Intensivstation am Klinikum Links der Weser am Limit

  • NDR-Recherche: Intensivstationen können vorhandene Betten oft nicht belegen
  • Ein Grund für die Engpässe soll Personalmangel sein
  • Klinikum Links der Weser soll besonders betroffen sein
Eine Krankenschwester betreut auf einer Intesivstation eine Patientin
Bremer Krankenhäuser sollen besonders von dem Problem betroffen sein. (Symbolbild) Bild: Imago | Photothek/Inga Kjer

Der Mangel an Pflegepersonal auf Intensivstationen soll in Bremer Kliniken mittlerweile erhebliche Auswirkungen haben. Das geht aus Recherchen des NDR hervor. Das Magazin "Panorama 3" berichtet, dass viele vorhandene Betten auch wegen des Personalmangels nicht belegt werden können. Zwar hätten Kliniken im gesamten norddeutschen Raum dieses Problem – Krankenhäuser in Bremen und Niedersachsen seien aber besonders betroffen. So habe das Bremer Klinikum Links der Weser eine besonders hohe Abmeldequote.

Das Team von "Panorama 3" hat die Kommunikation zwischen Rettungsleitstellen und Kliniken ausgewertet. Krankenhäuser, die keine Patienten mehr aufnehmen können, melden sich über das Onlinesystem Ivena ab, damit die Leitstellen wissen, wohin sie Notfallpatienten bringen können – und wo keine Betten frei sind. "Panorama 3" wertete zwischen dem 9. November und dem 3. Dezember die Ivena-Daten von 74 Kliniken mit Intensivstationen in Bremen und Niedersachsen aus.

Laut der Auswertung lag die Abmeldequote bei den Intensivkapazitäten in der Stadt Bremen bei knapp 50 Prozent. Das Klinikum Links der Weser habe seine Kapazität sogar zu 98 Prozent abgemeldet – also fast die ganze Zeit. Das Klinikum bestätigte laut "Panorama 3" den Personalmangel als eine Ursache. Ein weiterer Grund sei auch, dass das Krankenhaus Patienten aus dem ländlichen Umland mitversorgen müsse.

Wie stark sich der Personalmangel auswirkt, ist umstritten

Die Sprecherin des zuständigen Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno), Karen Matiszick, teilte auf Nachfrage von buten un binnen mit, dass Notaufnahmen oder Intensivstationen eines Krankenhauses nicht "grundsätzlich abgemeldet oder gar geschlossen" würden, "wenn sie im Ivena-System auf 'rot' stehen". Die betroffenen Krankenhäuser würden weiterhin Patienten aufnehmen. Die Kennzeichnung in Ivena verdeutliche lediglich eine erhöhte Auslastungssituation. Wie viele Betten in dem untersuchten Zeitraum aber wegen des Personalmangels nicht verfügbar waren und wie viele tatsächlich belegt waren, konnte Matiszick zunächst nicht sagen.

Grundsätzlich sei die Auslastung in den Geno-Krankenhäusern auch daher sehr hoch, weil dort auch viele Patienten aus dem niedersächsischen Umland versorgt würden. Der Personalmangel – in allen Krankenhäusern – spiele dabei eine große Rolle. Zum Personalmangel im Klinikum Links der Weser sagte Matiszick, dass derzeit "ungefähr zehn" Pflegestellen von insgesamt 430 unbesetzt seien. Um neue Fachkräfte zu finden, werde die Geno ihre Akquise im nächsten Jahr weiter verstärken.

Intensivstationen brauchen speziell ausgebildetes Personal

Der Verdi-Gewerkschaftssekretär Jörn Bracker erklärte auf Nachfrage: "Dass Bremer Krankenhäuser Betten auf Intensivstationen nicht belegen können, hängt definitiv und nahezu ausschließlich mit dem Personalmangel an den Krankenhäusern zusammen." Gerade auf den Intensivstationen brauche es speziell ausgebildetes Personal. "Hier Vertretungen – etwa für Krankheitsausfälle – zu organisieren, ist noch schwieriger als auf 'normalen' Stationen." Brackers Angaben zufolge fehlen in Bremer Krankenhäusern insgesamt 700 Pflegekräfte.

Das Bremer Gesundheitsressort beruhigt: Notfälle würden in jedem Fall versorgt, teilte eine Sprecherin mit. Nach Angaben des Bremer Rettungsdienstes kommt zum chronischen Personalmangel ein weiteres Problem hinzu: Viele Patienten kennen die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 nicht. Stattdessen werde auch in weniger dringenden Fällen häufig der Notruf 112 gewählt.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 11. Dezember 2018, 10 Uhr