Tante Emma lebt: Otterstedts Dorfladen soll bleiben

Dorfladen statt Supermarkt: So kauft man in Otterstedt ein. Doch jetzt gehen die Inhaber in Ruhestand. So wollen die Otterstedter ihren Laden retten.

Zwei Frauen stehen an der Kasse eines Dorfladens.

Ob Brot, Wolle, Wurst, Schnürsenkel oder Geschenkpapier: Bei Ehepaar Bergstedt findet man fast alles. Der Grund dafür: Der Handel in Otterstedt ist ansonsten verebbt. Kein Bäcker mehr wie früher, kein Schlachter. Und an Supermarkt oder Discounter ist nicht zu denken. Um die Lücke in der Nahversorgung zu schließen, betreiben Monika und Heino Bergstedt ihren Gemischtwarenladen.

Kundin Veronika Lund hält den Laden besonders für die Otterstedter Dorfgemeinschaft für wichtig: "Man muss nicht riesige Wege durch irgendeinen Supermarkt gehen. Man ist verbunden mit den Menschen hier. Und das ist einfach eine ganz wichtige Sache." Vor allem für die ältere Generation der Dorfbewohner ist der Laden wichtig. So sieht das auch Adolf Funke, ein weiterer Kunde: "Für uns ältere Leute ist es doch angebracht, dass wir hier noch einkaufen können."

Dorfbewohner wollen Laden erhalten

Ein Dorfladen mit braunen Markisen mit dem Aufdruck G. Bergstedt
Der Dorfladen versorgt die Otterstedter mit Waren des täglichen Bedarfs.

In der Vergangenheit hat das Konzept gut funktioniert, doch jetzt wollen die Bergstedts in den Ruhestand gehen. Immerhin ist Heino Bergstedt 84 Jahre alt. Sein Laden ist schon seit 135 Jahren in Privatbesitz. Und soll weiterbestehen – da sind sich die Otterstedter einig. Deshalb haben sie jetzt eine Genossenschaft gegründet, die den Laden übernehmen soll.

75.000 Euro müssen die Genossenschaftsmitglieder aufbringen, damit das Land Niedersachsen das Projekt fördert. Bis zu 200.000 Euro kann das zusätzlich geben. Um die hundert Interessenten für Genossenschaftsanteile gibt es schon. Mit einem Mindesteinsatz von 250 Euro wird man stiller Teilhaber. Eine Machbarkeitsstudie hat ergeben: Wenn jeder im Einzugsbereich des Ladens im Schnitt für 4,60 Euro in der Woche dort einkauft, rechnet sich das Projekt bereits.

Aus alt mach neu

Fotos und Grußkarten von alten Gebäuden
Heino Bergstedt schwelgt gern in Erinnerungen – der Dorfladen ist seit 135 in Privatbesitz.

Mit der Übernahme soll es auch einige Veränderungen geben. "Wir haben Änderungen vor. Dass wir zum Beispiel eine Frischetheke anbieten und ein kleines Cafe integrieren wollen", erklärt Heike Drengemann von der Genossenschaft. Das bedeutet für sie aber nicht, das alte Konzept über Bord zu werfen. "Manche Sachen müssen wir erhalten. Wir wollen das jetzt nicht komplett über Kopf schmeißen, sondern wollen diesen alten Laden mit einigen Neuerungen fortführen."

Die Genossenschafts-Gründer haben bald genug Geld zusammengelegt. Dann steht der Übergabe Ende nächsten Jahres nichts mehr im Wege.

Autor

  • Holger Baars

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. August 2019, 19:30 Uhr