Warum ein junges Paar kündigte und nun als Gemüsegärtner durchstartet

Das Projekt "Gemüsezeit" zweier DIY-Gärtner bei Bremerhaven bietet Nachhaltigkeit im Abo. Jobs in Hafen und Marketing wichen dem Gewächshaus – mit großem Erfolg.

Eine Frau und ein Mann stehen in einem Gewächshaus.
Sarah Stankus und Phillip Puckhaber zwischen Spinat und Tomaten. Mit "Gemüsezeit" haben beide ihr eigenes Gärtnerei-Projekt gestartet. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Eigenes Gemüse anbauen, ohne Gift, natürlich und nachhaltig – gärtnern auf dem Balkon oder im Garten liegt im Trend. Ein junges Paar aus Schiffdorf bei Bremerhaven geht seit letztem Jahr noch einen Schritt weiter: Sarah Stankus und Phillip Puckhaber bepflanzen ihre Gewächshäuser nicht mehr nur privat als Selbstversorger, sondern beliefern damit Menschen in der Umgebung. Die 29-Jährige und der 34-Jährige haben ihre Jobs an den Nagel gehängt und sind jetzt Vollzeit-Gemüsebauern. Unter dem Namen "Gemüsezeit" bieten sie sehr erfolgreich eine wöchentliche Bio-Gemüsekiste an, regional und saisonal. Durch das Abo-Modell wird das Projekt durch die Gemeinschaft getragen. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Nachfrage noch einmal gewachsen.

Gärtnerei als Bio-Gemüseanbaugebiet

Eine Frau und ein Mann stehen vor einem Gewächshaus.
Die Gärtnerei übernahm das junge Paar von den Großeltern eines Freundes. Hier wächst unter anderem Knoblauch. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

"Wir gehen jetzt einfach mit einer Drahthacke durch die Reihen, lockern damit ein bisschen den Boden und machen das Unkraut zwischen den Reihen weg." Sarah Stankus bereitet das Gewächshaus auf die bevorstehende Erntesaison vor. "So hat die Möhre wieder Luft zum atmen und wachsen", sagt die Selfmade-Gärtnerin. Und die Möhren machen sich schon ziemlich gut. Sie und ihr Freund pflanzen seit vergangenem Jahr in einer Gärtnerei Gemüse an. Spinat, Tomaten, Rüben, Zucchini und noch viel mehr.

"Es fing damit an, dass Sarah und ich als wir uns kennenlernten recht schnell das gemeinsame gärtnern oder auch das uns selbst versorgen entdeckt hatten", erinnert sich Phillip Puckhaber. "Wir fingen an, uns Hühner zuzulegen und Gemüse anzubauen, einfach weil wir Bock drauf hatten." Als die Großeltern eines Freundes verstarben, übernahm das Paar deren Gärtnerei. Beide wussten: Sie wollen das Gelände kaufen. Die einzige Frage war: Wie finanzieren? "Wir haben nur uns, und keine andere große Verantwortung – und dann haben wir es halt einfach gemacht", erklärt Stankus.

Regionales Gemüse von Frühjahr bis Herbst

Blumentöpfe mit Nutzpflanzen stehen unter einer Abdeckung.
In die saisonale Öko-Gemüsekiste kommt, was gerade reif ist. Allein an Tomaten gibt es etliche verschiedene Sorten. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Nun bieten sie von Frühjahr bis Herbst eine Gemüsekiste an, die sich die Abonnenten monatlich jeden Donnerstag an festen Orten abholen können. In die Kiste kommt, was gerade reif ist. "Dieses Jahr haben wir vor allem innerhalb der einzelnen Kulturen mehrere Sorten", sagt Puckhaber. "Bei Tomaten haben wir glaube ich 15 oder 20 verschiedene Sorten – auch, weil es uns einfach mehr Spaß macht Sorten auszuprobieren." Zu Beginn der Erntezeit ist viel Grünes in der Kiste. Salat zum Beispiel. Und wie der gut gelingt, weiß Stankus mittlerweile genau: "Wenn der zu wenig Wasser kriegt, kann er schon mal bitter werden."

Eine Frau und ein Mann knien in einem Gewächshaus.
Die beiden Schiffdorfer teilen die Leidenschaft fürs gemeinsame Gärtnern. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Wie man Gemüse anbaut, hat sich das junge Paar selbst beigebracht. Puckhaber hat vorher am Autoterminal in Bremerhaven gearbeitet, seine Freundin im Marketing bei einer Möbel-Firma. "Ich bin auch vorher gerne zu meiner anderen Arbeit gefahren, aber das was ich jetzt tue, ist einfach noch mehr meine Leidenschaft", so die 29-Jährige. "Ich kann selbstbestimmt arbeiten, ich tue etwas, von dem ich glaube, dass Menschen das wirklich brauchen."

Ich hab mich früher gerne mit dem Tagtraum beschäftigt: Was würdest du machen, wenn du auf einmal reich wärst. Da bin ich oft zu dem Entschluss gekommen: Wenn ich dann eine Beschäftigung suche – nur auf der Couch sitzen und Bier trinken wäre ja auch irgendwie uncool nach einer Zeit – dann würd ich wahrscheinlich gärtnern.

Phillip Puckhaber, Gemüsegärtner

Die Beiden sind glücklich. Vor allem, weil der Zuspruch zur Gemüsekiste so groß ist. Dieses Jahr konnten sie die Zahl der Kisten verdoppeln, ständig klingelt das Telefon. Sie wünschen sich, künftig auch Kinder oder Gruppen über das Gelände zu führen. Ihr Highlight bleibt aber der Moment, wenn sich etwas im Beet bewegt, wie Puckhaber sagt: "Wenn dann die Keimlinge aufgehen und auch noch so schön gleichmäßig wie hier, dann ist die Freude groß."

Rückblick: Die Wiederbelebung des Zolli in Bremerhaven als Das Beet

Video vom 12. Juli 2020
"Das Beet" in Bremerhaven, das zukünftig als Treff für junge Leute gelten soll.
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Carolin Henkenberens Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus Bremerhaven, 11. April 2021, 12 Uhr