Zum 60. Besuch aus den USA: So feiert Bremens Synagoge ihr Jubiläum

Video vom 29. August 2021
Eine handgeschriebene Torarolle.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Mit einer besonderen Zeremonie feiert die jüdische Gemeinde das 60-jährige Bestehen in Bremen-Schwachhausen. Enkelin und Urenkelin des Gemeinde-Gründers reisen aus New York an.

Seit 60 Jahren gibt es in Bremen wieder eine Synagoge mit Gemeindehaus. Sie ist mit ihren rund 800 Mitgliedern eine der größten und wichtigsten Deutschlands. Das Jubiläum feiert die jüdische Gemeinde in Bremen mit einer neuen Torarolle. "Eine Torarolle ist etwas ganz Besonderes, sie ist das Zentrum einer jüdischen Gemeinde", sagt die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Elvira Noa.

Tora bedeutet "Lehre, Gesetz". Sie besteht aus den fünf Büchern Mose und ist Teil der hebräischen Bibel. Torarollen sind aus Pergament gemacht und werden mit Feder und Tinte von Hand beschrieben. Die neue Tora für die Bremer Gemeinde ist weit gereist: Ein sogenannter Sofer, ein Schreiber, bringt sie eigens aus Israel nach Bremen. Das Schriftstück ist nämlich noch unvollendet. "Eine Tora muss am neuen Ort fertiggeschrieben werden. Die letzten Buchstaben werden hier in Bremen eingefügt", erklärt Noa.

Höhepunkt für eine Gemeinde im Wandel

Netanel Teitelbaum
"Eine Torarolle ist ein Symbol für die Ewigkeit", sagt Netanel Teitelbaum, Bremer Landesrabbiner. Bild: Radio Bremen | Verena Patel

Die Feier beginnt mit einer kurzen Prozession auf der Straße. "Wir geleiten die Tora, die unter einem Baldachin getragen wird, bis zur Gemeinde. Dabei tanzen wir. In der Gemeinde drehen wir sieben Runden mit der Tora", beschreibt der Bremer Landesrabbiner Netanel Teitelbaum den Ablauf. Anschließend wird die Tora fertig beschrieben, mit einem Gebet in die Synagoge gebracht und dort eingeweiht. Für Torarollen gibt es in einer Synagoge einen speziellen Schrank. "Es gibt eine schöne Tradition, dass wir die alten Torarollen, die schon im Schrank sind, herausnehmen, damit sie die neue in Empfang nehmen und quasi hineinbegleiten können", sagt Teitelbaum.

Die Feierlichkeiten rund um die Einweihung sind etwas Besonderes. Das letzte Mal weihte die Gemeinde zum 50-jährigen Jubiläum eine neue Torarolle ein. "Es ist ein Höhepunkt für die Gemeinde, die sich sehr verändert hat. In den 90er-Jahren ist sie sehr stark gewachsen durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion", sagt Noa. Heute gibt es viele junge Familien in der Gemeinde, für den eigenen Kindergarten wird mittlerweile eine Warteliste geführt.

Am Sonntag werden zur Feier auch Ruth Bahar und Elise Garibaldi erwartet, Enkelin und Urenkelin des Gründers der Bremer Gemeinde, Carl Katz. Bischof Franz-Josef Bode vom Bistum Osnabrück ist ebenso eingeladen wie Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und weitere Gäste.

Wie ein Bremer anhand dieses Fotos einer jüdischen Familie nachspürte

Video vom 25. August 2021
Ein Mann hält ein altes Foto in die Kamera.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. August 2021, 19:30 Uhr