Kommentar

Bremer Senat sollte die Öffnung der Clubs zurücknehmen

Neue Corona-Verordnung gilt nun in Bremen: Clubs dürfen wieder öffnen

Video vom 2. August 2021
Menschen feiern auf einer Tanzfläche eines Clubs.
Im Land Bremen dürfen Menschen wieder auf den Tanzflächen feiern. Bild: DPA | Felix Kästle
Bild: DPA | Felix Kästle

Bremen hält jetzt den Zeitpunkt für gekommen, die Clubs zu öffnen. buten-un-binnen-Redakteur Milan Jaeger kann das angesichts steigender Inzidenzwerte nicht nachvollziehen.

Selten konnte ich eine politische Entscheidung weniger nachvollziehen: Im Land Bremen dürfen Clubs und Diskos wieder aufmachen. In Zeiten von steigenden Inzidenzen, von Delta und der möglicherweise heranziehenden vierten Welle muss man schon eine Weile darüber nachdenken, um auch nur ansatzweise nachvollziehen zu können, wie der Bremer Senat zu dieser Entscheidung kommen konnte.

Vor genau zwei Monaten, am 3. Juni, hat buten un binnen darüber berichtet, dass die Clubs in Niedersachsen wieder öffnen dürfen. Zum damaligen Zeitpunkt eine verständliche Entscheidung. Der Trend bei den Inzidenzen zeigte nach unten, das Wetter war gut und – ein wichtiger Punkt – jungen Menschen fehlten die Angebote.

Bremen wartete mit der Öffnung der Clubs

Der Bremer Senat aber trat auf die Bremse. Damals wollte die Landesregierung erst die zuvor beschlossenen Öffnungen auswerten. Soweit so gut. Was sich aber in den folgenden zwei Monaten abspielte gleicht im Rückblick einer Farce, schlimmer noch: einer Groteske.

Von Woche zu Woche spitzte sich die Lage an Schlachte, Osterdeich und im Viertel weiter zu, die Polizei verzeichnete immer mehr Delikte verschiedenster Art und klagte gleichzeitig darüber, sich nicht um alles kümmern zu können. Und der Senat? Verstärkte die Polizeipräsenz an Schlachte und Osterdeich, stellte Toilettencontainer auf und sperrte den Sielwall an den Wochendenden für den Autoverkehr. Die Clubs jedoch blieben weiter zu.

Inzidenz liegt wieder bei mehr als 20

Anfang August – also ganze acht Wochen nach der Entscheidung Niedersachsens – ziehen Bovenschulte und Co. nach und öffnen ihrerseits die Clubs. Dumm nur, dass sich die Inzidenzlage in den zurückliegenden acht Wochen in der Stadt Bremen erheblich verändert hat. Betrug die Sieben-Tage-Inzidenz Anfang Juni noch 30,5, sank sie bis Anfang Juli auf 6,2 herab – jetzt steht sie wieder bei 23,6. Und der Trend zeigt weiter nach oben.

Ich kann die Öffnung der Clubs nur eine "Gaga-Entscheidung" nennen. Ehrlich gesagt fällt mir kein anderes Wort ein.

Milan Jaeger, Online-Redakteur bei buten un binnen

Der Bremer Senat hat schlicht den richtigen Zeitpunkt für die Öffnung der Clubs verpasst – wenn es denn je einen gab. Während Niedersachsen schon wieder zurückruderte und den Inzidenz-Grenzwert, bei dessen Überschreiten die Öffnung wieder zurückgenommen werden muss, von 35 auf zehn senkte, bleibt Bremen bei der 35er-Marke. Zwar hat das niedersächsische Oberverwaltungsgericht diesen Beschluss einstweilig außer Vollzug gesetzt. Die politische Richtung in Bremens Nachbarbundesland – mit dem sich der Senat doch angeblich stets so eng abstimmt – ist aber klar. In Bremerhaven wurde unterdessen an dem Tag, an dem die Landesregierung den Clubs grünes Licht für die Öffnung gab, eine Sieben-Tage-Inzidenz von 32,6 verzeichnet. Nicht unwahrscheinlich, dass sie bis Ende der Woche wieder bis auf 35 und mehr ansteigt. Dann wäre die Öffnung ohnehin vom Tisch.

Hannover: Mehr als 3.000 nach Clubbesuch in Quarantäne

Total verständlich, dass die Bremer Clubbetreiber angesichts dieser Unwägbarkeiten längst abgewunken haben. Viel zu riskant wäre es für sie, jetzt die Öffnung am nächsten Wochenende vorzubereiten. Abgesehen von den finanziellen Risiken wollen sie am Ende nicht als Pandemietreiber dastehen. Erfahrungen aus Niedersachsen haben zuletzt gezeigt, dass sich das Coronavirus in Clubs gerne ausbreitet. Allein in der Region Hannover mussten Ende Juli mehr als 3.000 Menschen in Quarantäne, nachdem sie in Diskos gefeiert hatten.

Ich kann die Öffnung der Clubs nur eine "Gaga-Entscheidung" nennen. Ehrlich gesagt fällt mir kein anderes Wort ein. Das einzig Gute ist, dass die Bremer Clubs wahrscheinlich nicht zeitnah öffnen werden. Noch besser wäre es aber, wenn der Bremer Senat seine Entscheidung zurücknehmen würde.

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Autor

  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. August 2021, 19:30 Uhr