Fragen & Antworten

Huch, Sonne! Erleben Bremen und Bremerhaven einen goldenen September?

Menschen an der Schlachte und Ente
Bild: Radio Bremen | Sophie Labitzke
Bild: Radio Bremen | Sophie Labitzke

Grau und regnerisch war es, richtiges Herbstwetter. Oh, Moment: Das war ja erst der August. Gut, dass jetzt noch mal die Sonne rauskommt. Wie die Lage ist – und wie sie wird.

Hatten wir in diesem Jahr überhaupt einen richtigen Sommer? Was kommt – und hat der Regen wenigstens dem Wald genützt? Meteorologe Frederik Raff und Förster Knut Sierk von den niedersächsischen Landesforsten blicken auf die Lage.

Wir haben Ende August und das erste Mal seit Tagen lässt sich die Sonne wieder blicken. Bleibt es so?
Man hätte wohl kaum noch damit gerechnet: Doch das Hoch Gaya aus Schottland bringt tatsächlich noch einige sonnige Tage nach Deutschland. Allerdings lenke es erst einmal feuchte Nordseeluft ins Land Bremen, weshalb sich die Sonne bis Freitag wohl auch mal länger hinter zähen Nebel- und Hochnebelfeldern verstecke, erkärt Meterologe Frederik Raff. In den metereologischen Statistiken endet der Sommer zwar bereits am 31. August, aber das Wetter hält sich zum Glück nicht an den Kalender: In Bremen und Bremerhaven darf man sich am Wochenende auf warmes und sonniges Spätsommerwetter freuen — am Sonntag sogar mit Höchsttemperaturen bis zu 24 Grad.
Wird es ein sonniger September?
In der kommenden Woche werde sich wohl eher eine kühlere Witterungsperiode einstellen, prognostiziert Raff. Aber völlig abschreiben würde er den Spätsommer noch nicht: "Auch wenn es die Wetterkarten gerade noch nicht zeigen: Die Erfahrung lehrt, dass die zweite Septemberhälfte und auch der Oktober noch den einen oder anderen Altweibersommertag bringen kann."

Auch wenn sich viele von uns nach Sonne sehnen — diese durchwachsenen Sommer sind für unsere Breiten eigentlich ganz normal.

Frederik Raff, Metereologe
Statt Sonne gab es jede Menge Regen, in Nordrhein-Westfalen kam es sogar zur Hochwasserkatastrophe. War das ein ungewöhnlich nasser Sommer?
Bundesweit gesehen haben wir den regenreichsten Sommer der letzten zehn Jahre erlebt. Raff betont allerdings, dass diese Statistik vor allem an dem Tief Bernd liege. Mitte Juli sorgte es in Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen für die verheerenden Überschwemmungen. Im Land Bremen sieht das anders aus: Mit rund 215 Litern pro Quadratmetern seien keine ungewöhnlich großen Mengen Regen zusammengekommen, so der Meteorologe. Damit würde man etwa im Soll vom 30-jährigen Klimamittel von 1991 bis 2020 mit 220 Litern pro Quadratmeter liegen. Auch wenn sich viele von uns nach Sonne sehnen — diese durchwachsenen Sommer sind für unsere Breiten eigentlich ganz normal.

Vor allem im letzten Sommer gab es lange Hitzeperioden ohne Regen. Gleicht das nasse Wetter die vergangenen Jahre der Dürre aus?
Die letzten Sommer waren tatsächlich von besonders heißen Perioden geprägt. Nun haben wir wieder einen wechselhaften und zeitweise nassen Sommer erlebt. Endlich, wie Raff meint, denn der Regen habe der Natur sichtbar gut getan: "Das Regenwasser konnte bis in tiefe Bodenschichten vordringen und die zuletzt extreme Dürresituation hat sich glücklicherweise entspannt." Auch der Förster Knut Sierk bestätigt, dass der Regen vor allem für junge neu gepflanzte Bäume gut gewesen sei. Ausreichend war er allerdings noch nicht: "Durch die vergangenen drei trockenen Jahre hat der Niederschlag leider noch nicht gereicht, um den leeren Bodenwasserspeicher aufzufüllen. Bei den Starkregenereignissen fließt das meiste Regenwasser außerdem nur oberflächlich ab und steht den Bäumen nicht zur Verfügung."

Ja ich weiß, ich bin ein Spielverderber, aber ich hoffe auf weiteren Regen im Sommer und auch einen regen- und schneereichen Herbst und Winter."

Knut Sierk, Förster bei den niedersächsischen Landesforsten
Ein Spaziergänger mit Rucksack im Wald
Noch immer sind viele Bäume durch Dürren der letzten Jahre geschwächt. Bild: Imago | NurPhoto
Wie müsste sich das Wetter im restlichen Jahr entwickeln, damit sich die deutschen Wälder weiter erholen?
Die Bilanz des Sommers sei zwar laut Förster Sierk für den Wald insgesamt positiv, aber im Harz gebe es beispielsweise immer noch große Probleme mit Borkenkäfern. Diese können sich gut verbreiten, wenn die Bäume durch die Dürre geschwächt sind. Für das restliche Jahr wünscht sich Förster Sierk weiter Niederschlag: "Ja ich weiß, ich bin ein Spielverderber, aber ich hoffe auf weiteren Regen im Sommer und auch einen regen- und schneereichen Herbst und Winter."
Wetter und Klima sind zwei verschiedene Dinge. Kann man trotzdem eine Aussage treffen, ob dieser Sommer ein Indiz für den Klimawandel ist?
Laut Raff könne man keinen direkten Bezug auf den Klimawandel nehmen. Was sich aber gezeigt hat: Zahlreiche atlantische Tiefrduckgebiete seien zuletzt nur langsam ostwärts gezogen, sodass sich längere wechselhafte Witterungsperioden einstellen konnten — wie das Regentief Bernd. Die Ursache dafür sei der schwächelnde Jetstream, erklärt Raff. Für den sei wiederum die ungewöhnlich starke Erwärmung der Arktis und somit wohl auch der Klimawandel verantwortlich.
In den vergangenen Jahren war die Störung der sogenannten Westdrift auch schon zu erkennen, als kräftige Hochdruckgebiete nicht von Mitteleuropa abrücken wollten und es so bei uns zu den heißen und trockenen Sommern kam.

Darum geht es den Wäldern in Deutschland immer schlechter

Video vom 21. März 2021
Ein umgefallener Baumstamm in einem Wald.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autoren

  • Laura Lippert
  • Marie Roters Praktikantin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 31. August 2021, 6:30 Uhr