Mangelware Sand: Bremens Bauboom sorgt im Umland für tiefe Löcher

Sand ist der meistgehandelte Rohstoff der Welt: Sand und Kies sind die Grundlage für Beton. Allein rund um die Stadt Bremen gibt es etwa ein Dutzend Sandgruben.

Video vom 15. September 2020
Mehrere LKW und Bagger in einem Betonwerk.
Bild: Radio Bremen

Ob die Gartenstadt Werdersee oder die Überseestadt: Weil Bremen baut, braucht die Stadt Beton. Das freut Mathias Schoen, Chef von Hansa Beton. Seine Firma produziert unter anderem in Weyhe. Mehr als 220.000 Tonnen Beton fahren hier jedes Jahr vom Hof.

Die Sorge des Unternehmers: Sand könnte absehbar knapp werden. Immerhin würde in einem Kubikmeter Beton 800 Kilo Sand und eine Tonne Kies stecken: "Und wir befinden uns jetzt in einer Situation, wo wir bei einer starken Nachfrage eine bestenfalls gleichbleibende Produktion haben."

Der Kampf um die Rohstoffe ist in vollem Gange.

Mann im Anzug steht vor Sandberg.
Mathias Schoen, Geschäftsführer von Hansa Beton

Der Sandabbau in der Region boomt

Zwei gelbe Bagger vor einem Sandberg.
Sandgrube an Sandgrube: Rund um Bremen wird kräftig gebuddelt. Bild: Radio Bremen

Die Region ist gesegnet mit Sand. Sagt Eike Bruns vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) Niedersachsen: "In ganz Niedersachsen werden seit Jahren konstant 40 Millionen Tonnen Sand pro Jahr gefördert und das wird sich auch absehbar nicht ändern. Allein acht Millionen davon kommen aus dem Landkreis Nienburg." Die Region ist damit eine der ertragreichsten Flächen Deutschlands: "Hier bezieht Bremen den meisten Sand her – gefolgt von den Landkreisen Osterholz, Verden und Diepholz."

"An Sand lässt sich nur etwas verdienen, wenn er nicht weiter als 20, 30 Kilometer weit transportiert wird", sagt Bruns. Sand über weitere Entfernungen zu transportieren, lohne sich nicht: "Ich kann zwar theoretisch auch Sand in Australien auf ein Schiff schmeißen und hierher schippern, aber das lohnt sich nicht im Geringsten."

Luftaufnahme eines Sandabbauwerks, gelegen an einem See.
Neue Sandflächen für den Abbau nutzbar zu machen wird immer schwieriger. Bild: Radio Bremen

Und so gleichen rund um Bremen manche Landstriche  schon regelrecht einem Schweizer Käse, meint Mathias Schoen: "Wenn sie die Weser entlang gehen und dann mal aus dem Fenster gucken, da sehen sie bald nur Loch an Loch. Da können sie bald nicht mehr buddeln." Rund um die Stadt Bremen gibt es etwa ein Dutzend Sandgruben.

Wie die von Uwe Krinke in Thedinghausen, 20 Autominuten von Bremen entfernt. Seit 1962 wird hier Sand gefördert. Krinke hat den Betrieb von seinen Eltern übernommen. Er liefert Sand für alles und jeden. Für den Sandkasten, für Mörtel, für Beton. Die Geschäfte laufen gut – gerade jetzt. Aber auch ohne Corona profitiert Krinke seit Jahren von der gut gehenden Baubranche. Doch dass das Geschäft mit dem Sand endlich ist, wird hier gut sichtbar. Einen bis zwei Hektar beackern sie pro Jahr. Irgendwann sei aber Schluss.

Das reicht noch 25 bis 30 Jahre.

Weißhaariger Mann steht vor Sandförderanlage.
Uwe Krinke, Geschäftsleitung Kieswerke Krinke

Für den Sandabbau wird es langsam eng

Bruns meint, der Sand selbst werde nicht wirklich "zu knapp", aber es werde schwieriger, an ihn ranzukommen. Denn immer mehr Flächen werden bebaut. Oder Naturschutzgebiete entstünden oder andere Interessen verhinderten die Förderung. In die Quere kam der Sandbranche beispielsweise vor rund 20 Jahren das Geschäft mit den Biogasanlagen, "denn plötzlich wurden vormals uninteressant gewordene Flächen von der Landwirtschaft gebraucht, um Mais für Biomasse anzubauen."

Oder aber es kommt Protest aus der Bevölkerung. Bruns erinnert sich an ein Vorhaben in Achim. Ideal gelegen für eine Sandgrube mit der Autobahn direkt vor der Nase. Doch dann wurde den Anwohnern klar, dass künftig "40, 50 Sandlaster täglich durchs Dorf brettern" würden. "Dass das jemand nicht toll findet, kann man sich vorstellen. Dass Rohstoffabbau immer solche Begleiterscheinungen hat, ist klar."

Lösung ist Sicht?

Das Recyceln von altem Beton könnte eine Lösung sein, um nachhaltiger zu werden: So wird alter Beton, der bei der Erneuerung von Autobahnabschnitten abfällt, als Untergrund für neuen Straßenbelag genutzt. Und sollte Sand tatsächlich irgendwann mal knapp werden – wovon Bruns vom Landesamt nicht ausgeht – haben Bremen und Bremerhaven einen klaren Standortvorteil. Über den Wasserweg könne dann Kies aus Norwegen oder per Schiff importiert werden.

Der unverzichtbare Rohstoff: In all diesen Dingen steckt Sand

Video vom 14. September 2020
Eine Nahaufnahme von Sand.
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Jan Meier-Wendte Autor
  • Eva Linke Redakteurin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. September 2020, 19:30 Uhr