Interview

So soll der Bremer Domshof im Sommer belebt werden

Video vom 14. Juni 2021
Gebäude des Open Space auf dem Domshof
Gebäude des Open Space auf dem Domshof Bild: Radio Bremen | Kristian Klooss
Bild: Radio Bremen | Kristian Klooss
Herr Omerovic, am Samstagabend eröffnet der Open Space auf dem Domshof. Für den Aufbau hatten Sie keine zwei Wochen Zeit. Ist pünktlich zur Eröffnung alles fertig?
(Er lacht) Das können Sie mich direkt vor Beginn der Veranstaltung fragen. Eventuell sind wir an der einen oder anderen Stelle etwas kreativ, aber es sieht eigentlich gut aus.
Inzidenzzahlen, Hygienekonzept: Welche Rolle hat das bei den Vorbereitungen gespielt?
Das war eine riesige Belastung. Es ging ja in den Planungen auch immer darum, ob es überhaupt stattfinden kann. Am Ende ist das unter solchen Bedingungen eine doppelte und dreifache Arbeit. Dennoch ist die Freude groß, dass wir es jetzt so umsetzen können. Dass wir als Hochschule für Künste im Gesamtkontext des Aktionsprogramms Innenstadt anfangen, den Menschen das zu geben, was die tatsächlich auch brauchen. Und das ist nicht nur Arbeit und Stress, das sind die schönen Seiten des Lebens – Ausstellungen anschauen, Musik anhören, einfach mal in unserem schön gestalteten Bau abhängen.
Gab es Vorbilder für den Open Space?
Den Open Space gibt es ja eigentlich schon seit zwei Jahren, nur in einem viel kleineren Rahmen. Es gab eine kleine Bühne neben dem Neptunbrunnen unter den Bäumen. Dort wurden mittwochs und samstags Konzerte oder Theatervorstellungen aufgeführt. Es war so eine Art Speaker‘s Corner, wenn man so will. Es gab Platz für bis zu fünf Musiker oder Schauspieler. Jetzt haben wir natürlich ein Riesengebäude auf dem Domshof, das so vielfältig ist, dass man es als neues Projekt sehen kann.
Was bietet das Gebäude denn?
Die Bühne, die wir in den vergangenen zwei Jahren hatten, die hat sich so ein bisschen eingefügt. Der Bau, den wir jetzt haben, greift hingegen mit dem Wochenmarkt ineinander. Im Erdgeschoss haben wir zum Beispiel die Möglichkeit, auf 140 Quadratmetern Ausstellungen zu zeigen. Leute, die den Wochenmarkt besuchen, werden davon direkt angesprochen. Dann haben wir eine Bühne, von der aus Mittagskonzerte stattfinden. Im ersten Stock haben wir einen Vortrags- und Leseraum. Und dann gibt es noch eine Dachterrassen-Bar, die wir gemeinsam mit der Markthalle 8 betreiben. Das ist tatsächlich um ein Vielfaches anspruchsvoller und intensiver als in den letzten beiden Jahren.
Amir Omerovic
Der Bildhauer Amir Omerovic ist Projektleiter des Open Space Domshof. Bild: Amir Omerovic | Amir Omerovic
Hängen Sie so auch vom Wochenmarktpublikum ab?
Unser Ziel ist, auch dann für Leben auf dem Domshof zu sorgen, wenn der Wochenmarkt weg ist. Denn bislang findet ja sonst nicht viel statt. Im Sommer traut sich bislang kaum ein Mensch auf den Domshof, weil es zu heiß ist. Dem wollen wir entgegenwirken.
Wieviele Künstlerinnen, Musiker und Schauspieler sind eigentlich an dem Projekt beteiligt?
Im Grunde ist es die Hochschule für Künste in ihrer Gesamtheit mit mehr als 1.000 Studenten. Dazu kommen noch viele verschiedene Bremer Institutionen.
Welche zum Beispiel?
Zum Beispiel die Bremer Shakespeare Company, die ihr Stück "Brot und Spiele" über Kampf- und Wortkunst vorstellt, oder das Literaturfestival "Globale". Wir werden auch eine Ausstellung von "Smell it" der Bremer Museen im Programm haben. Und bei den "Bremer Fashion Days" sind wir ebenfalls dabei. Darüber hinaus haben wir auch Kooperationen mit Startups, der Uni Bremen und dem Alfred-Wegener-Institut.
Was planen Sie mit dem AWI?
Mit dem Alfred-Wegener-Institut und dem deutschen Schifffahrtsmuseum organisieren wir ein Projekt, das heißt: die UN-Dekade der Meere und Ozeane. Dabei geht es um die Belastung der Meere und was damit zusammenhängt. Vor Ort wird es multimediale Präsentationen geben. Es werden auch die Arbeiten von Esther Horvath gezeigt, die für ihre Bilder von der Mosaic-Expedition den World Press Photo Award erhalten hat.
Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie?
Welche Zahlen wir erreichen, können wir wegen der Pandemie noch nicht genau sagen. Bei Einhaltung aller Hygienemaßnahmen können sich, je nach Veranstaltung, bis zu 350 Menschen im und um den Open Space versammeln.
Wann wäre der Open Space denn aus Ihrer Sicht ein Erfolg?
Viele kulturelle Veranstaltungen haben ja seit Beginn der Pandemie nicht stattgefunden. Wenn wir es schaffen, den Sommer über ein Stück weit das auszugleichen, was uns seit Ausbruch der Pandemie gefehlt hat, wäre das ein Erfolg. Und das ist auch unser Anspruch. Nicht zuletzt muss man auch mal die Studenten, Musikerinnen, Künstler und Designerinnen sehen. Sie arbeiten ja weiter wie verrückt. Nur haben seit bald zwei Jahren keine Möglichkeit gehabt, das Erprobte, das Erlernte zu zeigen.

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Juni 2021, 19:30 Uhr