Verdrängt die Gastronomie den Bremer Einzelhandel?

Honigdachs, Yamama, Zoom Burger – im Steintor haben viele Gastronomiebetriebe eröffnet. Oft sind sie in ehemaligen Geschäften untergebracht. Im Bauressort unterstützt man die Ansiedelung von "hochwertiger Gastronomie".

Ein Barista schüttet Kaffee in ein Glas mit Milch.
Im Steintor-Viertel haben in den vergangenen Monaten mehrere Gastronomiebetriebe eröffnet. Die Stadt fördert diesen Trend. Bild: Imago | Westend61

Unter hochwertiger Gastronomie versteht man Betriebe mit einer Vollküche und Sitzplätze für einen dauerhaften Aufenthalt, erklärt Jens Tittmann, Sprecher des Bremer Bauressorts. Auch Einzelhändler im Steintor dürften in ihren Geschäften Getränke ausschenken oder Tische nach draußen stellen.

Dadurch, dass wir versuchen, hochwertige Gastronomie dort anzusiedeln – was zunehmend auch gelingt – drängen wir 1-Euro-Shops und kleine Dönerbuden zurück. Als Ergebnis erreichen wir insgesamt eine höhere Qualität im Viertel, weniger Vermüllung und weniger Draußen-Kultur.

Jens Tittmann, Sprecher Bauressort

Einzelhändler in Sorge um Steintor

So wolle man ein besseres Miteinander im Viertel fördern, das schließlich auch ein Wohnviertel sei, erklärt der Sprecher. Dass mittlerweile viele Gastronomiebetriebe dicht an dicht nebeneinander liegen, sehen Einzelhändler allerdings kritisch.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Gastronomie-Anteil von mehr als 15 bis 20 Prozent dazu führt, dass der Einzelhandel zurückgedrängt wird und der Standort für den Kunden nicht mehr attraktiv ist. Das beobachten wir im Steintor, und es macht uns Sorgen.

Norbert Caesar, Vorsitzender Interessengemeinschaft "Das Viertel"

Kampf um die Kunden

Die engere Verbindung von Gastronomie und Einzelhandel sei bundesweit ein starker Trend, sagt Kai-Ole Hansen von der Arbeitnehmerkammer Bremen.

Es gibt so etwas wie eine Erlebnis-Kultur. Die Leute kommen nicht nur noch zum Einkaufen in die Stadt, sondern sie wollen auch etwas erleben.

Kai-Ole Hansen, Arbeitnehmerkammer Bremen

In der zunehmenden Konkurrenz mit dem Online-Handel entwickelt der Einzelhandel dank gastronomischer Betriebe also ein Alleinstellungsmerkmal. In der Innenstadt können die Kunden shoppen und anschließend noch schön etwas essen gehen oder einen Kaffee trinken. Diesen Erlebnisfaktor können Amazon, Zalando und all die anderen Internet-Händler eben nicht liefern. Hansen ist sich deshalb sicher: Die richtige Mischung zwischen Einzelhandel und Gastronomie ist entscheidend für den Erfolg beider Seiten.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. August 2017, 19:30 Uhr