125 Jahre Übersee-Museum: "Die Welt unter einem Dach"

Hugo Schauinsland hat vor 125 Jahren das Übersee-Museum eröffnet. Seine Vision: Natur und Kultur anderer Länder in Bremen zu vermitteln. Eine Geschichte in 5 Punkten.

Das Gebäude des Bremer Übersee-Museums in einer historischen und einer aktuellen Ansicht.
Vor 125 Jahren wurde das Bremer Übersee-Museum eröffnet. Wegen der Corona-Pandemie ist es derzeit geschlossen. Bild: Übersee-Museum | Historisches Bildarchiv / Matthias Haase

1 Vor 125 Jahren: Die Welt unter einem Dach

Gründungsdirektor Hugo Schauinsland wollte "die ganze Welt unter einem Dach" vermitteln. Unter seinem Dach. Dem Dach des "Städtischen Museums für Natur-, Völker- und Handelskunde", dem heutigen Übersee-Museum Bremen. Unter diesem Dach sollten Ausstellungen zu Kulturen der Mensch und Tierwelt ein zu Hause finden.

Eine historische Aufnahme vom Übersee-Museum in Bremen.
Historische Hausansicht des Museums 1896. Bild: Übersee-Museum Bremen | Historisches Bildarchiv

Der Zoologe selbst brachte seine Eindrücke von seinen zahlreichen Sammelreisen nach Bremen und ermöglichte so Einblicke in die Natur und Kultur ferner Länder und Kontinente. Noch heute befinden sich Schaukästen mit Exponaten im Museum, die Schauinsland persönlich gesammelt und deren Vitrinen er selbst entworfen hat.

2 Kriegsjahre und Wiederaufbau

Gründungsdirektor Hugo Schauinsland in einer schwarz-weiß-Fotografie.
Wurde 1933 von den Nationalsozialisten entlassen: Hugo Schauinsland. Bild: Historisches Bildarchiv, Übersee-Museum Bremen

Hugo Schauinsland wurde 1933 "in den Ruhestand genötigt", erklärt die heutige Museumsdirektorin Wiebke Ahrndt: "Hugo Schauinsland war den Ideen der Nationalsozialisten nicht aufgeschlossen genug, deswegen wurde er durch einen strammen Nazi ersetzt." Das Museum wurde umbenannt und eine bereits bestehende anthropologische Ausstellung in eine rassenkundliche Ausstellung umgewandelt.

Nach dem zweiten Weltkrieg galt das Museum als "Totalschaden". Zwar konnten Teile der Exponate und Ausstellungsstücke im Keller gelagert oder im Umland aufbewahrt werden, eine Bombe zerstörte den ersten Lichthof 1943 allerdings völlig. Doch schon 1949 konnte das Museum wieder öffnen und galt überregional als bekannte Sehenswürdigkeit der Stadt. 1952 bekam das Museum seinen heutigen Namen.

3 Die wichtigsten Ausstellungen

In den letzten 20 Jahren hat das Museum einen Fokus auf die verschiedenen Kontinente gelegt. Dies begann 2003 mit der Dauerausstellung "Ozeanien – Lebenswelten in der Südsee", wurde mit "Asien – Kontinent der Gegensätze" (2008) weitergeführt und 2013 von "Afrika" und 2016 "Amerika" ergänzt. Für die Wissensvermittlung setzte schon Hugo Schauinsland auf ein Zusammenspiel der Bereiche Völker-, Handels- und Naturkunde.

Ein Dinosaurierskelett ausgestellt im Übersee-Museum
Der Skelett-Abguss eines Iguanodon ist Teil der Dauerausstellung "Spurensuche – Geschichte eines Museums". Bild: Radio Bremen

"Es ist diese Interdisziplinarität, die das Übersee-Museum bis heute zu etwas Besonderem macht", beschreibt die heutige Leiterin Wiebke Ahrndt. Dabei setzt sich das Museum auch kritisch mit seiner eigenen Arbeit auseinander: Die Dauerausstellung "Spurensuche – Geschichte eines Museums" stellt die Fragen, woher die Exponate stammen, wie sie gezeigt wurden und werden, auch die Kolonialzeit sowie die NS-Zeit werden angesprochen. So wollen sich die Mitarbeiter laut Ethnologin Ahrndt kritisch mit der Vergangenheit des Hauses und seiner Sammlungen auseinandersetzen. "Für diese sehr komplexe Thematik haben wir viel positives Feedback bekommen."

4 Digital durch die Corona-Pandemie?

Momentan sei es extrem traurig und bitter, durch das Museum zu gehen, so die Ethnologin. "Es sind keine Menschen da, man ist mit den Exponaten alleine", beschreibt Ahrndt das letzte Jahr. Ein Museum ohne Besucher ist nicht schön: "Wir merken das auch an unseren Kois, die kommen sofort zum Beckenrand, wenn wir da sind, die vermissen die Kinder, die versuchen sie zu streicheln." Auch finanziell fehlen die Besucher. "Wir werden Corona-Hilfe bekommen", sagt Ahrndt, dafür hat das Museum eine Zusage. Momentan helfen alle Mitarbeiter beim Digitalisieren der Exponate.

Schon vor Corona gab es einige Ideen, verstärkt ins Digitale zu gehen. Mit Hilfe des digitalen Media-Guides kann man das Museum auch im Lockdown besuchen. In den sozialen Netzwerken kommt das gut an, sagt Ethnologin Ahrndt: "Wir merken das an den Klickzahlen und spüren, dass unsere Besucher auch Bedarf an solchen Angeboten haben."

5 125 Jahre: Museum zieht Bilanz – nicht ohne Kritik

Ein Mann im Anzug steht vor einem Tisch, daneben steht eine Frau.
Peter Lüchinger spielt Hugo Schauinsland und spricht in seiner Rolle mit Direktorin Wiebke Ahrndt, Bild: Übersee-Museum Bremen

Am 15. Januar, dem Eröffnungstag vor 125 Jahren, möchte das Übersee-Museum Bilanz ziehen und kritisch zurückblicken. In einem digitalen Gespräch setzen sich die aktuelle Museumsdirektorin und der Gründungsdirektor, dargestellt von Shakespeare-Schauspieler Peter Lüchinger, auseinander. Kernfrage hierbei: In welcher Form hat die 125 Jahre alte Vision von Hugo Schauinsland, der heute 163 Jahre alt wäre, bis heute überlebt? Das Interview können digitale Museumsbesucher auf der Webseite des Übersee-Museums anschauen.

Damit die Ideen und Gedanken zum jetzigen Museum nicht verloren gehen, stellt das Übersee-Museum seinen Besucherinnen und Besuchern eine Frage: "Was wünschen Sie sich vom Museum in den nächsten 25 Jahren?" Die Antworten darauf sollen in einer Zeitkapsel für 25 Jahre aufbewahrt und zum 150. Geburtstag wieder hervorgeholt und reflektiert werden.

125 Jahre Überseemuseum

Video vom 15. Januar 2021
Ein Ausstellungsstück im Überseemuseum.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Marike Deitschun Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. Januar 2021, 19.30 Uhr