Interview

Per Crowdfunding: Festival bringt Legenden-Sound auf kleine Bühne

Von Led Zeppelin bis Foo Fighters: Viele Tribute-Bands treten beim urigen Tüdelüt-Festival in Bremerhaven auf – das buchstäblich handgemacht ist.

Eine Band steht auf einer von Scheinwerfern beleuchteten Bühne, davor sieht man Hinterköpfe des Publikums
Vorgänger des Tüdelüt war das Rock Center Festival. Nach einem Jahr Pause geht es nun weiter. Bild: Dirk Neujahr

Wer schon immer mal den Live-Sound von Kult-Rockern wie Nirvana oder Iron Maiden erleben wollte, hat vom 12. bis 13. Juli in Bremerhaven die Gelegenheit dazu. Neben lokalen Bands bringt das Tüdelüt-Festival viele Tribute-Bands auf die Bühne, die teilweise von weit her anreisen. Das handgemachte Konzert-Wochenende ist großer Eigeninitiative zu verdanken – und einem knappen Crowdfunding, das die anvisierten 10.000 Euro um eben mal 46 Euro überschritt. Nach einem Jahr Pause ist die Festivalstimmung zurück im Rock Center in Lehe. Organisator ist der 39-jährige Kevin Ricke. Der hat als gelernter Tischler nebenbei die Location aufgebaut.

Ein Mann mit langen Haaren und Bart guckt in Nahaufnahme in die Kamera
Kevin Ricke ist Initiator des Tüdelüt-Festivals und steckt mit seinem Team viel Leidenschaft und Engagement in die Veranstaltung. Bild: Privat
Was ist Tüdelüt für ein Festival und was steckt hinter dem Rock Center?
Tüdelüt ist ein kleines Festival im Herzen der Stadt. Es geht in voller Fahrt gegen dieses "Hier geht doch nichts". Dabei möchten wir Freunde, Familie, Bekannte und Gäste aus Bremerhaven und umzu vereinen und zeigen, dass man hier ein schönes Festival für jeden auf die Beine stellen kann. An zwei Tagen ist Platz für 2.000 Menschen. Das Gesamtpaket besteht aus lokalen Künstlern sowie Cover- und Tribute-Bands. Die Mischung aus unterschiedlich bekannten Gruppen verschiedenen Alters soll dazu führen, dass alle Generationen zusammen feiern können. Als Highlights gelten die Headliner "Led Zep" und die "Blood Brothers", eine Iron Maiden Tribute-Band aus der Ukraine. Das Rock Center bietet über das ganze Jahr Live-Konzerte, Partys und über 30 Proberäume zu einer geringen Miete an. Kürzlich hat sich eine Gruppe eine Boulderhalle in unser Gebäude gebaut. Es entwickelt sich mehr und mehr zum Szene-Treffpunkt in der Stadt.
Das Crowdfunding hat gut 10.000 Euro gebracht: Was haben die Spender von der Unterstützung und wofür wird das Geld benötigt?
Auf diese Art gibt es ein gewisses Maß an finanzieller Sicherheit. Spender können durch einen Ticketkauf Teil des Festivals sein und es damit überhaupt ermöglichen. Außerdem gab es zum Dank beispielsweise kostenlose T-Shirts und Zugang zur exklusiven After-Show-Party. 10.000 Euro sind in der Tat eine Menge Geld. Aber Technik, Künstlergagen, Sicherheitspersonal und mobile Sanitäre Anlagen sind nur einige der vielen Ausgaben. Allein die Bühne kostet schon einen gewaltigen Teil der gesammelten Summe. Am Ende war der erfolgreiche Ausgang tatsächlich knapp. Das Stattfinden des Festivals war ganz simpel an den Erfolg der Kampagne geknüpft.
Warum tuen sie sich diesen Aufwand an?
Warum ich mir das antue? Das ist ganz einfach. Ich möchte mit meinem Team in der Stadt etwas bewegen und mehr Abwechslung ermöglichen. Wenn am Ende alle zufrieden sind, bin ich auch glücklich. Es geht nicht darum, massiv Geld zu verdienen. Der Umsatz geht in die Entwicklung des Rock Centers sowie weitere Veranstaltungen und Festivals.
Inwiefern ärgert der Vorwurf, in Bremerhaven wäre nichts los? Und was kann man dagegen tun?
Manchmal ärgert man sich selbst, weil schon mal das Gefühl aufkommen kann, als würde nichts gehen. Aber tatsächlich gibt es viele Möglichkeiten, in Bremerhaven auf seine Kosten zu kommen. Sei es die Sail, der Musik-Sommer im Fischereihafen, die alte Bürger, die häufigen Veranstaltungen im Rock Center selbst und natürlich das Tüdelüt-Festival. Es ist durchaus eine Menge in Bremerhaven los. Manchmal wirkt es, als käme das nicht bei den Leuten an. Da hilft es, nur am Ball zu bleiben und die Menschen zum Ausgehen zu bewegen.

Mehr zum Thema:

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 11. Juli 2019, 23:30 Uhr