Meuterei im Mühlenfeld: Streit um Baupläne in Bremen-Oberneuland

An der Oberneulander Mühle soll gebaut werden. Unmöglich, sagen die Anwohner. Dringend nötig, sagt die Stadt. Und kämpft mit einem Trick.

Eine Mühle steht auf einem Feld.
Die Mühle sehen viele Oberneuländer als das Wahrzeichen ihres Stadtteils.

Die Aufregung ist groß: Am 18. Juni stellt Josefa Weth, Stadtplanerin beim Senator für Bau und Verkehr, den ersten Entwurf für neue Wohnflächen auf dem Mühlenfeld an der Rockwinkeler Landstraße in Oberneuland vor. Den ersten? Nicht ganz, wie sich im Laufe dieser Recherche herausstellt. Aber der Reihe nach.

Keine Wohnblocks, weniger Reihenhäuser, und wo bitte sollen die Kinder zu Schule und Kindergarten gehen? So tönt es durch den überfüllten Gemeindesaal an der Oberneulander Kirche. Weth entgegnet, es brauche die dichte Bebauung, damit sich hier auch junge Familien Häuser leisten könnten.

Geplante bebauung des MühlenfeldsGeplante bebauung des Mühlenfelds MÜHLENFELD = WAHRZEICHEN Mühle und Feld sind das Wahrzeichen von Oberneuland! Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum! Bezahlbarer Wohnraum ja, aber nicht hier! Auch junge Familien müssen in Oberneuland ein Haus kaufen können. Weniger Reihenhäuser! Wir brauchen viele Wohneinheiten zu geringeren Kosten! Garagenhöfe gehen gar nicht! Garagenhöfe kosten 75 Prozent weniger als Tiefgaragen. Kein Verkehr über den Mühlenweg! Unsere Straßen sind schon marode! Wenn der letzte Tunnel öffnet, wird der Verkehr entspannter. Es fehlen KiTa- und Schulplätze! Wir können Schul- und KiTa-Plätze erst planen, wenn wir den Bedarf kennen. Die grüne Schneise muss breiter werden! So sieht man die Mühle nicht mehr! Keine Wohnblöcke an der Rockwinkeler Landstraße! Wir brauchen Wohnblöcke als Lärmschutz!

Die Bürger fühlen sich hintergangen

Viele verstehen den Bedarf, trotzdem kocht die Stimmung, denn die Bürger fühlen sich hintergangen. Vor drei Jahren hatte der Senat eine "Zukunftswerkstatt“ stattfinden lassen – einen mehrtägigen Workshop, der die Wünsche der Oberneulander zu zukünftiger Bebauung und Infrastrukturprojekten erfragen und in einer Broschüre bündeln sollte. Ihr Deckblatt ziert die Mühle – "Was für eine Ironie“, heißt es.

In der Dokumentation steht: Über eine Bebauung soll erst nach der Öffnung des Tunnels an der Franz-Schütte-Allee, frühestens aber Ende 2016 wieder nachgedacht werden. Daran hat sich die Stadt gehalten. Ebenso aber steht da: "Neue Architektur soll sich ins Ortsbild einfügen“. Die Architektur des neuen Viertels aber tue das Gegenteil, meinen die Bürger. Es stammt aus der Feder von Lorenzen Mayer, die auch schon das Habenhausener Deichland geplant haben. Bauträger ist die Zuhause GmbH, eine Partnerschaft aus Gebr. Rausch Wohnbau und Müller & Bremermann.

Contra: Warum das Mühlenfeld nicht bebaut werden darf

Der Beirat fordert weniger, die Stadt macht mehr draus

Was weder Bürger noch Beirat zu diesem Zeitpunkt wissen: Der Plan, den sich die Stadt ursprünglich von der Ortsvertretung hatte absegnen lassen, sah anders aus. Schon damals hatte es das "Ja“ des Beirats nur mit dem Wunsch gegeben, dass weniger dicht gebaut wird. Vor den offiziellen Bürgerversammlungen aber hatte die Stadt unbemerkt noch etliche Wohneinheiten dazugestellt – nur für das Auge zu erkennen, das akribisch nachzählt. „Das erklärt, warum wir den Plan nie zugeschickt bekommen haben“, sagt Beiratssprecherin Tamina Kreyenhop (CDU). "Dass die Pläne sich immer noch ändern, ist in dieser Phase ganz normal“, verteidigt die Stadtplanung.

Pro: Warum das Mühlenfeld in Oberneuland bebaut werden soll
Das sagen Senat und Bauträger zu den Bauplänen auf dem Oberneulander Mühlenfeld

Oberneuland ist ein Dorf mit infrastrukturellen Problemen

Viele Oberneuländer befürchten einen zweiten Büropark, der ihrer Meinung nach so gar nicht in die Individualität des Stadtteils passt. Und neben emotionalen und ästhetischen Ansprüchen kommen schließlich noch infrastrukturelle Fakten zur Sprache: Schon jetzt seien Arbeits- und Schulwege überlastet und teilweise lebensgefährlich, KiTa- und Schulplätze gar nicht erst vorhanden.

Die jeweiligen Argumente müssen nun im Senat diskutiert werden. Dass das Thema aber Gehör findet, ist sicher: Bürgermeister Carsten Sieling erklärte die Errichtung eines Stadtteilzentrums mit neuem Supermarkt, KiTa und Schulausbau in Oberneuland jüngst zur Chefsache.

  • Alexa von Busse

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 29. Juni 2018, 23:20 Uhr