Warum ein queeres Leben in Bremerhaven noch nicht ganz einfach ist

Bremerhaven hat Nachholbedarf bei der Queerfreundlichkeit

Video vom 9. August 2021
Ein homosexuelles Pärchen geht gemeinsam durch die Innenstadt von Bremerhaven.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Queere Menschen erleben in ihrem Alltag im öffentlichen Raum noch immer Diskriminierung, wie sie erzählen. Es fehle an sicheren Orten – auch in Bremerhaven.

Marcelo läuft unter einer Bremerhavener Autobahnbrücke entlang.
Früher kam Marcelo oft hierhier: zu der Autobahnbrücke im Süden Bremerhavens. Bild: Radio Bremen | Radio Bremen

Marcelo Mirasol bezeichnet sich selbst als queer. In seiner Teenagerzeit gibt es öfters Probleme, weil die Menschen in seinem Umfeld nicht akzeptieren, dass er auf Männer steht. In dieser Zeit fährt er zu einer Autobahnbrücke im Süden von Bremerhaven. "Also in solchen Momenten wollte man einfach die Frustration, Schmerz einfach rauslassen. Da hat man halt irgendwas gesucht, womit man das nach außen tragen kann", erzählt Marcelo.

Inzwischen hat Marcelo seinen Freund Sebastian. Sich offen und unbeschwert als Paar zeigen, das machen die beiden nicht. Zu groß sei die Angst vor Blicken oder Übergriffen in der Bremerhavener Innenstadt.

In anderen Städten, die größer sind, ist die Community auch größer. Da hat man das Selbstbewusstsein und das Vertrauen, damit offener umzugehen. Der Mut dazu hat bisher in Bremerhaven noch gefehlt.

Sebastian steht neben Marcelo in der Bremerhavener Innenstadt.
Sebastian, Marcelos Freund

Safe Space: Schutzraum vor Diskriminierung

Weil es an sicheren Orten, sogenannten "Safe Spaces" fehlt, gründet Marcelo, zusammen mit anderen, die queere Jugendgruppe Prism. Seit der Gründung ist so im Bremerhavener Haus der Jugend eine Anlaufstelle für Jugendliche entstanden, die Fragen zu ihrer Sexualität und Identität haben.

Hier haben wir unseren Raum für uns selber, hier können wir reden, hier haben wir niemanden, der uns beschimpft, der uns beleidigt … Und hier kann man dem allem aus dem Weg gehen.

Sam, Mitglied von Prism, steht vor einer Wand und schaut in die Kamera.
Sam, Mitglied von Prism
Marcelo sitzt mit einer Freundin im Freiluftcafé in Bremerhaven.
Sicher fühlt sich Marcelo nur an wenigen Orten in Bremerhaven. Bild: Radio Bremen | Radio Bremen

Neben Prism ist für Marcelo das Freiluftcafé "das Beet" ein öffentlicher Safe Space. Das würde vor allem an der offenen Art der Besucherinnen und Besucher des Cafés liegen. "Die Atmosphäre ist immer gechillt, relaxed. Man fühlt sich hier einfach akzeptiert und man fühlt sich hier wohl."

Marcelo wünscht sich mehr queerfreundliche Orte in Bremerhaven, an denen niemand Blicke oder dumme Sprüche fürchten muss. An denen alle sein können, wie sie sind. Ein Ziel, das eigentlich doch ganz selbstverständlich sein sollte.

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Autorin

  • Julia Köhn Musik

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. August 2021, 19:30 Uhr