Neue Hinweise auf frühere RAF-Terroristen in Niedersachsen

  • Polizei hatte im Juni bislang unbekannte Bilder veröffentlicht
  • Ermittler erhalten 20 Hinweise in drei Wochen
  • "Wir drehen jeden Stein um", sagt LKA-Präsident de Vries
Die Bilder einer Überwachungskamera zeigen nach dem starken Vermuten den Ex-RAF Terroristen Burkhard Garweg und Ernst-Volker-Staub, die im Mai 2016 in Hildesheim vergeblich versuchen einen Geldboten zu überfallen.
Bisher hat die Fahndung der Polizei noch nicht zu einer Festnahme geführt. (Archivbild) Bild: DPA | Landeskriminalamt Niedersachsen

Ein neuer Fahndungsaufruf nach drei früheren Mitgliedern der Roten Armee Fraktion (RAF) hat dem Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) binnen drei Wochen gut 20 neue Hinweise beschert. Ob sich daraus eine konkrete Spur ergibt, konnte das LKA noch nicht sagen. Anfang Juni hatte die Behörde neue, allerdings mehr als 30 Jahre alte Fotos von Daniela Klette (61 Jahre) veröffentlicht. Gemeinsam mit den Ex-Terroristen Ernst-Volker Staub (65 Jahre) und Burkhard Garweg (50 Jahre) soll sie teils mit schwerer Waffengewalt vor allem in Norddeutschland Geldtransporter, Kassenbüros und Supermärkte überfallen haben.

Garweg, Klette und Staub gehören zur sogenannten dritten Generation der RAF. Auf deren Konto sollen mehrere Morde gehen, etwa an Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991). Nach Jahrzehnten im Untergrund gerieten die drei Linksterroristen nach einem Raubüberfall auf einen Geldtransporter im Juni 2016 in Stuhr bei Bremen wieder ins Visier der Polizei. Von den dreien wurden nach der Tat Fingerabdrücke gefunden. Gefahndet wurde im Anschluss in Norddeutschland, den Niederlanden, wohin eine Spur wies, sowie in Spanien, Frankreich und Italien.

Gesuchten könnten "ganz normales Leben führen"

"Die Zielfahndung läuft. Wir lassen nicht locker, klopfen jeden Hinweis ab, drehen jeden Stein um", sagte LKA-Präsident Friedo de Vries der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er halte es für realistisch, dass Klette, Staub und Garweg unter falschem Namen ein ganz gewöhnliches Leben führten. "Nicht zwangsläufig zu dritt, sondern jeder für sich. Sie gehen vielleicht arbeiten und abends mit dem Hund spazieren."

Die Ermittler prüften aber auch die Möglichkeit, dass ein Netzwerk von Unterstützern den Ex-RAF-Mitgliedern ein Leben im Untergrund möglich macht. Er sehe das aber skeptisch, sagte der LKA-Chef. "Denn je mehr Helfer das Trio hat, desto größer ist die Gefahr aufzufliegen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 24. Juni 2019, 9 Uhr