Zahnpasta, Shampoo – alles ist verpackt. 108 Kilogramm Verpackungsmüll produziert jeder statistisch gesehen pro Jahr im eigenen Haushalt.

Gefäße mit Müsli und Nüssen hängen von der Decke.
Die Lebensmittel lassen sich leicht portionieren. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

In Großstädten gibt es schon Unverpackt-Läden, in denen es Ware lose zu kaufen gibt. Und auf dem Land? Klar, da geht man mal Kartoffeln beim Bauern holen, aber sonst? Seit einigen Monaten tourt deshalb jetzt der Unverpackt-Laden aus Bremerhaven als "Unverpackt-Truck" durch die Dörfer im Bremerhavener Umland.

Anne Bink ist Mitinhaberin des Unverpackt-Ladens in Bremerhaven. Jetzt bringen sie und ihr Mann die Idee auf die Dörfer. "Damit das nicht so ein Großstadtprivileg ist, haben wir uns überlegt, dass wir quasi diesen Unverpacktladen auf die Räder bringen", erzählt Anne Bink. Ihlienworth, Sievern, Altluneberg, Loxstedt – mit einem umgebauten Bäckerwagen fährt Mario Bink jede Woche verschiedene Stationen an. Unter anderem steht er auf Wochenmärkten. Die Stationen veröffentlicht das Paar auf unverpackttruck.de.

Süßigkeiten sind der Renner

Gläser mit Süßigkeiten, Kakao und anderen Inhalten stehen in einer Auslage.
Anne und Mario Bink füllen genau die Mengen ab, die die Kunden brauchen. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Die Kunden bringen Baumwoll-Säcke, Tupperdosen oder Gläser mit. Der absolute Renner sind Süßigkeiten, aber auch Backpulver, Pudding, Müsli, Seifen, Bambuszahnbürsten und vieles mehr gibt es in dem Truck.

Die Kunden setzen auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz: "Angefangen hat meine Mutter damit. Aber ich sehe den Sinn darin sehr. Wenn ich das jetzt umrechnen würde, was ich dafür an Verpackungsmüll bräuchte, das wäre schon ziemlich viel", sagt zum Beispiel Bjarne Recht aus Wremen. Er kauft einmal pro Woche unverpackte Lebensmittel ein. Sonst musste er dafür nach Bremerhaven fahren, jetzt braucht er nur wenige Minuten – und schützt die Umwelt somit nicht nur durch seinen nachhaltigen Einkauf.

Lohnt sich der Aufwand?

6.500 Euro haben sie für ihr Projekt im Vorfeld über Crowdfunding im Internet gesammelt. Eine regionale Bank habe die Finanzierung des Projektes abgelehnt, weil sie das Konzept für nicht zukunftsfähig gehalten habe, sagt Anne Bink. Das Paar ließ sich daraufhin von der Wirtschaftsförderungssgesellschaft BIS in Bremerhaven beraten und bekam dann eine Finanzierung von der Bremer Aufbaubank.

Die Ware der Binks kommt in Säcken oder Pfandkisten, Kekse im Mehrwegeimer. Die Lebensmittel tragen das Bio-Label. Die Preise sind höher als im Supermarkt. Aber dennoch lohnen sich Aufwand und Anfahrt noch nicht: "Noch ist es nicht so, dass wir damit großartig verdienen. Das kommt wahrscheinlich erst. Die Kunden müssen sich erstmal an uns gewöhnen." Und auch daran denken, dass sie Behältnisse wie Gläser oder Dosen für den Transport mitbringen müssen.

Aber reich werden wollen Anne und Mario Bink mit dem Unverpackt-Truck auch nicht, sagen sie. Sie freuen sich, wenn die Menschen offen sind für umweltbewusstes Einkaufen.

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Autorin

  • Carolin Henkenberens Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus dem Studio Bremerhaven, 20. Juni 2021, 12:40 Uhr