Hochschulen im "Notbetrieb": Das sind die Folgen für die Studierenden

Die Corona-Krise trifft Bremens Hochschulen hart: Prüfungen werden ausgesetzt, Studierende müssen sich auf ein reines Online-Sommersemester einstellen.

Zwei junge Männer studieren zuhause (Symbolbild)
Wohnung statt Hörsaal: Studieren geht aktuell nur von zu Hause, Bild: DPA | Panthermedia/R. Phovoi

Geschlossene Hörsäle, kaum Prüfungen, keine Seminare. Stattdessen: Lernen via Internet. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sind Bremens Hochschulen in den Notbetrieb übergegangen. Die Universität Bremen, die Hochschule Bremen, die Hochschule für Künste sowie die Hochschule Bremerhaven fahren dieser Tage den Vor-Ort-Betrieb bis mindestens zum 19. April "auf das absolut notwendige Minimum" herunter. Das teilt die Senatorin für Wissenschaft und Häfen, Claudia Schilling (SPD), nach Rücksprache mit den Rektoraten mit.

Neben dem Lehr- wird auch der Forschungsbetrieb in den Gebäuden der Hochschulen vorerst eingestellt, beziehungsweise "nur in begründeten Einzelfällen" fortgeführt, so Schilling. Die Senatorin betont, dass Bremen "im Einklang mit anderen Bundesländern" handele, "die ebenfalls den Präsenzbetrieb an den Hochschulen auf ein Minimum reduziert haben."

Verschlossene Türen

Konkret bedeutet das: Die Hochschulen im Land Bremen schließen im Laufe dieser Woche nach und nach alle Gebäude. Sie dürfen nur noch von Personen betreten werden, die "dringend notwendige Arbeiten verrichten". Im Übrigen wollen die Lehranstalten den Dienstbetrieb aus dem Homeoffice und mithilfe digitaler Lehrangebote aufrechterhalten.

Und das eventuell über etliche Monate. Thomas Hoffmeister, Konrektor für Lehre und Studium der Universität Bremen, glaubt gar an ein "komplettes Online-Sommersemester, ohne Studierende auf dem Campus."

Entsprechend bereite man sich an der Uni Bremen intensiv darauf vor, neue Online-Lehrangebote zu entwickeln. Dabei wolle man auch darauf achten, dass den Studenten keine allzu hohen Internet-Kapazitäten abverlangt würden. "Es darf nicht dabei herauskommen, dass die Studierenden für viel Geld digital aufrüsten müssen", erklärt Hoffmeister.

Vorerst keine mündlichen Prüfungen

Schon jetzt sei die Uni dazu übergegangen, kleinere Prüfungen über Online-Verfahren abzunehmen. Die übrigen Hochschulen im Land Bremen halten es ähnlich. Denn "nur noch in begründeten Einzelfällen", teilt Senatorin Schilling mit, dürften Prüfungen als "Präsenzprüfungen abgehalten werden." Daher haben die Hochschulen sämtliche mündlichen Prüfungen bis zum 20. April abgesagt. Auch viele Abgabetermine für Hausarbeiten haben sie nach hinten verlegt.

So hat die Uni Bremen die Frist für die Abgabe von Bachelor- oder Masterarbeiten pauschal um zwei Monate verlängert. "Und natürlich werden wir nachlegen, wenn das nach dem 20. April so weiter geht wie jetzt gerade", sagt Konrektor Hoffmeister dazu. Schließlich handele es sich bei der Corona-Krise um eine Naturkatastrophe, an der die Studierenden keine Schuld treffe.

Härtefälle unter den Studierenden

Könnten viele Studierende ihr Studium von zu Hause aus ganz gut mithilfe bereits bestehender Internet-Angebote der Hochschulen fortsetzen oder gar zu Ende führen, so gebe es auch Härtefälle, räumt Hoffmeister ein. "Wer eine experimentelle Abschlussarbeit absolvieren möchte und dafür ins Labor müsste, der kann seine Arbeit natürlich momentan nicht fortsetzen", sagt er.

Auch gebe es Studierende verschiedener Geisteswissenschaften, die gerade große Probleme hätten, weil sie auf die gedruckten Bücher in der – geschlossenen – Bibliothek angewiesen seien. Hinzu komme eine Reihe von Lehramtsstudenten, die für ihre Abschlussarbeiten empirische Daten an Schulen erhöben. "So lang die Schulen geschlossen sind, geht das natürlich nicht", so Hoffmeister. Schließlich sei da auch noch eine Reihe von Studierenden, die ihre Abschlüsse in Unternehmen schrieben, welche nun geschlossen seien. Auch sie müssten sich derzeit in Geduld üben.

Für alle Prüfungsleistungen, die aufgrund der Corona-Pandemie nicht erbracht werden konnten oder können, wird die Semesterzählung ausgesetzt.

Eilentscheid des Rektors der Universität Bremen vom 23. März

Justizprüfungsamt plant mündliche Prüfungen ab Ende Mai

Noch nicht ganz klar ist, wie es für jene Bremer Jura-Studenten weitergehen wird, die im Frühjahr ein Staatsexamen ablegen wollen. Bremens Justizzentrum Am Wall ist wegen der Corona-Pandemie derzeit nur eingeschränkt geöffnet. Das Justizprüfungsamt plant mündliche Prüfungen derzeit ab Ende Mai. Je nach Entwicklung der Corona-Pandemie könnten sich hier aber Änderungen ergeben, teilt das Amt mit.

Sozialfonds für Studierende der Hochschule für Künste

Besonders hart trifft die Corona-Krise Studierende der Hochschule für Künste. HfK-Rektor Roland Lambrette und HfK-Kanzlerin Antje Stephan schreiben in einer Mitteilung von "existenziellen Problemen" einiger Studierender: "Prüfungen müssen verschoben werden, Existenzgrundlagen brechen durch den Wegfall von Konzerten, Ausstellungen und anderen Nebenjobs insbesondere in der Gastronomie weg." Die HfK hat daher einen Sozialfonds für diese Studierenden eingerichtet.

Sonderfall Jacobs University Bremen

Gelten an den staatlichen Bremer Hochschulen weitgehend einheitliche Regelungen im Umgang mit der Corona-Krise, so nimmt die private Jacobs University Bremen in Grohn eine Sonderstellung ein. Auch deshalb, weil dort das Sommersemester bereits im Februar begonnen hat. Hinzu kommt, dass über 1.000 der rund 1.500 Studierenden der Jacobs University auf dem Campus-Gelände wohnen. Und zwar "mit allem, was zu einem zu Hause dazugehört", wie Heiko Lammers, Sprecher der Universität mitteilt: "Schlafen, Essen und Trinken, Sport, Kultur und der Kontakt zu Freunden und Mitstudierenden."

Vor diesem Hintergrund stelle die Verpflegung der Studierenden derzeit die "größte Herausforderung" dar. Weil die Studierenden in ihren Appartements keine Küchen hätten, würden sie üblicherweise morgens, mittags und abends in den vier Mensen der Jacobs University versorgt. So auch dieser Tage, allerdings unter anderen Sicherheitsvorkehrungen.

Um den gleichzeitigen Andrang vieler Studierender vorzubeugen, hätten die Mensen jetzt länger offen. Auch dürften nicht mehr fünf, sondern nur noch maximal zwei Studierende gemeinsam an einem Tisch sitzen. Die Speisen würden nicht persönlich übergeben und seien zum Großteil abgepackt, die Getränke ebenso. Sogar das Besteck.

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Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 25. März 2020, 23:30 Uhr