Wie sich die Bremer Böttcherstraße durch Corona verändert hat

Bremens bedrohtes Juwel – die Böttcherstraße

Video vom 4. Juni 2021
Böttcherstraße in Bremen mit dem Haus Atlantis und dem Robinson Crusoe Haus
Bild: Imago | Schöning
Bild: Radio Bremen | Heike Kirchner

Die Straße gilt wie der Schnoor als Juwel. Doch die Pandemie hinterlässt auch hier Spuren. Die "nordstory" hat die Menschen in der Böttcherstraße ein Jahr lang begleitet.

"Da könnte man eigentlich Eintritt nehmen am Anfang der Straße, so schön ist sie." Was ein Tourist ausspricht, denken auch viele Einheimische über Bremens Böttcherstraße. Sie ist ein Juwel. Mit ihren individuellen Geschäften und wunderschönen Backstein-Fassaden, mit Museen, Kunst, wohin man schaut, und origineller Gastronomie zieht sie Besucher aus aller Welt an.

Die Kunden bleiben aus

Doch nur einen Steinwurf entfernt in der Innenstadt schließen immer mehr Geschäfte und die Fußgängerzonen veröden. Die fehlenden Kunden machen auch der Böttcherstraße zu schaffen. Noch ist sie ein Gegenpol zum Einheitsbrei des City-Einzelhandels. Doch durch Corona geraten die Händler der Böttcherstraße unter Druck.

Kaffee-Laden in der Böttcherstraße
Der Kaffee-Laden Büchlers Beste Bohne in der Böttcherstraße. Bild: Radio Bremen | Heike Kirchner

 "Der Einzelhandel zerlegt sich ja gerade", sagt Kaffeeröster Martin Büchler, der hier ein Geschäft betreibt, "das betrifft nicht nur die Böttcherstraße, das betrifft ja die ganze Innenstadt. Wir probieren das erstmal durchzuhalten, aber wenn es gar nicht mehr geht, müssen wir natürlich die Reißleine ziehen."

Ein Gastronom traut sich dennoch

Marius Stolz wagt es trotzdem. Der junge Unternehmer zieht ausgerechnet in der Coronazeit mit seiner Bar "Der blaue Fasan" in die Böttcherstraße um. Dabei ist schon die Top-Adresse Chance und Wagnis zugleich. "Wir ziehen in eine historische Straße, der Anspruch der Gäste kann durchaus höher sein an uns."

Das Glockenspiel in der Böttcherstraße über den Dächern.
Das Glockenspiel in der Böttcherstraße. Bild: Radio Bremen

Mehr als eine Million Besucher kommen jedes Jahr in die Böttcherstraße. Das Gesamtkunstwerk, das Kaffee-Mäzen Ludwig Roselius vor 100 Jahren in Auftrag gab, lockt mit Alfred Hoetgers expressionistischen Bauten, dem Lichtbringer und mystischem Himmelssaal. Und mit den Häusern vom Architektur-Duo Runge und Scotland, das von den heimatlichen Fassaden bis hin zum Geschirr alles aufeinander abgestimmt entwarf. Der beliebteste Anziehungspunkt in der Böttcherstraße aber ist das Glockenspiel. Die Glocken aus Meißner-Porzellan geben zu jeder vollen Stunde ein Konzert aus zehn Liedern.

Die Hoffnung bleibt bestehen

Doch mit Corona schwinden die Gäste. Wie kommt der einstige Touristenmagnet durch die Krise? Die nordstory begleitet die Menschen hinter den Kulissen der Böttcherstraße fast ein ganzes Jahr lang. Von Lockdown zu Lockdown. In Bremens heimlicher Hauptstraße arbeiten rund 120 Menschen. Vom Goldschmied über Bonbonmacherin, Museumsdirektor, Archivar bis hin zum Filmkomponisten. Gemeinsam leiden sie, gemeinsam hoffen sie.

Wir geben nicht auf. Wir haben nie aufgegeben. Das ist nicht unsere Natur. Wir schaffen das.

Maria Baum-Boushina

Baum-Boushina ist hoffnungsfroh, obwohl die Inhaberin der Kult-Kneipe Ständige Vertretung ihr Restaurant monatelang schließen muss. "Die Melodie des Glockenspiels baut mich auf. Solange sie zu hören ist, halten wir durch."

Die Böttcherstraße blickt nach vorne. Auf dass sie bald wieder voller Leben ist und viele Menschen bezaubert - mit ihrem Mix aus Architektur und Geschichte, aus Kultur, Kaufmannschaft und Kneipe.

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Anmerkung der Redaktion: Wir machen eigene Fehler transparent. In einer ersten Fassung des Artikels schrieben wir versehentlich statt "Die Straße gilt wie der Schnoor als Juwel" sondern "Die Straße im Bremer Schnoor gilt als Juwel". Wir bedanken uns für den Hinweis.

Autorin

  • Anke Kültür Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Juni 2021, 19:30 Uhr