Wer ist schuld am Untergang der "Seute Deern"?

  • Laut Juristen bestehen keine Schadenersatzansprüche gegenüber der Museumsleitung
  • Gutachten wurde vom Schifffahrtsmuseum in Auftrag gegeben
  • CDU fordert weitere Aufklärung
Der Dreimaster Seute Deern liegt abgesackt tief im Wasser des Hafenbeckens.
Die "Seute Deern" war im August vergangenen Jahres gesunken. Nur wenige Monate zuvor hatte ein Brand großen Schaden angerichtet. Bild: Radio Bremen | Joschka Schmitt

Ein juristisches Gutachten kommt zu dem Schluss: Die Leitung des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven konnte die Havarie der "Seute Deern" nicht vorhersehen. Das Gutachten wurde von Museumsleiterin Sunhild Kleingärtner in Auftrag gegeben. Veranlasst hatte das Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD). Das Gutachten ist nicht öffentlich, liegt buten un binnen aber vor. Zuerst hatte die Nordsee-Zeitung über die Ergebnisse der Frankfurter Kanzlei Leu berichtet.

Betreffend die Havarie der Seute Deern bestehen keine Schadenersatzansprüche gegen einen oder mehrere Beteiligte der Stiftungsverwaltung/-geschäftsführung des DSM.

aus dem Gutachten der Frankfurter Kanzlei Leu

Für die Bremerhavener CDU sind damit aber noch nicht alle Fragen geklärt. Sie fordert Museumsdirektorin Sunhild Kleingärtner auf, endlich darzulegen, wie nach dem Brand auf dem Schiff die Pumpen kontrolliert wurden. Aufgrund mangelnder Überwachung sei ein Ausfall nicht bemerkt worden. Der hatte schließlich zur Havarie des Schiffes geführt.

Selbst die Löcher, die durch den Brand am Schiff entstanden sind, wurden über Monate nicht geschlossen. Auch wenn der Forschungsauftrag durch das Leibniz-Institut für Maritime Geschichte für das DSM von existenzieller Bedeutung ist, hat die aktuelle Leitung den Bereich des Museums komplett aus den Augen verloren.

Thorsten Raschen
Thorsten Raschen, Fraktionsvorsitzender der CDU in Bremerhaven

Auch Gutachten sagt: Beteiligte haben nicht alles getan

Auch das Gutachten stellt fest, dass die Beteiligten nicht alles getan haben, um eine Havarie zu verhindern. Allerdings habe keiner der zugezogenen Experten vor der Havarie auf eine solche Gefahr hingewiesen. Deshalb könne die Museumsleitung nicht zum Schadenersatz verpflichtet werden. Eine Ursache für das Sinken des Schiffes finden die Gutachter nicht: "Aufgrund der Vielzahl möglicher Ursachen für den Wassereintritt, der letztlich zum Sinken der Seute Deern geführt hat, ist nicht feststellbar, welcher konkrete Schaden am Schiff zu dem Wassereintritt geführt hat."

Die CDU wirft der Museumsleitung vor, den Bereich der Museumsschiffe aus den Augen verloren zu haben. Sie hofft jetzt auf die zugesagten 47 Millionen Euro vom Bund für diesen Museumsbereich und fordert, dass sich das DSM zukünftig verstärkt um die Museumsschiffe kümmert.

Am kommenden Montag soll das Gutachten im Stiftungsrat des Museums diskutiert werden. Zum Stiftungsrat gehören auch Vertreter der Stadt und des Landes.

Rückblick: Provisorisches Dock für "Seute Deern" kostet 600.000 Euro

Video vom 22. April 2020
Das Schiff "Seute Deern" in Bremerhaven, umgeben von Baggern.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Juni 2020, 19:30 Uhr