Reisen mit Risiko: 7 Dinge, die Urlauber jetzt bedenken müssen

Donnerstag beginnen in Bremen die Sommerferien. Doch: Urlaubsorte, die jetzt als sicher gelten, können morgen schon Corona-Risikogebiet sein. So sind sie gut vorbereitet.

Video vom 11. Juli 2020
Eine Anzeige am Flughafen über aktuelle Abflüge.
Bild: Radio Bremen

Das Land Bremen trifft letzte Vorbereitungen für die Urlaubszeit: Während viele derzeit schon ihre Koffer packen und der Abreise entgegenfiebern, trifft der Bremer Senat schon Vorkehrungen für deren Rückkehr. So sollen Bremer Urlauberinnen und Urlauber nach einem Auslandsaufenthalt bei ihrer Ankunft in Bremen die Möglichkeit bekommen, sich auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 testen zu lassen, um die mögliche Verbreitung des Virus zu vermeiden.

"Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland wird derzeit gewarnt", steht auf der Startseite des Auswärtigen Amtes. Zwar gilt seit Mitte Juni für die meisten europäischen Ländern wieder die Reisefreiheit, doch gelten 127 Länder und Regionen zur Zeit ausdrücklich wegen Corona als Risikogebiete – darunter die Türkei und Ägypten. Was bedeutet das? Und was, wenn auch der zunächst als sicher geltende Urlaubsort plötzlich von der Pandemie betroffen ist? Wir erklären, was Sie in diesem Jahr bei Ihrer Reiseplanung bedenken sollten.

1 Was heißt Risikogebiet und was bedeutet eine Reisewarnung überhaupt?

Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt durch das Bundesministerium für Gesundheit, das Auswärtige Amt und das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und wird durch das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht. Es nennt diese drei Faktoren, die dazu vorliegen müssen:

  1. über 50 Covid-19-Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen
  2. keine ausreichenden Testkapazitäten oder unzureichende Corona-Maßnahmen vor Ort
  3. fehlende verlässlichen Datenlage für das Land

Eine ausdrückliche Reisewarnung des Auswärtigen Amts besagt, Reisen in ein Land oder in eine Region zu unterlassen, da Gefahr für Leib und Leben droht. In diesem Fall können Urlauber ihre Buchung bei einem deutschen Anbieter stornieren. Die Einstufung als Risikogebiet ist nicht automatisch mit einer Reisewarnung verknüpft. Als Risikogebiet können auch nur Teile eines Landes gelten. Darum sollte man sich vor seiner Reise genau informieren, welche Anforderungen bei der Ein- und Ausreise des Reiselandes vorliegen.

2 Was muss ich vor dem Reisestart in ein Risikogebiet beachten?

Das Logo des Auswärtigen Amtes an einer steinernen Häuserwand.
Das Auswärtige Amt warnt vor den möglichen Konsequenzen eines Urlaubs. Bild: Radio Bremen

Vor der Abreise sollte man sich auf jeden Fall auf der Homepage des RKI oder des Auswärtigen Amtes darüber informieren, ob das Urlaubsland bereits als sogenanntes Risikogebiet eingestuft worden ist. Und: Manche Länder führen an den Grenzkontrollen sowie am Flughafen Gesundheitsprüfungen wie Temperaturmessungen durch oder man muss – wie etwa bei der Einreise nach Bulgarien – Kontaktformulare ausfüllen.

Geht die Reise in ein solches Risikogebiet, hat das Folgen für die Zeitplanung: Die Bildungsbehörde in Bremen hat beispielsweise an die Eltern von Schülerinnen und Schülern sowie an die Kindertagesstätten Briefe verschickt, in denen darüber informiert wird, dass bei einer Rückreise aus einem Risikogebiet eventuell mit einer Quarantänezeit gerechnet werden muss. Wenn ich also am Abreisetag weiß, dass es sich bei dem Urlaubsziel um ein Risikogebiet handelt, muss die 14-tägige Quarantänezeit mit einberechnet werden, damit das Kind rechtzeitig zum Schulbeginn wieder in Bremen ist. Ist das nicht der Fall, liegt eine Verletzung der Schulpflicht vor.

3 Was ist, wenn das Urlaubsziel während meines Urlaubs als Risikogebiet eingestuft wird?

Wenn ein Gebiet oder Land zum Zeitpunkt der Abreise kein Risikogebiet war und erst während des Urlaubs zum einem solchen erklärt wird, müssen Quarantänezeiten, die dann notwendig werden, nicht vorab schon eingeplant werden. Zu bedenken gilt aber, dass es durchaus sein, dass in dem Fall eine schnelle Ausreise unter Umständen nicht möglich ist, wenn zum Beispiel Flüge, Zugverbindungen oder Schiffspassagen gestrichen werden. Solche Fehlzeiten können gegebenenfalls auch arbeitsrechtliche Folgen haben.

4 Was muss ich tun, wenn ich mich im Urlaub mit dem Corona-Virus angesteckt habe?

Wenn im Urlaub eine Infektion festgestellt wird, entscheiden die Behörden des jeweiligen Reiselandes, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen wie zum Beispiel eine Quarantäne. Diese Maßnahmen gelten auch für Reisende und müssen befolgt werden. Eine Rückreise nach Bremen ist während dieser Zeit in der Regel nicht möglich.

Das Auswärtige Amt hat eine weitere Rückholaktion wie zu Beginn der Pandemie bereits ausgeschlossen. Es wäre also nicht klar, wann und wie man wieder nach Deutschland zurückkommen kann. Wer sich mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 angesteckt hat und sich dennoch auf eigene Faust in ein Flugzeug setzt, handelt grob fahrlässig. Das kann weitere Konsequenzen wie etwa Bußgelder mit sich bringen.

5 Greift meine Auslandskrankenversicherung, wenn ich im Ausland an Corona erkranke?

Gesetzliche Krankenkassen kommen auch für Behandlungen bei akuter Erkrankung oder Unfall in einem EU-Mitgliedsland sowie in Ländern mit Sozialversicherungsabkommen auf. Falls eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen wurde, übernimmt diese grundsätzlich auch die entstehenden Behandlungskosten. Laut Verbraucherzentrale haben aber manche Versicherer einen Ausschluss bei Pandemien.

Manche Versicherer schließen die Leistung aus, wenn es eine Reisewarnung gibt. Da man bei Vorliegen einer Reisewarnung in aller Regel eine Reise kostenlos stornieren kann, sollte man sich also überlegen, ob man trotz der Reisewarnung in das jeweilige Land reisen möchte.

6 Was muss ich bei meiner Rückkehr beachten?

Coronavirus: Warnhinweise am Flughafen
Urlaubsreisende haben diesen Sommer viel bei der Reiseplanung zu beachten. Bild: Imago | Nikita

Wer aus einem als Risikogebiet eingestuften Land einreist, muss laut der Corona-Rechtsverordnung mit einer 14-tägigen häuslichen Quarantäne rechnen. Es sei denn, man hat ein ärztliches Zeugnis mit einem negativen Testergebnis im Gepäck, das nicht älter als 48 Stunden sein darf. Das muss ein molekularbiologischer Test sein, der auf Deutsch oder Englisch verfasst ist und das Land muss auf der entsprechenden Liste des RKI geführt sein.

In jedem Fall muss ich mich unverzüglich beim Ordnungsamt Bremen oder dem Gesundheitsamt in Bremerhaven melden, wenn ich aus einem Risikogebiet zurückkomme. Das gilt auch, wenn mein Corona-Testergebnis negativ ist.

7 Will ich in ein Risikogebiet verreisen, muss ich dann meinen Chef darüber informieren?

Laut Arbeitsrechtlerin Sabine Brumme aus Bremen ist die Wahl des Urlaubsgebietes allein die Entscheidung des Arbeitnehmers. Die Einstufung durch das RKI führt nicht zu einem generellen Reiseverbot. Wenn ich meinen Urlaub in einem Risikogebiet verbracht habe, könnte jedoch unter bestimmten Voraussetzungen ein Fragerecht des Chefs begründet sein. Zum Beispiel wenn ich im Krankenhaus oder im Pflegeheim arbeite, wo eine potenzielle Infektion eines Arbeitnehmers besonders gravierende Auswirkungen haben könnte.

 

Autorin

  • Burcu Arslan

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 14. Juli 2020, 10:45 Uhr