Geiselnahme-Prozess: Polizeischutz im Gerichtssaal

  • Die mutmaßlichen Täter sollen einen Mann tagelang gefangen gehalten haben
  • Opfer wurde brutal geschlagen
  • Mutmaßliche Entführer wollten offenbar Hintergründe über einen Überfall erfahren

Vor dem Landgericht Bremen müssen sich seit heute Morgen fünf Angeklagte unter anderem wegen gemeinschaftlicher Geiselnahme verantworten. Sie sollen einen Mann mehrere Tage lang festgehalten und misshandelt haben, um Informationen zu einem Überfall von ihm zu bekommen.

Laut Staatsanwaltschaft haben die mutmaßlichen Täter den Mann im April 2016 gefesselt, mit einer Pistole bedroht und schwer misshandelt. "Unter anderem soll ein gläsener Aschenbecher auf seinem Kopf zerschlagen worden sein. Sie sollen den Geschädigten mit Faustschlägen traktiert haben", sagt Gerichtssprecher Gunnar Isenberg gegenüber Radio Bremen. Auch sollen sie ihr Opfer mehrfach gezwungen haben, sich hinzuknien und ihm die Schusswaffe an den Kopf gehalten haben.

Zum Teestuben-Überfall laufen gesonderte Ermittlungen

Später sollen die fünf Männer im Alter von 30 bis 42 Jahren ihr Opfer in eine Parzelle gesperrt und dort auf einen Stuhl gefesselt und ihm die Augen verbunden haben. Sie wollten von ihm offenbar etwas über die Hintergründe eines Überfalls auf eine Teestube im Bremer Ortsteil Kirchhuchting erfahren. Zu dem Überfall auf die Teestube laufen seperate Ermittlungen. Bisher sind kaum gesicherte Einzelheiten bekannt.

In seinem Gefängnis soll das Opfer mehr als zwei Tage ohne Essen und Trinken ausgeharrt haben. Erst dann sollen die mutmaßlichen Entführer ihr Opfer mitten in der Nacht wieder freigelassen haben — mit der Drohung, ihn umzubringen und seine Tochter zu vergewaltigen, sollte er zur Polizei gehen. Den Angeklagten drohen mindestens fünf Jahre Haft.

Zum Prozessauftakt war der Gerichtssaal wegen möglicher Revanche-Taten stark gesichert, ein Dutzend maskierte und bewaffnete Polizisten bewachte die Angeklagten und die Zuhörer im Saal. Für den bis Ende des Jahres terminierten Prozess sind 40 Verhandlungstage angesetzt.

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 12. April 2018, 8 Uhr

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