Gar nichts paletti: Warum in Bremen Paletten knapp werden

Wegen des Wirtschaftsbooms und den hohen Exportzahlen sind Paletten aus Holz heiß begehrt. Auch in Bremen ist die Nachfrage so hoch, dass Hersteller kaum mit der Produktion nachkommen. Das hat unter anderem auch mit dem Klima zu tun.

Gestapelte Euro-Paletten
Wer Waren transportieren will, braucht Paletten. Werden sie knapp, kann das auch einen Exportstau bedeuten. Bild: DPA | Nicolas Armer

Es ist ein seltenes Phänomen: Etwas, das im Handel stets selbstverständlich war, kein besonders begehrtes Gut, um das man sich Gedanken machte, ist plötzlich knapp: Paletten. Das klingt banal, stellt aber viele deutsche Unternehmen vor erhebliche Probleme. Denn sie exportieren derzeit besonders viele Waren. Und für den Transport sind die zusammengebauten Holzplanken unerlässlich.

Die Gründe für die Knappheit benannte Jan Kurth, Geschäftsführer des Bundesverbands Holzpackmittel, Paletten und Exportverpackungen, jetzt in der "Welt am Sonntag": Eine stark gestiegene Nachfrage aus Ländern wie Frankreich oder Italien und jetzt auch China. Denn die Chinesen hätten den heimischen Wäldern kurzerhand eine Schonkur verordnet. Doch gleichzeitig komme das Holz aus den baltischen Ländern nicht nach: Dort sei es schlicht zu warm und feucht für die schweren Erntemaschinen, die auf dem Matsch abrutschten.

Warum werden Holzpaletten in Bremen knapp?
Bremer Palettenhändler haben derzeit das gleiche Problem wie ihre Kollegen bundesweit. Die Kunden wollen mehr Paletten kaufen als zuvor, doch sie können zuweilen nicht mehr liefern. Nina Monsig, Geschäftsführerin des Bremer Paletten-Kontors, führt das auf den boomenden Export zurück. "Die Palettenproduzenten kommen nicht hinter der Nachfrage her", sagt sie. Diese Einschätzung teilt auch Johannes Becker, Geschäftsführer der Europal Bremen GmbH. "Wir beziehen viel Holz aus Osteuropa, doch auch dort wächst die Wirtschaft und die Preise steigen", sagt Becker. Höhere Preise bekommen die Händler schon seit Ende des vergangenen Jahres zu spüren. Die Nachfrage sei dennoch ungebrochen.
Welche Folgen hat der Engpass?
Für die Palettenhändler bedeutet er erst mal gute Geschäfte, aber auch großen Druck. Denn die Kunden erwarten, dass ihre Ware pünktlich ausgeliefert wird. "Normalerweise helfen sich die Händler untereinander auch mit Palettenkäufen, wenn es mal nötig wird", sagt Monsig. "Das ist im Moment überhaupt nicht möglich. Auch auf dem Hof von Johannes Beckers Unternehmen sind sämtliche gestapelten Paletten bereits verkauft. "Normalerweise liefern wir innerhalb von einer Woche. Im Moment dauert es aber ungefähr zwei bis drei Wochen", sagt Becker.

Für die Unternehmen, die die Paletten brauchen, bedeutet der Engpass auch höhere Kosten. Denn der Preis für eine Palette betrage mittlerweile statt der üblichen fünf Euro schon sechs bis sieben Euro, sagt Palettenhändler Becker. Nina Monsig befürchtet, dass sich diese Teuerung auf die Dauer auch für die Verbraucher bemerkbar machen wird. Nämlich dann, wenn Produkte wie zum Beispiel Lebensmittel wegen der erhöhten Transportkosten teurer werden.
Wie reagieren Paletten-Großhändler auf die Situation?
Sowohl Becker als auch Monsig gehen davon aus, dass die Situation noch einige Monate anhalten kann. Gerade vor dem Ostergeschäft werde sich nicht viel ändern, schätzt Becker. Er rechnet mit einem Umschlagsplus von 15 bis 20 Prozent für das laufende Jahr. "Die Nachfrage ist der Wahnsinn." Bisher habe man jeden Auftrag bewältigen können, doch die Situation sei sehr angespannt.

Als "herausfordernd" empfindet auch Nina Monsig die Situation. Zwar hätten die Palettenhändler derzeit Oberwasser und über Preise wolle kaum jemand streiten, doch: "Die Produzenten kommen bei der Nachfrage nicht hinterher und das ist keine schöne Situation." Derzeit gilt in vielen Betrieben: Stammkunden werden beliefert; wenn das Kontingent erschöpft ist, gehen Neukunden auch mal leer aus oder müssen sich gedulden.
  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 17. Januar 2018, 9:20 Uhr