So ist Bremerhaven im Notfall auf schwere Sturmfluten vorbereitet

Nach Orkantief "Sabine" hält eine seltene Kettensturmflut Bremerhaven in Atem. In der Seestadt ist genau geregelt, wie das Lagezentrum bei extremem Hochwasser auf Alarmstufen reagiert.

Fluten der Nordsee klatschen an den Deich, im Hintergrund steht das Sail City Hotel.
In der Nacht auf Montag fegte Orkantief "Sabine" über Norddeutschland hinweg, ab Montag wurde Bremerhaven von einer Kettensturmflut getroffen.

Mit den Ausläufern von Orkantief "Sabine" kam in Bremerhaven auch das Hochwasser. Vor gleich mehreren Sturmfluten hintereinander warnte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) – mit Wasserständen von bis zu 2,00 Metern über dem mittleren Hochwasser (ü. MHW). Nichts allerdings, was bei Holger Bruns von Bremenports für Unruhe sorgt. "In Bremerhaven gibt es wenig Außendeichflächen", sagt Bruns. "Betroffen sind bei leichten Sturmfluten höchstens ein paar Äcker, oder Parkplätze am Geestevorhafen."

Bremerhavener sind im Umgang mit Sturmfluten geübt

Holger Bruns von Bremenports
Holger Bruns von Bremenports lässt sich von Sturmfluten in der Regel nicht aus der Ruhe bringen. Bild: Bremenports

Die Hafenmanagementgesellschaft Bremenports sorgt im Auftrag der Senatorin für Wissenschaft und Häfen in der Seestadt für den Deichschutz – auf 22 Kilometern Deichlänge. In Bremerhaven wurden die meisten Deiche entsprechend des ansteigenden Meeresspiegels erhöht. Damit sei man laut Bruns weiter als manch andere Stadt. Wenn das Wasser wie bei den aktuellen Sturmfluten an der Geestemündung über die Ufer tritt, werden rechtzeitig Schilder aufgestellt. "Die Bremerhavener sind im Umgang damit geübt", sagt Bruns. Sie brächten ihre Autos meist rechtzeitig in Sicherheit.

Lagezentrum für Sturmfluten im Sail-City-Gebäude

Trotzdem ist Bremerhaven gut vorbereitet, auch auf höheres Hochwasser. Vor zwei Jahren wurde ein Lagezentrum für Sturmfluten eingerichtet, die Leitstelle sitzt im zwölften Stock des Sail-City-Gebäudes. Ab 2,00 Meter ü. MHW kommt dort die Einsatzleitung zusammen und beobachtet Pegel, Schleusen und Prognosen. Im Hafen ist die Deichlinie zudem komplett mit Kameras überwacht.

Alarmstufen sehen Maßnahmen vor

Die Sturmflutordnung der Stadt kennt mehrere Alarmstufen. Ab 60 Zentimetern ü. MHW gilt die Vorwarnstufe, das Geestesperrwerk wird geschlossen, die Situation beobachtet. Alarmstufe I liegt ab 2,00 Metern ü. MHW vor. Dann müssen die Deichlinien unter der Kennedy-Brücke geschlossen werden – es ist die Rede von einer Sturmflut. Ab 2,50 Metern ü. MHW herrscht Alarmstufe II, es ist schwere Sturmflut, an den Deichen sind Beobachtungstrupps im Einsatz, der Katastrophenstab ist zu informieren. Bei einer sehr schweren Sturmflut mit mehr als 3,00 Metern ü. MHW tritt der Einsatzstab zusammen, der Staatsrat für Wirtschaft und Häfen muss informiert werden.

3.000 Sandsäcke für den Notfall

Im Dezember 2013 brachte Xaver einen Wasserstand von 3,13  Metern über dem MHW. "Dies war eine außergewöhnliche Situation", sagt Bruns. Aber selbst damals waren die Deiche weit davon entfernt überflutet zu werden. Mit den Anpassungen der Deichhöhen sei ein ausreichender Sicherheitspuffer geschaffen worden. Wichtig sei es, das Geestesperrwerk neu zu bauen, um auch hier für die Zukunft gerüstet zu sein. In Krisensituationen sei man durch das Lagezentrum jedoch sehr gut aufgestellt und könne schnell mit dem Katastrophenschutz und anderen relevanten Stellen kommunizieren. Auch die Information der Öffentlichkeit läuft von dort aus. In einer Lagerhalle im Überseehafen hält Bremenports 3.000 Sandsäcke bereit, um im Notfall Deiche verstärken zu können. Für den MIttwochabend werde laut Bruns die fünfte Sturmflut in Folge erwartet. Auch für ihn ungewöhnlich: "So eine Kettensturmflut ist etwas außergewöhnlich Seltenes."

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Eine Überflutung an einem Deich. Mehrere Straßenschilder stehen halb unter Wasser.

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 12. Februar 2020, 10:00 Uhr