Mut-Tour zur Aufklärung über Depression startet in Bremen

Lustlosigkeit, niedergeschlagene Stimmung, das Gefühl von Hoffnungslosigkeit – das können Symptome für eine Depression sein, wenn sie über einen längeren Zeitraum vorherrschen. Doch sich zu einer psychischen Krankheit zu bekennen, ist für viele Betroffene trotz großer medialer Präsenz immer noch schwer.

Radfahrer auf dem Bremer Marktplatz als Teilnehmer der Mood-Tour.
Auf dem Bremer Marktplatz sind Tandem-Teams zu einer Tour nach Leipzig aufgebrochen. Sie wollen sich für einen entspannten Umgang mit der Krankheit Depression einsetzen.

Viele von ihnen befürchten, den Job zu verlieren, dass sich Freunde abwenden oder hinter ihrem Rücken getuschelt wird. Es kann aber auch befreiend sein, offen mit der Depression umzugehen. So erleben es die Teilnehmer der Mut-Tour, die 2012 ins Leben gerufen wurde. Dabei reisen Menschen, die Erfahrungen mit Depressionen gemacht haben, einige Wochen lang quer durch Deutschland, ob per Rad, Kajak oder zu Fuß. Wir haben einige von ihnen am Startpunkt Bremer Marktplatz getroffen.

Teilnehmer der Mood-Tour.
Klaus-Dieter Stapel

Klaus-Dieter Stapel radelt zum zweiten Mal mit bei der Mut-Tour. "Bewegung in Gemeinschaft hilft gegen die Depression, weil sie davon ablenkt und man sich auch körperlich fitter fühlt. Ich wollte diesen Sommer ohnehin eine Radtour machen und so sehe ich auch noch was vom Land. In Bremen zum Beispiel war ich noch nie", sagt er. Bei der Tour reisen die Teilnehmer in verschiedenen Teams und über unterschiedliche Routen. Team 2, dem Stapel angehört, fährt per Tandems in Richtung Hildesheim und schließlich über Kassel, Nürnberg und Regensburg bis nach Leipzig.

Teilnehmerin der Mood-Tour.
Doris Schulten

Doris Schulten aus Berlin leidet seit 40 Jahren an einer Depression. "Früher habe ich das verdrängen wollen, ich habe mir gesagt, 'Du hast jetzt einfach einen Schub, aber danach wird es schon besser'. Allerdings gibt es sie immer wieder, diese Löcher, wie ich sie nenne. Etwa zwei- bis dreimal im Jahr falle ich dort hinein. Dann fehlt mir jeder Antrieb und ich grübele, die Gedanken drehen sich im Kreis." Gegen das Grübeln hat Schulten vor zwei Jahren für sich eine neue Technik entdeckt: die Meditation. "Das hilft mir aus dem Gedankenkreisen heraus." Früher, als sie noch berufstätig war, hat sie die Krankheit verheimlicht. Man muss funktionieren – das hatte sie früh verinnerlicht. Seit April geht Schulten ganz offensiv mit ihrer Krankheit um. "Das macht mir ein gutes Gefühl", sagt sie.

Teilnehmerin der Mood-Tour.
Jutta Gottschalk

Jutta Gottschalk hat für sich festgestellt, dass es ihr gut tut, viel in der Natur zu sein. Das schätzt sie auch an der jährlichen Tour, von der sie aus der Krankenkassenzeitung erfahren hat. 2014 fuhr sie das erste Mal mit. "Oft hat man als Betroffene nicht das Gefühl, darüber reden zu können. Dabei ist es ganz wichtig, der Allgemeinheit zu sagen: 'Depressionen sind behandelbar, es gibt Hilfe'", sagt sie. "Ich habe auch im Privaten erst in den vergangenen zwei Jahren angefangen darüber zu reden. Die Reaktionen darauf waren gemischt."

  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 10. Juli 2017, 15:20 Uhr