Fragen & Antworten

Reisen in Zeiten von Corona: Bremer Experten geben wichtige Hinweise

Was bedeutet der Einreisestopp in die USA für geplante Reisen? Kann ich stornieren? Sollte man besser einfach zu Hause bleiben? Die Antworten.

Ein Flugreisender mit Maske läuft auf einem Flughafen an einer Anzeigetafel vorbei (Symbolbild)
Viele Länder haben die Einreisebedingungen verschärft, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Bild: Imago | Zuma Wire/Keith Tsuji

Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt für Verunsicherung unter Urlaubern. Die Reisebestimmungen für Auslandsreisen ändern sich von Tag zu Tag. Italien gilt inzwischen als Sperrzone. US-Präsident Donald Trump hat für die kommenden 30 Tage ein allgemeines Einreiseverbot für Reisende aus Europa erlassen. Wer nach Israel, Moskau oder Zypern reisen will, muss sich vorher in eine zweiwöchige Quarantäne begeben.

Sollte man dann lieber aufs Reisen komplett verzichten? Und welche Ansprüche können Fluggäste oder Bahnkunden bei abgesagten Fahrten geltend machen? buten un binnen hat einen Rechtsberater der Verbraucherzentrale Bremen und einen Epidemiologen dazu gefragt.  

Coronavirus: Warnhinweise am Flughafen
Reise-Experten raten Reisenden, sich regelmäßig über eventuelle Reiseeinschränkungen im Zielland zu informieren. Bild: Imago | Nikita
Sollte man mit der Buchung von Reisen oder Pauschalurlaub am besten warten?
Ja, sagt Mathias Hofländer, Rechtsberater bei der Verbraucherzentrale Bremen. Denn nicht selten verlangten Reiseagenturen eine anteilige Vorauszahlung. Um diese beim Ausfall der Reise erstattet zu bekommen, müsse der Kunde seine Ansprüche geltend machen. "Man ist dann rechtlich gesehen in einer schlechteren Position", sagt er.

Zudem ändern sich die Empfehlungen vom Auswärtigen Amt nahezu täglich. Es ist daher schwierig vorherzusehen, welche Gebiete in Zukunft von Reisebeschränkungen betroffen sein könnten. Noch schwerer haben es individuell Reisende oder Rucksacktouristen: Sie müssen sich dann persönlich um eine eventuelle Rückerstattung oder kostenfreie Stornierung bei Fluggesellschaften, Hotels und Mietwagenunternehmen bemühen.
Kann ich meine Reise stornieren, weil ich Angst vor dem Coronavirus habe?
Angst ist an sich kein offizieller Grund, um eine Rückerstattung von Reisekosten oder eine kostenlose Stornierung zu bekommen. In solchen Fällen sei man auf die Kulanz des Veranstalters angewiesen, sagt Hofländer. Gerichtsfest seien hingegen die Reisewarnungen vom Auswärtigen Amt. Wird vor Reisen in ein bestimmtes Gebiet gewarnt, darf der Kunde die Stornierung und gegebenenfalls die Rückerstattung von Vorauszahlungen verlangen. Anders sieht es bei Individualreisen aus. Hier sind Reisende auf die Kooperation von Hotels und Dienstleistern angewiesen. Fluggesellschaften müssen nur bei abgesagtem oder stark verspätetem Flugen den Ticketpreis zurückerstatten, wenn keine Umbuchung möglich ist.

Backpackers und individuelle Reisende sind rechtlich nicht so gut geschützt wie Pauschalurlauber.

Mathias Hofländer, Rechtsberater bei der Verbraucherzentrale Bremen
Kann ich eine Reise stornieren, wenn nur ein Teil davon wegen des Coronavirus abgesagt wird?
Wenn mehrere Teile der Reise nicht mehr stattfinden können, sodass die Reise nicht mehr zumutbar ist, dann ja. In solchen Fällen empfiehlt der Rechtsberater, die im Vorab veranlassten Zahlungen zurückzufordern und den Rest nicht zu bezahlen. "Auch nicht, wenn der Veranstalter dazu drängt", betont Hofländer.  Klauseln, die außergewöhnliche Ereignisse als Ursache einer kostenlosen Stornierung ausschließen, dürften in diesem Fall unwirksam sein.  
Was passiert, wenn ich am Flughafen im Zielland abgewiesen werde und nicht einreisen darf?
"Wenn die Reise am Flughafen endet, darf man eine Rückerstattung von der Reiseagentur verlangen – aber nicht für die bereits angefallenen Flugkosten", so Hofländer. "Individuelle Reisende schauen hingegen in die Röhre." Sie können in solchen Fällen beim zuständigen Konsulat oder der Botschaft Hilfe erbeten. Letztendlich müssen sie sich jedoch selbst um ein Rückticket oder eine Umbuchung kümmern. Pauschalreisende sollten sich hingegen an ihre Reiseagentur wenden. Falls der Rückflug erst am folgenden Tag möglich ist, besteht allerdings kein Anspruch auf eine bezahlte Übernachtungsmöglichkeit.
Wer trägt die Kosten, wenn ich unter Zwangsquarantäne gestellt werde und deswegen meinen Aufenthalt verlängern muss?
Das ist in den verschiedenen Ländern unterschiedlich geregelt. In Deutschland besteht ein Entschädigungsanspruch gegenüber dem Bundesland, das die Quarantäne angeordnet hat. Nicht überall im Ausland sei das jedoch so geregelt, sagt Hofländer. Ebenfalls wichtig: Deutschland ist nicht verpflichtet, eine Ausreise zu organisieren oder zu bezahlen. Das hat auch der Fall der gestrandeten deutschen Urlauber auf Teneriffa gezeigt.
Sollte man insgesamt in den kommenden Wochen auf Reisen verzichten?
Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention am Leibniz-Institut für Präventionsforschung in Bremen, ist der Meinung, dass man so weit wie möglich auf Reisen verzichten sollte. "Grundsätzlich ist es das, was man jetzt tun sollte. Ob Reisen abgesagt werden müssen, sollte man im Einzelfall abwägen." Das Reisen trage schließlich dazu bei, dass sich das Virus verteile. Die Ansteckungsgefahr gilt in beide Richtungen: Man riskiert nicht nur, sich selbst anzustecken, sondern auch, die Krankheit unwissentlich in "virusfreien" Gebieten zu verbreiten.

Reisen ist im Moment nicht die beste Aktivität.

Hajo Zeeb
Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention am Leibniz-Institut für Präventionsforschung in Bremen
Gibt es Verkehrsmittel, die als besonders gefährdet gelten?
Über Kreuzfahrten haben Experten in den vergangenen Wochen hitzig debattiert. "Man ist mit vielen Menschen auf relativ engem Raum zusammen – eingeschlossen", erläutert Zeeb. Wenn jemand infiziert ist, sind die Chancen höher, dass er andere ansteckt. Kürzlich sind mehrere Kreuzfahrtschiffe in verschiedenen Ländern unter Quarantäne gestellt worden. Dasselbe gelte jedoch auch für andere überfüllte Verkehrsmittel wie Zug oder Bus, fügt der Wissenschaftler hinzu.
Wie kann man sich am sinnvollsten schützen?
Experten empfehlen, einen Meter Abstand von anderen Reisenden zu halten und in die Armbeuge zu husten oder niesen. Menschen, die unterwegs sind, sollten sich regelmäßig die Hände waschen. Einen Mundschutz zu tragen macht nur Sinn, wenn man selbst erkrankt oder erkältet ist. Gängige Mundschutzmasken schützen nicht vor dem Virus, tragen jedoch dazu bei, dass man es nicht weiterverbreitet. Die Sitzplätze zu desinfizieren hält Zeeb hingegen für übertrieben.

So schützt man sich und andere

Grafische Darstellung von verschiedenen Hygieneschutzaspekten in Form von Piktogrammen KLICKEN SIE A UF DIE PIK T OGRAMME mind. 1m Hände waschen Möglichst häufig und besonders gründlich: mind. 20 Sekunden, auch zwischen den Fingern. Rücksicht beim Niesen/Husten Immer v on ande r en abwenden und die Armbeuge v or den Mund halten. Nicht ins Gesicht fassen A ugen, Nase und Mund nicht mit ungewaschenen Händen berüh r en. Händeschütteln v ermeiden Lieber da r auf v erzichten, Hände zu schütteln. Nicht mit den Fingern essen K ein Essen mit den Fingern in den Mund stec k en. Besser Besteck oder Se r viette v e r wenden. Abstand halten Z u ande r en möglichst einen Meter Abstand halten. Menschenmengen eher meiden Je höher die Zahl der Menschen auf engem Raum, des t o höher das Risiko, sich anzustec k en. V orsicht bei T ürklin k en T ürklin k en sollten möglichst nicht mit bloßen Händen angefasst we r den.
Bild: Radio Bremen
Was soll man tun, wenn man aus einer Reise zurückkommt und Schnupfen bekommt?
Gerade sind Erkältungs- und Grippeviren im Umlauf. Nicht jeder Halsschmerz oder Husten deutet auf das Coronavirus hin. Allerdings ist es ratsam, sich telefonisch mit dem Hausarzt in Verbindung zu setzen und das weitere Prozedere zu besprechen.

Wie das Corona-Virus das öffentliche Leben lahmlegt

Video vom 12. März 2020
Ein Schild auf dem steht "abgesagt".
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 12. März 2020, 16:45 Uhr