Warum Tiny Houses es in Bremen schwer haben

Sogenannte Tiny Houses sind klein, gemütlich, mobil – und immer beliebter. Einen Stellplatz für sie zu finden, gestaltet sich jedoch auch in Bremen schwierig.

Video vom 3. September 2019
Zu sehen ist ein Tiny House auf Rädern mit einem Mann, der davor sitzt.
Bild: Radio Bremen

Leben auf 16 Quadratemetern – was für die einen beengend klingen mag, ist für andere ein Stück Freiheit. Vor allem, wenn sich diese 16 Quadratmeter überall hin transportieren lassen. Mit sogennanten Tiny Houses geht das: Wie Wohnanhänger lassen sie sich hinten an ein Auto hängen und mit auf die Straße nehmen.

Die Einsatzmöglichkeiten sind mannigfaltig: Auf kleinstem Raum entsteht eine mobile Bleibe für Stadtnomaden, eine vorübergehende Studentenwohnung oder ein Ferienhaus für ökologisch bewusste Familien. Für den Bremer Florian Granzeier haben die kleinen Heime einen besonderen Reiz, da man sie häufig selbst baue – das mache sie weit schöner als den herkömmlichen Wohnwagen.

Unser Tiny-House soll und kann transportiert werden, ist aber primär dazu gebaut, irgendwo längere Zeit zu stehen. Wir haben richtig große Fenster da drin, wie das beim Wohnwagen eigentlich nicht der Fall ist, und man kann schon richtig darin wohnen.

Florian Granzeier, Tiny House-Besitzer

Stellplatzmangel und bürokratische Hürden

Umzuziehen und sein Haus gleich mitzunehmen ist jedoch nicht so einfach wie es klingt; denn einfach in die Stadt stellen geht häufig nicht. Es fehlt an Stellplätzen, sagt Granzeier. "Einige Gemeinden denken da um und einige Städte weisen da extra Flächen für aus, aber das ist natürlich ein Prozess der lange braucht", sagt der Tiny House-Besitzer.

Beim Kleingartenverein Union in Walle könnte ein genau solcher Stellplatz entstehen. Die Bremer Mark Christiansen und Andrea Birr wollen zusammen mit anderen eine ganze Tiny House-Siedlung auf einer Fläche gründen: Auf etwa 3.000 Quadratmetern sollen 15 der kleinen Häuser, ein Gemeinschaftshaus und ein Gemüsegarten entstehen. Für Bremen wäre das einmalig, bislang gibt es so etwas nicht. Das Interesse sei jetzt schon immens, sagt Christiansen.

Wir haben, glaube ich, schon über einhundert Leute auf unserer Warteliste, die mitmachen möchten, und die müssen wir jetzt erstmal immer noch vertrösten.

Mark Christiansen, Tiny House-Siedlungsplaner

Die rund hundert Interessenten müsse man jedoch aufs Erste vertrösten. Denn Christiansen und Birr warten mittlerweile schon seit zwei Jahren auf eine Genehmigung. Der Kleingartenverein Union hat nichts gegen die potentielle Siedlung aus kleinen Eigenheimen, doch die bürokratischen Hürden sind hoch. Die Stadt Bremen tut sich schwer, aus dem Kleingartengebiet ein Wohngebiet zu machen, denn sie wäre für die entsprechende Infrastruktur verantwortlich.

"Man müssen Abwasser- und Frischwasserleitungen verlegen, man muss Strom verlegen, die Zuwegungen müssen für die Feuerwehr tauglich sein, alle diese ganzen Dinge", sagt der Sprecher des Bauressorts Jens Tittmann. Eine Siedlung aus Tiny Houses ginge dementsprechend nicht "einfach so". Daher schauen sich Christiansen und Birr zurzeit nach möglichen Alternativen um – vorzugsweise wolle man etwas in Bremen finden, wenn das nicht klappe, schaue man sich die Randgemeinden genauer an.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. September 2019, 19:30 Uhr