Zwei Oscarpreisträger bringen die Stadtmusikanten groß raus

Pünktlich zum 200.Geburtstag kommen Bremens tierische Maskottchen als Zeichentrickfilm ins Kino. Doch warum ohne Esel und ohne Bremen?

Die sagenhaften Vier: Stadtmusikanten im Auto
Ein Roadmovie mit vier Tieren: Nur geht die Reise nicht nach Bremen! Bild: Universum Film GmbH

"Die sagenhaften Vier": Die Bremer Stadtmusikanten erobern als Zeichentrickhelden die Kinos – unter der Regie von zwei Oscar-Gewinnern, mit prominenten Stimmen und mit sehr ungewöhnlicher Besetzung. Hahn, Katze und Hund – soweit hält sich der Trickfilm noch an das Original. Der Rest ist neu. Schon beim Esel weichen "Die sagenhaften Vier" von den Original-Stadtmusikanten ab. Denn jetzt ist es ein Zebra, das mit von der Partie ist. Und die Zwillingsbrüder Wolfgang und Christoph Lauenstein, die 1990 mit einem Oscar für den besten animierten Kurzfilm ausgezeichnet wurden, gehen in ihrer künstlerischen Freiheit aber noch weiter: Aus Bremen ist ein kleines Dorf irgendwo auf dem Land geworden und spielt keine Rolle mehr für die Geschichte.

Vier tierische Schicksale

Die sagenhaften Vier: Vier Helden im Heu
Vier Helden im Heu: Das Märchen der Grimmbrüder wird von den Filmbrüdern Lauenstein sehr frei nacherzählt. Bild: Universum Film GmbH

Jedes dieser vier Tiere hat sein Päckchen zu tragen, alle sind in einer Notsituation, und so tun sie sich zusammen – und klären dabei auch noch eine mysteriöse Einbruchserie auf. Die klar strukturierte Geschichte, die einfachen Dialoge, ein paar alberne aber lustige Szenen und der harmlose Spannungsbogen zielt dabei ganz klar auf Kinder im Grundschulalter ab: Jungs und Mädchen zwischen 4 und 10, die Filme wie "Mullewapp“ mögen, sind in "Die sagenhaften Vier" bestens aufgehoben.

Visuell haben es "Die sagenhaften Vier" schwer, mit der Konkurrenz aus Hollywood mitzuhalten – da sieht man leider doch, dass das Budget hierzulande nur ein Bruchteil dessen beträgt, was die US-Konkurrenz zur Verfügung hat. Trotzdem lohnt sich der Kinobesuch. Denn diese vier Gründe sprechen eindeutig für den Film:
 

1 Die Katze Marnie

Selten gab es im Kino eine so zärtliche und doch bestimmte, gewitzte und doch manchmal etwas tollpatschige Figur wie die pummelige Katze Marnie. Alexandra Neldel (bekannt aus "Die Wanderhure", Synchronstimme von Rapunzel in "Rapunzel – Neu verföhnt") spricht sie mit viel Gefühl und Humor.

2 Der Hund Elvis

Hund Elvis ist furchteinflößend und mitleiderregend gleichermaßen. Er erzählt die Geschichte vieler Hofhunde und bringt ein bisschen echtes Drama in diese sonst so phantasievolle Geschichte. Tatort-Kommissar Axel Prahl schafft es, ihn in der Synchronisation grimmig und sympathisch wirken zu lassen.

3 Der Hahn Eckberth

Eckberth ist komisch und unattraktiv, aber liebenswert und niedlich – und seine Hühner kommen akustisch gegen jede Horde Marktweiber an. Wer sich eine Mischung aus dem Hahn in "Vaiana" und dem nackten Yoga-Yak aus "Zoomania" vorstellen kann, weiß ungefähr, was ihn mit Eckberth erwartet.

4 Das Zebra Mambo di Mango

Der Esel – ist ein Zebra. Mambo di Mango ist eine herrliche Parabel für alle, die vom großen Ruhm träumen und eigentlich mit einem kleinen bisschen Glück viel glücklicher sind. Es erinnert an das Zebra "Marty" in "Madagascar".

Das Märchen der Gebrüder Lauenstein

Die sagenhaften Vier: Hier leben die Stadtmusikanten
Bremen schrumpft im Film auf ein kleines, idyllisches Dorf. Bild: Universum Film GmbH

Die Zwillingsbrüder Christoph und Wolfgang Lauenstein haben aus den 200 Jahre alten Bremer Stadtmusikanten eine gewitzte, witzige Gruppe von Agenten wider Willen gemacht. Denn die Tiere kommen durch Zufall einer Bande auf die Spur, die im Dorf Einbrüche verübt. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Und so geraten "Die sagenhaften Vier" sogar noch ins Visier der echten Ermittler. Mit dem Original hat das auf den ersten Blick nicht mehr viel gemeinsam, aber auch "Die sagenhaften Vier" sind Außenseiter, die sich eine neue Aufgabe im Leben suchen müssen – auch wenn sie die Räuber ohne Gesang zur Strecke bringen.  

Die Handlung haben sie aus Bremen heraus geholt und in ein kleines Dorf verfrachtet – das tut der Geschichte um die seltsamen Raubzüge gut, die in einer großen Stadt wie Bremen leicht untergehen könnten. Hier, in der Nachbarschaft, sprechen sich die Einbrüche schnell herum. Ein Hahn und ein Hofhund an der Kette in der Großstadt? Da scheint das kleine Dorf als Spielort doch glaubhafter. Das Ganze ist in eine Geschichte verpackt, die jedes Kind versteht – zeitlos und zeitgemäß gleichermaßen.

Idee zum Kinofilm in Bremen geboren

Es ist nicht der erste Film der Lauenstein-Brüder zu den Stadtmusikanten. Anlässlich der Bewerbung Bremens zur Kulturhauptstadt Europas 2010 haben die Filmemacher die vier Märchenhelden schon mal in kleinen Werbespots animiert – als Knetfiguren. Die Stadtmusikanten ließen die Filmemacher seither nicht mehr los: So entstand die Idee zu einem abendfüllenden Zeichentrickfilm.

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  • Franziska Blecken

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier läuft, 18. April 2019, 12:15 Uhr