Endstation Rotenburg: Transport-Flugzeug der Bundeswehr geht in Rente

Transport-Flugzeug der Bundeswehr landet als Museumsstück in Rotenburg

Video vom 24. August 2021
Eine Bundeswehr Transallmaschine von unten aufgenommen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Unzählige Militäreinsätze und Hilfsaktionen hat die Transall auf dem Buckel. Bei Bremen absolviert das Auslaufmodell heute ihre letzte Landung und wird zum Museumsflugzeug.

Heute hofft Rotenburgs Flugplatz-Chef Achim Figgen auf gutes Wetter. Denn Regen könnte die Landung der alten Dame vereiteln: "Bei nasser Piste kann die Transall aufgrund der verfügbaren Bahnlänge nicht landen." Mit der Ankunft der "Transall 50+66" erfüllt sich für ihn ein Traum: Eine der letzten außer Dienst gesetzten Exemplare dieser geschichtsträchtigen Maschinen in die Region zu holen, dem Publikum zugänglich zu machen und sie so vor der Verschrottung zu retten.

Im Frühjahr war klar: Die Tage der Transall sind gezählt. Figgen hat sofort seine Kontakte spielen lassen, einen ehemaligen Transall-Piloten kontaktiert, der wiederum bei seinem Geschwader nachhakte. Parallel wurde Geld gesammelt: 50.000 Euro hat die Flugplatz Rotenburg GmbH an Spenden reingeholt, um den ausgemusterten Riesen jetzt dauerhaft als Attraktion deutscher Luftfahrtgeschichte ausstellen zu können. An der Stelle, wo die Transall einst regelmäßig bei der Heeresfliegerstaffeln 3 und 11 zu Gast war.

Transall ist ein echter "Brummer"

Die Militärmaschine Transall der Bundeswehr von vorne.
Laut und groß ist es – das jetzt ausrangierte Transportflugzeug des Models Transall C-160. Bild: DPA | Frank Molter

Wenn die Transall heute nach Rotenburg kommt, dann wie gewohnt mit lautem Getöse. Denn dafür ist das Militärflugzeug bekannt. Was übrigens Anfang Juni bei einem letzten Besuch einer Transall in Bremen wieder prompt zu einer Beschwerde wegen Fluglärmbelästigung geführt hat. Danach wird der Neuerwerb der Rotenburger für immer verstummen, denn es ist der voraussichtlich letzte Flug der Rentnerin.

Morgens wird sie vom Standort des Lufttransportgeschwaders 63 in Hohn, Schleswig-Holstein starten, um nach ihrer Landung auf dem Rotenburger Flughafen EDXQ zunächst einmal von der Bundewehr demilitarisiert zu werden. Noch in diesem Jahr soll sie als Museumsflugzeug zum Besuchermagnet werden.

Zurück in der Heimat

Transportraum einer Transall-Maschine der Bundeswehr.
Die Transall brachte jahrzehntelang Hilfsgüter in alle Welt – wie hier 2014 in das kurdische Autonomiegebiet im Nordirak. Bild: DPA | Axel Heimken

Gebaut wurde die Maschine 1971 in Lemwerder. Und hat seither 13.000 Flugstunden auf dem Buckel. "Für einen Verkehrsflieger wäre das nicht viel, aber für eine Militärmaschine ist das schon ordentlich", mein Achim Figgen. In den vergangenen 50 Jahren war sie unter anderem bei Hilfseinsätzen in Nordwestafrika (1973) und Äthiopien (1984/1985) dabei, kam bei der Luftbrücke nach Sarajevo Mitte der 90er Jahre zum Einsatz und danach noch bei Operationen im Sudan, Afghanistan und Mali. Das macht für Figgen auch die Faszination der Transall mit aus.

Besonders an der Transall ist, dass sie zwar ein Militärgerät ist, aber immer wieder für Hilfseinsätze genutzt wurde.

Achim Figgen, Geschäftsführer Flughafen Rotenburg

Rotenburg als letzte Ruhestätte

Bis zum Ende des Jahres soll der Umbau der Maschine fertig sein und der Besuchsverkehr starten. Kalkuliert ist, dass die Einnahmen die Instandhaltungskosten decken. Rundflüge sind allerdings ausgeschlossen. Zwar könnte sie theoretisch auf der 806 Meter langen Startbahn mit ihrem extrem kurzen Startweg von 650 Metern abheben, aber sie darf nicht. Und wird deshalb nicht nur fluguntauglich gemacht, sondern auch fest im Boden verankert. Wo genau, wird noch hochoffiziell mit der Landesluftfahrtbehörde geklärt. Denn der Stellplatz für einen Brocken wie diesen mit seinen gut 32 Metern Länge, einer Spannweite von 40 Metern und einem Leergewicht von fast 30 Tonnen ist final.

Zum letzten Geleit – mit dem Fahrrad

Wer die Ankunft am Dienstag miterleben will, dem empfiehlt Flughafenchef Figgen die frühzeitige Anreise deutlich vor 10 Uhr und möglichst per Fahrrad: "Die Transall kann eine ganze Menge, aber Corona wegzaubern kann sie nicht." Deshalb kommt aufs Flugplatzgelände nur, wer getestet, geimpft oder genesen ist und das auch nachweisen kann. Testmöglichkeiten vor Ort gibt es nicht und wie vielerorts inzwischen Routine ist auch hier beim Betreten des Geländes die Registrierung mit der Luca-App möglich oder aber, die Kontaktdaten müssen in eine Liste eingetragen werden. Figgen erinnert sicherheitshalber daran, dass der reguläre Flugbetrieb weitergeht: "Das Betreten des Flugbetriebsgeländes ist streng verboten."

Vor 50 Jahren: Die aufregende Geschichte des Bremer Düsenjets VFW 614

Video vom 17. Juli 2021
Der erste in Deutschland gebaute Düsenjet auf dem Bremer Flughafen vor seinem Probeflug.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. August 2021, 19:30 Uhr