Fragen & Antworten

So bleibt Bremerhavens Wahrzeichen "Seute Deern" in 3D erhalten

Nach dem Rückbau wird der Traditionssegler fortbestehen. Das Schifffahrtsmuseum hat ein 360-Grad-Modell in Auftrag gegeben, das ein Blick an Bord des Wracks gewähren wird.

Video vom 27. August 2020
Der Innenraum der Seute Deern ist sichtlich in Mitleidenschaft gezogen.
Bild: Radio Bremen

Die erst in Brand geratene und später im Hafenbecken gesunkene "Seute Deern" wird nach dem geplanten Abwracken irgendwann nicht mehr sein. Ein 3D-Modell soll nun die Konstruktionsweise des historischen Holzseglers am Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) dokumentieren und digital erhalten. So könnten irgendwann auch virtuelle, barrierefreie Spaziergänge durch das mehr als 100 Jahre alte Wahrzeichen Bremerhavens möglich werden. Für einen Quasi-Neubau der abzuwrackenden Bark sowie die Aufbereitung des Museumshafens stellte der Bund rund 47 Millionen Euro zur Verfügung. Die Zukunft dieses Projekts ist jedoch offen.

Wie wird das 3D-Modell der "Seute Deern" angefertigt?
Mit modernster Technik haben Mitarbeiter der Firma Denkmal-3D zahlreiche Scans des Segelschiffes erstellt und die "Seute Deern" dafür auf den Zentimeter genau vermessen. Für die Datenerfassung haben die Experten einen 3D-Laserscanner mit Kamerasystem benutzt. Insgesamt vier Milliarden Messpunkte und 250 Scans sind dabei entstanden. Sie zeigen neben der Geometrie auch die Farben der Flächen. Anschließend wurde das Material zwei Tage lang am Computer zu einer sogenannten Punktwolke zusammengesetzt. So entsteht ein genaues Bild des Ist-Zustandes des Holzseglers.
Ein solches Modell ist etwas Besonderes. Warum?
Das Dokumentieren gehört bei der Denkmalpflege zum Standard, von historischen Schiffen gibt es jedoch laut DSM seltener digitale Vermessungen. Mit dem Modell wird eine Lücke gefüllt, denn bislang besaß das Museum keine Konstruktionspläne der "Seute Deern", sagt Lars Kröger, Projektleiter des Museumshafens. Bezahlt wird das Projekt aus Mitteln der Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Insgesamt stehen 267.000 Euro für die Dokumentation, die Modell-Erstellung sowie die Bergung, Restauration und Einlagerung wiederverwendbarer Bestandteile zur Verfügung. Ein solches denkmalgeschütztes Objekt aufzugeben sei laut Landesdenkmalschützer Georg Skalecki nur möglich, wenn es so stark beschädigt ist, dass es nur mit unverhältnismäßigem Aufwand erhalten werden könnte und dabei womöglich Authentizität verliere. Das Modell gebe nun später eine Ahnung von dem verlorenen Kulturgut.
Vier Personen stehen am Steuerrad eines Holzschiffes.
DSM-Direktorin Sunhild Kleingärtner, Projektleiter Lars Kröger, Landeskonservator Georg Skalecki und Denkmal-3D-Geschäftsführer Volker Platen an Deck der "Seute Deern". Bild: DSM | Mareike Heger
Was passiert mit der digitalen "Seute Deern"?
Das Museum möchte die Bark als Teil seines denkmalgeschützten Museumshafen-Ensembles bestmöglich erfassen, um mit der Dokumentation weiterarbeiten zu können. "Die Daten können Grundlage für einen Nachbau und ein mögliches virtuelles Modell sein", sagt DSM-Geschäftsführerin Sunhild Kleingärtner. Es könne daraus ein 3D-Druck oder ein Virtual-Reality-Modell entstehen, so Volker Platen, Geschäftsführer von der Firma Denkmal-3D, die normalerweise Burgen oder Kirchen scannt. Laut Projektleiter Kröger biete die Technologie auch Grundlagen für virtuelle Spaziergänge durch das barrierefreie 3D-Modell. Das Museum wolle allen Generationen einen spannenden Besuch ermöglichen, so Kleingärtner. "Aus diesem Grund ist es wichtig, neue digitale Angebote zu schaffen." Zeitplan und Finanzierung einer angedachten öffentlichen Nutzung seien laut DSM allerdings noch unklar.

Wie sieht das Zukunftsprojekt "Seute Deern" aus?

Video vom 10. März 2020
Zu sehen ist die Seute Deern im Wasser.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. August 2020, 19:30 Uhr