Warnstreik bei der Bremer BSAG: Chaos bleibt aus

  • Bremer Busse und Bahnen bleiben heute stehen
  • Zwar mehr Autoverkehr, aber kein Chaos auf Bremer Straßen
  • Nutzerinnen und Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel waren gewarnt
Video vom 29. September 2020
Der Bahnhofsvorplatz menschenleer.
Bild: Radio Bremen

Zehntausende Fahrgäste der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) konnten am Dienstamorgen nicht mit Bussen und Bahnen fahren. Die Gewerkschaft Verdi hatte zum Streik bei dem Verkehrsunternehmen in Bremen aufgerufen. Die BSAG hat deshalb für 24 Stunden den Betrieb eingestellt.

Am Bremer Hauptbahnhof gab es vereinzelt irritierte Blicke von Pendlerinnen oder Schülern, die nichts von dem Streik mitbekommen hatten. Ein Chaos blieb aber aus. An den großen Bremer Umsteigestationen wie dem Brill oder der Domsheide war es am frühen Morgen menschenleer.

Um drei Uhr heute Nacht hatte die BSAG den Verkehr in Bremen eingestellt. Einen Notfahrplan für die wichtigsten Linien aufzustellen, sei nicht möglich gewesen, hieß es. Die Busse und Bahnen der BSAG bleiben deshalb am heutigen Dienstag den ganzen Tag im Depot – wie auch in vielen anderen Städten in Deutschland, zum Beispiel in Osnabrück und Hannover.

Volle Straßen in Bremen

Viele Menschen mussten notgedrungen mit dem Auto zur Arbeit fahren. Deshalb waren viele Straßen in Bremen voll. Am Zubringer Überseestadt und auf der B6 auf Höhe Hohentor beispielsweise registrierte das Straßen- und Verkehrsamt bis zu 1.000 Fahrzeuge zusätzlich pro Stunde. Auch für den Feierabendverkehr rechnet das Amt mit einem deutlich erhöhten Verkehrsaufkommen.

BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer zeigte sich zumindest zufrieden, dass ein Chaos verhindert werden konnte. Mit Hilfe der Medien sei es gelungen, fast 100 Prozent der BSAG-Kunden rechtzeitig über den Ausfall zu informieren, sagte Meyer. Am Mittwoch werde der Betrieb wieder reibungslos funktionieren.

Die Regio-S-Bahnen rund um Bremen sind übrigens nicht betroffen, auch nicht der Metronom und die Nordwestbahn sowie die Regionalbusse des VBN. Die Gewerkschaft Verdi streikt für einen einheitlichen Rahmentarifvertrag in ganz Deutschland für die 87.000 Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr der Städte und Gemeinden.

Franz Hartmann von Verdi schaut in die Kamera.
Verdi-Mann Franz Hartmann lässt die Kritik am Zeitpunkt des Streiks nicht gelten. Bild: Radio Bremen | Jens Otto

Verdi-Gewerkschaftssekretär Franz Hartmann zeigte sich mit dem Streikergebnis zufrieden. De hohe Streikbereitschaft unter den Mitarbeitern habe dazu geführt, dass Busse und Bahnen in Bremen stillstehen. Kritik am Zeitpunkt des Warnstreiks wies er zurück. Der ÖPNV sei seit 20 Jahren unterfinanziert. Die Arbeitsbedingungen seien miserabel, sagte Hartmann zu buten un binnen. In der Corona-Krise habe sich das noch verschlechtert. Deshalb habe die Gewerkschaft jetzt reagieren müssen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der neue Morgen, 29. September 2020, 6:10 Uhr