Wie Hermann Henrich Meier den Norddeutschen Lloyd gründete

Mit einem Anker, einem Ährenkranz und dem Schüssel im Wappen revolutionierte der Bremer Kaufmann die Schifffahrt. Bis dahin musste er einige Umwege gehen.

Dampfschiff "Columbus"
Eine Postkarte zeigt das Dampfschiff "Columbus". Bild: Picture Alliance/Arkivi

Hermann Henrich Meier wurde am 16. Oktober 1809 in eine angesehene Bremer Patrizierfamilie hineingeboren. Kaufmann und Jurist waren dort die bevorzugten Berufe, mehrere Senatoren und Bürgermeister entstammten dieser Familie. H.H. – wie er genannt wurde – durchlief die klassischen Stationen einer kaufmännischen Ausbildung samt Auslandsaufenthalt in England und Nordamerika. Dort besaßen die Meiers Handelsagenturen. Mit eigenen Seglern belieferten sie den amerikanischen Markt mit Leinen, Hanf und Eisen.

Auf der obligatorischen italienischen Bildungsreise lernte Meier in Livorno über einen Engländer namens Lloyd den Erbauer der ersten Dampfschiffe kennen und erkannte sofort die enormen Möglichkeiten dieser neuen Technologie für die Schifffahrt.

Ein in Bau befindliches derartiges Schiff von 3.200 Tonnen sollte die Reise von Bristol nach New York in zehn Tagen machen, weil es vermöge seiner Länge gerade durch die Wellen und nicht auf und abgehen würde.

Tagebucheintrag von H.H. Meier

Damit halbierte sich die Zeit für eine Atlantiküberfahrt. Der Traum von einer schnellen transatlantischen Dampferverbindung für Waren und Passagiere ließ Meier von nun an nicht mehr los.

Startschuss für den größten Coup

Doch erst mal kam die standesgemäße Fortsetzung seiner Laufbahn: H.H. Meier heiratete, wurde zum norwegisch-schwedischen Konsul ernannt, gründete die Bremer Bank und wurde Mitglied des Bürgerkonvents. Schließlich reiste er später sogar als Ersatzdelegierter zur Nationalversammlung in die Frankfurter Paulskirche.

Insgeheim arbeitete Konsul Meier stetig weiter an seinem Projekt einer "Bremisch-englischen Schrauben-Dampfschifffahrtsgesellschaft" – wie er seine Idee ursprünglich nannte. Es war eine Zeit des Aufbruchs. Über sieben Millionen Frauen, Männer und Kinder drängte es in den Jahren von 1830 bis 1847 weg von Bremen. Sie verließen Deutschland und Europa, um in Amerika ihr Glück zu suchen.

Hermann Henrich Meier schipperte 1838 in genau die entgegengesetzte Richtung, kam aus Boston, wo er für einige Jahre die Handelsgeschäfte seines Vaters übernommen hatte und traf auf seinem Rückweg nach Bremen den jungen Kaufmann Eduard Crüsemann. Beide steckten ihre Köpfe zusammen und waren erstaunt, wie ähnlich ihre Pläne waren.

Eduard Crüsemann
Eduard Crüsemann war von 1857 bis 1869 Direktor des Norddeutschen Lloyds. Bild: Staatsarchiv Bremen

H.H. Meiers Begeisterung für Crüsemanns Ausführungen war der Startschuss für seinen größten Coup. Trotz vieler Probleme bei der Kapitalbeschaffung und dank der Mitarbeit seines Partners, des jungen Kaufmanns Eduard Crüsemann, meldete die Weserzeitung Anfang 1857 die Gründung der neuen Gesellschaft: "Der Zweck des Norddeutschen Lloyd ist, regelmäßige Dampfschifffahrtsverbindungen mit europäischen und transatlantischen Ländern herzustellen und den Schiffsverkehr für Personen und Güter auf der Weser und ihren Nebenflüssen oberhalb und unterhalb Bremens zu unterhalten." Am 20. Februar 1857, wurde der Norddeutsche Lloyd aus der Taufe gehoben. Der damalige Bürgermeister Johann Smidt hielt die Laudatio.

Heute ist ein großer Tag für unsere Stadt, aber auch für zwei Männer, die mit großem Selbstvertrauen, Sachwissen und unerschütterlichem Glauben an das Gelingen, eine für Bremen bisher einmalige Gesellschaft von nationaler und internationaler Bedeutung gegründet zu haben. Sie wird den guten Namen unserer Stadt in alle Welt hinaustragen.

Johann Smidt, Bremens Bürgermeister

Einige Monate später verkündete die Weserzeitung die Aufnahme der regelmäßigen Post-Dampfschifffahrt zwischen Bremen und New York ohne Anlaufen eines Zwischenhafens mit den Dampfern "Bremen", "Hudson", "Weser" und "New York". Die Passage kostete in der ersten Klasse 140 Goldtaler für einen Erwachsenen, das Zwischendeck war für 55 Taler zu haben. Es war der Beginn der erfolgreichsten Transatlantikverbindung per Schiff. In dieser Zeit ernährte die Reederei mehr als die Hälfte der Bremerhavener Bevölkerung.

Fusion ohne Hermann Henrich Meier

Erst der aufkommende Containerverkehr Ende der 60er-Jahre zwang den Norddeutschen Lloyd 1970 in eine Fusion mit der Hamburger Hapag-Reederei, die sich ab jetzt gemeinsam Hapag Lloyd nannten. Firmengründer Hermann Henrich Meier hat das natürlich nicht mehr erleben müssen. Er wurde zu Lebzeiten noch Präsident der Bremer Handelskammer, betrieb ein Eisenhüttenwerk in Bad Harzburg und ließ eine Eisenbahnlinie in Kolumbien bauen.

Er blieb noch 30 Jahre lang Vorsitzender des Verwaltungsrates beim Norddeutschen Lloyd, bis er in den Ruhestand ging. Den täglichen Besuch seines Kontors ließ er sich trotzdem nicht nehmen bis zu seinem Tod am 17. November 1898.

Als Erinnerung an sein 89-jähriges Leben sind uns in Bremen die H.-H.-Meier Allee, in Bremerhaven die H.-H.-Meier-Straße und im Deutschen Museum in München der auf den Namen Theodor Heuss umgetaufte Seenotkreuzer "H. H. Meier" geblieben. Am 17. November 1898 starb Hermann Henrich Meier in Bremen.

Autoren

  • Jens Schellhass
  • Peter Meier-Hüsing

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Chronik, 17. November 2018, 7:20 Uhr