Bei diesen Einsätzen müssen Bremer Polizisten jetzt Masken tragen

Auch Bremer Polizisten müssen nun teilweise einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Doch es kann Situationen geben, in denen das nicht praktikabel sein könnte.

Ein Polizist mit Gesichtsmaske steht vor dem Rathaus in Dresden.
Seit heute müssen auch Bremer Polizisten bei einigen Einsätzen einen Mundschutz tragen. (Symbolbild) Bild: Imago | Max Stein

Nicht nur private Bürger müssen in Bremen jetzt in bestimmten Situationen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Auch Polizisten sind nun dazu verpflichtet, bei einigen Einsätzen Schutzmasken zu tragen.

Nach Angaben des Innenressorts müssen Polizisten im Außendienst jederzeit einen Mund-Nasen-Schutz mitführen. Bei Einsätzen in Risikolagen wie beim Kontakt mit Corona-Infizierten, in Altersheimen oder Krankenhäusern sei das Tragen von FFP2-Masken und eventuell weiterer Schutzausrüstung verpflichtend. Und bei Kontakt mit Bürgern sei ebenfalls das Anlegen eines Mundschutzes "grundsätzlich verpflichtend".

In Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes grundsätzlich verpflichtend, insbesondere wenn der Mindestabstand von 1,50 bis 2 Metern nicht eingehalten werden kann.

Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin der Innenbehörde
Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Bremer Innenressorts

Ausnahmen sind erlaubt

Die Gewerkschaft der Polizei Bremen sieht die Anweisungen als sinnvoll an, weil die Möglichkeit von Ausnahmen besteht. "Sie werden von uns nicht kritisiert, da sie einen Spielraum im Einzelfall zulassen", teilt der Landesvorsitzende Lüder Fasche auf Nachfrage mit. Das bestätigt die Sprecherin des Innenressorts, Rose Gerdts-Schiffler: Es könne Situationen geben, in denen die Einsatzkräfte vielleicht auf den Mundschutz verzichten müssten.

Dass bei Einsätzen in Krankenhäusern oder Seniorenheimen eine Maske aufzusetzen sei, ist für die Gewerkschaft selbstverständlich. Doch im Alltag der Einsatzkräfte gebe es Lagen, in denen die Maske zum Hindernis werden könnte. Beispielsweise bei Verfolgungen: Der Mundschutz könnte beim Laufen das Atmen erschweren. Oder im Umgang mit erschrockenen Kindern. Teilweise könne ebenfalls die Zeit bei Notfällen nicht ausreichend sein, um sie aufzusetzen, so Gerdts-Schiffler.

Die Frage ist, ob das Tragen in allen Situationen haltbar ist. Die Aufgabenstellung der Polizei ist so vielfältig, dass die Polizisten auch selbst entscheiden müssen.

Gewerkschafter der Polizei Lüder Fasche.
Lüder Fasche, Landesvorsitzender der Bremer Gewerkschaft der Polizei

Mundschutz nicht die einzige Maßnahme

Zusätzlich sind für Polizisten schon seit einigen Wochen weitere Corona-Maßnahmen getroffen worden, wie die Polizei Bremen mitteilt. Dazu zählen das Tragen von Einmalhandschuhen im Bürgerkontakt und eine "erweiterte Basishygiene".

Beim Umgang mit Betroffenen einer Infektion beziehungsweise einem Verdacht werden weitere Hygienemaßnahmen durch die Einsatzkräfte getroffen. Zur Anwendung kommen dann unter anderem sogenannte Infektionsschutz-Sets, die sich auf den Streifenwagen befinden.

Nils Matthiesen
Nils Matthiesen, Sprecher der Polizei Bremen

Zudem würden alle Festgenommenen bei Verdacht auf Covid-19 mit speziellen Fahrzeugen transportiert.

Tragen eigener Masken soll erlaubt sein

Laut internen Vorlagen, die buten un binnen vorliegen, sollte die Polizei Bremen über rund 9000 Mund-Nasen-Schutzmasken sowie 800 FFP2-Schutzmasken verfügen. Das Tragen von eigenen Masken soll ebenfalls erlaubt sein, sofern diese einem angemessenen Erscheinungsbild der Polizisten entsprechen.

Dazu sagt die Bremer Polizei: "Es ist richtig, dass die Polizei Bremen derzeit über ausreichend Mund-Nasen-Schutzmasken und FFP-2 Schutzmasken verfügt. Das Tragen eigener Masken ist auch gestattet, sofern diese dem angemessenen Erscheinungsbild der Polizei entsprechen - ohne Motiv, einfarbig- und mit gedeckten Farben."

Ordnungsdienst-Mitarbeiter mit Corona infiziert

Nicht nur Polizisten sind derzeit einer erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Für Mitarbeiter des Ordnungsdienstes gelten ebenfalls verschärfte Hygienevorschriften, wie das Innenressort mitteilt.

Es gibt beispielsweise nur noch feste Teams; die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel bei sich und tragen in Kontakt mit Kundinnen und Kunden in geschlossenen Räumen (beispielsweise in Geschäften) Mundschutz.

Karen Stroik, Sprecherin des Bremer Innenressorts

Vor allem in den Dienstfahrzeugen gelten demnach strikte Vorgaben: Die maximale Verweildauer soll 15 Minuten betragen, zudem sollen Gespräche wenn möglich vermieden werden. In normalen Dienstwagen dürfen nicht mehr als zwei Menschen sitzen.

Anfang April haben sich zwei Mitarbeiter im Innendienst mit Corona infiziert, wie das Innenressort mitteilt. Daraufhin seien alle Mitarbeiter vorsorglich aus dem Dienst genommen und getestet worden. Für zwei Mitarbeiter im Außendienst sind die Tests ebenfalls positiv ausgefallen. In der Zeit hätte der Ordnungsdienst personelle Verstärkung aus anderen Bereichen erhalten, zum Beispiel von der Polizei. "Mittlerweile sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Ausnahme einer positiv getesteten Person sukzessive wieder in den Dienst eingeführt worden", sagt Innenressort-Sprecherin Karen Stroik.

Gewerkschaft fordert Schutz auch für Mitarbeiter in Ämtern

Ein erhöhtes Risiko sei für Sicherheitskräfte im Einsatz nicht vermeidbar, sagt Fasche. "Der Körperkontakt ist in einigen Situationen einfach da." Die Gewerkschaft plädiert ebenfalls für einen angemessenen Schutz von Mitarbeitern im Bürodienst. "Wieso ist das Tragen eines Mundschutzes in Geschäften verpflichtend, aber nicht bei den Behörden?", fragt der Vorsitzende.

Wir erwarten ausreichende Schutzmaßnahmen auch für Mitarbeiter in den Ämtern. Zum Beispiel Plexiglas und eine Termintaktung, die das Einhalten der Abstände ermöglicht.

Gewerkschafter der Polizei Lüder Fasche.
Lüder Fasche, Landesvorsitzender der Bremer Gewerkschaft der Polizei

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. April 2020, 19:30 Uhr