Fragen & Antworten

Warum Parteien nicht am Bremer Schulsystem rütteln wollen

Der Schulkonsens soll verlängert werden – obwohl Bremen in Studien weiterhin Schlusslicht ist. Wir erklären, warum das Schulsystem erstmal unangetastet bleibt.

Ein Skript des neuen Bildungskonsens

Die Bildungsexperten aus den Parteien SPD, CDU, Grüne und Linke sind sich einig: das Bremer Schulsystem soll bleiben, wie es ist. Es soll weiterhin das sogenannte Zwei-Säulen-Modell mit Oberschulen und Gymnasien geben. Damit folgen die Parteien der Empfehlung einer Expertengruppe, die das System im März evaluiert hatte. In Bildungsstudien belegt Bremen allerdings nach wie vor die hinteren Plätze. Die wichtigsten Fragen zum Schulkonsens beantworten wir hier.

Wie kam es vor zehn Jahren zu einem Schulkonsens?
Ursächlich war der Schock durch die internationale Vergleichsstudie PISA der OECD Anfang der 2000er Jahre. Bundesweit schnitten zahlreiche Schüler schlecht ab. Danach entbrannte in vielen Bundesländern eine Diskussion über die richtige Schulstruktur, so auch in Bremen. Nach mehreren Versuchen einigten sich vor zehn Jahren die drei stärksten Parteien in der Bremischen Bürgerschaft (SPD, CDU, Bündnis90/Die Grünen) auf das sogenannte Zwei-Säulen-Modell. Seitdem gibt es in Bremen zum einen die Oberschulen, wo alle Kinder unabhängig von ihrer Leistung gemeinsam lernen. Zum anderen gibt es die Gymnasien, die von den Kindern besucht werden, die in der Grundschule überdurchschnittlich gut waren.
Wieso wird jetzt wieder über den Schulkonsens geredet?
Die Parteien hatten verabredet, dass nach zehn Jahren überprüft werden soll, ob das neue Schulsystem auch das gebracht hat, was sie sich erhofft haben. Die Hoffnung war unter anderem, dass die Bremer Schülerinnen und Schüler mehr lernen und bei Vergleichstests dementsprechend besser abschneiden. Ein weiteres Ziel war, dass mehr Kinder aus Stadtteilen mit besonders vielen ärmeren Familien höhere Schulabschlüsse erreichen. Beides ist bisher tendenziell nicht eingetreten. Die Schüler in Bremen belegen in bundesweiten Vergleichstests weiterhin eher die hintersten Plätze. Eine Expertengruppe stellte im März dieses Jahres fest, dass Schüler aus ärmeren und zugewanderten Familien nach wie vor seltener Abitur machen als Kinder aus Familien in einkommensstärkeren Stadtteilen.
Warum wollen die Parteien das Schulsystem trotzdem beibehalten?
Die SPD-Landesvorsitzende Sascha Aulepp sagt, dass die Schulen jetzt Ruhe und Zeit brauchen, um die vielen Neuerungen der vergangenen Jahre umzusetzen. Eine erneute Strukturdebatte sei nicht hilfreich. Deshalb werde sie dem Landesvorstand empfehlen, der Verlängerung des Schulkonsenses zuzustimmen. Die CDU will die Gymnasien nicht nur erhalten, sondern bei Bedarf sogar ausbauen. Der stellvertretende Landesvorsitzende der CDU, Jens Eckhoff, verweist darauf, dass es durch den neuen Schulkonsens möglich sei, ein weiteres Gymnasium zu gründen, wenn die Zahl der  Schüler mit gymnasialer Empfehlung steigt und diese einen Schulplatz an einem Gymnasium wollen.
Die Linke unterstützt dieses Mal – anders als noch vor 10 Jahren – den Konsens, unter anderem weil sich darauf geeinigt wurde, mehr Personal für die Schulen einzustellen. Die FDP war bei den Verhandlungen zwar dabei, werde sich dem neuen Schulkonsens aber nicht anschließen, heißt es in einer Mitteilung der Partei. Grund sei vor allem, dass der Leistungsgedanke und die Förderung der Gymnasien, die die Partei vertrete, sich nicht in den Vereinbarungen wiederfinde.
Welche Veränderungen soll es dennoch geben?
Die Parteien sind sich einig, dass die Schulen mehr Geld und Personal brauchen, um guten Unterricht zu machen. Die Schulen sollen in Zukunft mehr Lehrerstellen bekommen, als sie eigentlich brauchen. Der Bedarf an Lehrkräften soll zu 105 Prozent gedeckt sein. So könnten Personalausfälle besser ausgeglichen werden. Für Kinder mit Förderbedarf soll es mehr Förderstunden geben. Zudem sollen an Schulen in besonders belasteten Stadtteilen mehr Lehrer eingestellt werden.
  • Heike Zeigler

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. September 2018, 19:30 Uhr