Fragen & Antworten

Sturm und Kugelblitze über Bremen? Tief "Ailton" holt schon Luft

Er ist wohl der erste Profifußballer nach dem ein Tiefdruckgebiet benannt wurde: "Ailton" soll diese Woche Bremen erreichen. Das Fußballmagazin "11 Freunde" wählte den Ex-Werderaner aus.

Ailton macht dicke Backen während einer Werder-Pressekonferenz im Jahre 2003 (Archivbild)
Schnell wie der Wind und nicht ganz ungefährlich – so haben Redakteure des Fußballmagazins 11 Freunde Ailton in Erinnerung. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Ob als Standardfloskel oder zum Füllen peinlicher Gesprächspausen: Wenn man nicht weiß, was man sich noch erzählen soll, dann redet man über das Wetter. Dank des Tiefdruckgebiets "Ailton" sollten es die Bremer in diesen Tagen besonders leicht damit haben, denn nach einem ehemaligen Profifußballer ist laut dem Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin bisher noch kein Hoch- oder Tiefdruckgebiet benannt worden. Die Idee für den außergewöhnliche Namen hatten Redakteure des Berliner Fußballmagazins "11 Freunde". Mit dabei war der auch Redakteur Tobias Ahrens, der sich mit dem gesamten Team schon auf die Ankunft von "Ailton" freut.

Wer steckt hinter der Idee, ein Tiefdruckgebiet "Ailton" zu nennen?
Entstanden ist die Idee bereits 2017 in der Online-Redaktion des Fußballmagazins "11 Freunde". "Erst Mitte 2018 haben wir uns aber konkret um die Patenschaft gekümmert und mit viel Glück den Zuschlag für das das letzte zu vergebene "A" bekommen", erinnert sich "11-Freunde"-Redakteur Tobias Ahrens. Obwohl eine Urkunde über die Patenschaft an der Wand in der Berliner Redaktion hängt, hatte das Team die Aktion fast schon wieder vergessen. "Vor ein paar Tagen kam dann per E-Mail die Information, dass es in den nächsten Tagen zur Taufe kommen könnte", sagt Ahrens. Das ist jetzt am Donnerstagmorgen passiert.
Warum ausgerechnet Ailton?
Laut "11-Freunde"-Redakteur Ahrens fiel die Wahl ziemlich schnell auf den Brasilianer. "Aus einem Tief kann auch ein Sturmtief werden, es war also klar, dass wir einen Stürmer suchen, den man auch anhand des Vornamens sofort erkennt", so Ahrens. Nicht geeignet sei deswegen beispielsweise ein Ulf Kirsten gewesen.

Abgesehen davon passt Ailton ja auch zu einem schnellen Wind, der nicht ganz ungefährlich ist und aus dem sich auch mal ein Sturm entwickeln kann.

Tobias Ahrens, Redakteur "Elf Freunde"
Warum gibt es die Aktion Wetterpate?
Seit 2002 bietet das Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin an, Namen für kommende Hoch- und Tiefdruckgebiete zu kaufen, mehr als 2.000 Menschen haben das Angebot seitdem genutzt. Preislich gibt es Unterschiede: Ein Hochdruckgebiet kostet 299 Euro, ein Tief dagegen 199 Euro. Mit den Einnahmen finanziert sich die Wettermessstation des Instituts, in der hauptsächlich Studierende ehrenamtlich Wetterdaten erfassen. Die Aktion Wetterpate erreicht dabei nicht nur Deutsche: Auch Menschen aus ganz Europa, Brasilien, Japan, den USA und Südafrika haben sich schon Namensrechte gesichert.
Ailton jubelt bei seinem Abschiedsspiel mit ausgebreiteten Armen über einen Treffer.
Ailton war nicht nur an der Weser für seinen schnellen Antritt bekannt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Wie funktioniert eine Namenspatenschaft für Hoch- und Tiefdruckgebiete?
Zugelassen werden alle standesamtlich anerkannten Vornamen. Nicht erlaubt sind Sonderzeichen, Doppelnamen, Spitznamen, Nachnamen und Firmennamen. In geraden Jahren tragen Hochdruckgebiete männliche Vornamen und Tiefdruckgebiete weibliche und in ungeraden Jahren genau andersrum. "Uns liegt das Projekt sehr am Herzen und wir wollen uns in keinem Fall politisch positionieren", sagt Institutsmitarbeiterin Petra Gasser. Manche Vornamen seien sehr negativ besetzt, in solchen Fällen setze sich das Team zusammen und diskutiere genau, ob ein Zuschlag erteilt werden könne, so Gasser.
Wie viele Hochs und Tiefs gibt es überhaupt pro Jahr?
Im Schnitt werden jährlich 140 Namen für Tiefs vergeben, das sind etwa fünf Durchläufe des Alphabets. "Danach vergeben wir noch sogenannte Risikopatenschaften, bei denen aufgrund der Wetterlage nicht sicher ist, dass die Namen noch im laufenden Jahr vergeben werden können", sagt Gasser. Hochdruckgebiete halten sich länger, manchmal über Wochen. Dementsprechend gibt es mit etwa 60 Hochs auch relativ wenige pro Jahr.
Wer entscheidet, ob ein Druckgebiet taufwürdig ist, oder nicht?
Jeden Morgen bewertet der jeweilige Meteorologe vom Dienst des Instituts die aktuelle Wetterlage und entscheidet, ob es zu einer neuen Taufe kommt. Die Kriterien dafür sind klar. "Wichtig ist, dass ein Druckgebiet Einfluss auf das Wetter in Mitteleuropa und Deutschland haben wird und mindestens ein bis zwei Tage bestehen bleibt", sagt Meteorologe Friedemann Schenk. Für das Tief "Ailton" treffe dies wohl zu, so Schenk. "Es befindet sich auf dem mittleren Nordatlantik, wird am Samstag direkt vor Irland sein und dann wahrscheinlich am Sonntag auf die Nordseeküste treffen", so die Prognose des Experten.
Was passiert, wenn es zu keiner Taufe im laufenden Jahr kommt?
Es gibt zwei Optionen: Entweder bekommen die Wetterpaten ihr Geld zurück oder sie entscheiden sich für einen Namens-, beziehungsweise Druckwechsel.

Weitere Informationen:

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Dezember 2019, 19:30 Uhr