"Genauso bekloppt wie ich": Kerkelings Liebeserklärung an Radio Bremen

Hurz, Mitropa und Beatrix: Hape Kerkeling hat die Geschichte von Radio Bremen mitgeprägt. Fünf Dinge, an die er sich aus dieser Zeit besonders eindrücklich erinnert.

Audio vom 18. September 2020
Hape Kerkeling
Bild: Imago | Stephan Pick

Für die Rolle als Kind Dicki im Loriot-Sketch "Weihnachten bei den Hoppenstedts" hatte sich Kerkeling einst beworben, aber bekam sie nicht. Dafür produzierte Radio Bremen 1984 seine erste eigene Sendung und brachte ihn als Rotzlöffel Hannilein in "Kerkelings Kinderstunde" in die Wohnstuben der Republik. Spätestens mit "Total Normal" hat Hape Kerkeling in Bremen Fernsehgeschichte geschrieben.

Im Jubiläums-Podcast "Früher war mehr Lametta" zum 75-jährigen Bestehen von Radio Bremen schwelgt Kerkeling in Erinnerungen. Und das sind fünf der bleibensten.

1 Ein beklopptes Team – im positiven Sinne

Hape Kerkeling als polnischer Opernsänger.
Hurz, der Klassiker: Hape Kerkeling als polnischer Opernsänger in Stuhr. Bild: Radio Bremen

"Die Menschen, mit denen ich bei Radio Bremen gearbeitet habe, waren und sind außergewöhnliche Menschen", sagt Kerkeling über das damalige Team. Auch ihnen sei der Erfolg von "Total Normal" zu verdanken, denn "das ist ja nicht alles nur auf meinem Mist gewachsen". In der Sendung sei "ganz, ganz viel Bremen" drin gewesen. Über seine damalige Redakteurin Birgit Reckmeyer sagt Kerkeling scherzhaft, sie sei "genauso bekloppt wie er". Und besagte Redakteurin fand weiß Gott nicht alles genial, was damals aus den Federn von Kerkeling und seinem Kollegen Achim Hagemann kam: "Wir mussten dann so lange schreiben, bis es lustig war (lacht)."

2 Billige Kaffeemaschinen im Sonderangebot

Die Mitropa-Kaffeemaschine, die heute im Eingangsbereich von Radio Bremen in einer Vitrine ausgestellt ist, wurde durch die Sendung "Total Normal" bekannt. 19,90 Mark hatte sie damals gekostet, erzählt Kerkeling, der sich selbst als "aggressiven Kaffeetrinker" bezeichnet. Die Maschine sei damals im Sonderangebot "geschossen worden" und das Team habe gleich 30, 40 Stück davon gekauft. Dass sie jetzt einen Ehrenplatz bekommen hat, rühre ihn zutiefst. Sie sollte ein Symbol für die deutsche Wiedervereinigung sein: "kapitalistischer Kaffee" und ein vage "kommunistisch klingender Name".

3 Spinat und Spiegeleier

Wenn Kerkeling an Radio Bremen denkt, erinnert er sich gerne an die Kantine zurück. Und an die Frau, die ihn jedes Mal fragte, ob er seinen Spinat mit oder ohne Spiegelei haben wolle. Das sei "wie nach Hause kommen" gewesen. Diese familiäre Atmosphäre habe er später in anderen Sendern teilweise vermisst.

4 Immer wieder Schnappatmung

Hape Kerkeling in "Total Normal"
Für "Total Normal" gab es die Goldene Kamera und den Grimmepreis. Bild: Radio Bremen | Foto Forum/Peter Meyer

Alle "Total Normal"-Folgen waren Live-Sendungen. Als eine "große Freude, aber immense Verantwortung" beschreibt Kerkeling das Gefühl, als er auf die Bühne ging. Lampenfieber hat er damals gehabt. So stark, dass er bis kurz vor der Sendung "kaum noch Luft bekam". Und als er sich als falsche Königin Beatrix ausgab und sich bei den Dreharbeiten tatsächlich der Schlagbaum zum Schloss Bellevue vor seinem Wagen öffnete und das Militär aufmarschierte, dachte er: "So, das wird zwar ein schöner Film, aber das ist das Ende meiner Karriere und ich werde vermutlich im Knast landen." Was aus seiner Sicht rückblickend auch Teil des Charmes des Films gewesen sei, weil man ihm diese Nervosität in diesem Moment auch durchaus angemerkt habe.

5 Die Kunst der Maskenbildner

Kerkeling wundert sich bis heute darüber, dass man ihm seine Rolle als Beatrix abgenommen hat und selbst durch das Bremer Autokennzeichen seiner Staats-Karosse niemand stutzig geworden ist. Ganze Arbeit hatte die Maskenbildnerin für den "Hurz"-Sketch geleistet. Obwohl Kerkeling kurz vor dem Dreh noch Zweifel kamen: "Der Witz war: Wir waren vorher noch an einer Tankstelle und ich habe mir Kaugummis geholt. Und da sagt die Dame von der Tanke zu mir: ''Och, Hape Kerkeling, wo wollen sie denn hin?' Ich in dem Outfit. Mit dem Bart!" Da sei er sofort zu Maskenbildnerin gerannt, weil er Angst hatte, man würde ihn auch bei der Aufzeichnung des Sketches erkennen. Er meint auch, dass ihn eine Frau im Publikum tatsächlich ebenfalls erkannt hat. Aber die habe dankenswerterweise "mitgespielt".

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Feature, 18. September 2020, 8:20 Uhr